Üble Tricks, aufdringliche Anrufe und dreiste Abzockereien: Über die Verbraucher in Deutschland ergießt sich nach Angaben der Wettbewerbszentrale eine immer größere Flut von unlauterer Werbung. Mit dubiosen Gewinnspielen, lästigen Werbeanrufen und anderen Mitteln versuchen immer mehr Firmen, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Knapp 21.000 Beschwerden verzeichnete die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs im vergangenen Jahr, ein Anstieg von 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Beschwerden drehen sich um undurchsichtige Verkaufsförderungsmaßnahmen, unlautere Gewinnspiele und Verstöße gegen die Preisangabenverordnung, das Ladenschlußgesetz, die Berufsordnungen der Freiberufler und die Jugendschutzvorschriften, wie die Wettbewerbszentrale am Dienstag im hessischen Bad Homburg mitteilte.
„Mit der Wahrheit nicht so genau“
Auch die Zahl der Beschwerden aus der Wirtschaft selbst habe zugenommen. In knapp 3.500 Fällen mußte die Wettbewerbszentrale sich irreführender Werbung widmen. „Um die Verbraucher aus ihrer Konsumzurückhaltung herauszulocken, nehmen es manche Anbieter mit der Wahrheit nicht so genau“, erklärte Geschäftsführer Reiner Münker. „Es sind nicht immer die am besten und am günstigsten, die am lautesten schreien.“
Münker berichtete über zahlreiche Fälle insbesondere in der Branche der Unterhaltungselektronikmärkte, in denen etwa dem Verbraucher günstige Preise durch Bezugnahme auf eine unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers suggeriert worden seien, die es so gar nicht gegeben habe oder die tatsächlich deutlich niedriger gewesen sei. Stets eingreifen mußte die Wettbewerbszentrale nach eigenen Angaben gegen Gewinnspielaussendungen, in denen den Adressaten tolle Gewinne versprochen wurden, die sie angeblich mit einem Anruf unter kostenpflichtigen und besonders teuren Rufnummern (0190- und andere) abrufen konnten. „Tatsächlich geht es den Versendern hier nur um das Abzocken von Telefongebühren“, warnt die Wettbewerbszentrale.
Auch unter Krankenkassen
Auch im Gesundheitsmarkt habe der harte Kampf um die Kunden ebenfalls zu steigenden Beschwerdezahlen geführt, erklärte die Zentrale weiter. So hätten gesetzliche Krankenkassen zum Teil mit nicht zutreffenden Beitragssätzen geworben, während private Versicherer versucht hätten, Zusatzversicherungen mit der falschen Warnung unter die Leute zu bringen, Zahnersatz werde ab 2005 nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Bei unerwünschten Werbeanrufen auflegen
Auffällig sei, daß unerwünschte Werbung per Telefon, Telefax und E-Mail trotz einer Verschärfung der Regelungen im vergangenen Jahr offenbar weiter hoch im Kurs stehe, erklärte Münker. Seit In-Kraft-Treten des neuen Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb im Juli 2004 seien bei der Wettbewerbszentrale über 1.300 Beschwerden wegen belästigender Werbung eingegangen. Die Adressaten solcher Werbung egal ob Verbraucher oder Unternehmer können sich dagegen nur schwer wehren. „Die Mitarbeiter von Call-Centern sind so gut geschult, daß der Angerufene das Gespräch meistens nur durch eine Unhöflichkeit beenden kann“, erklärte Münker. Zulässig sind derartige Werbeformen aber nur dann, wenn der Adressat zuvor sein Einverständnis erklärt hat.