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Universitäten Briten erwägen Akademikersteuer

12.08.2010 ·  Die Briten denken über eine Radikalreform in der Hochschulfinanzierung nach: Eine Sonderabgabe, die nur von Akademikern zu zahlen ist, soll möglicherweise künftig die Finanzierung der Universitäten sichern. Das Modell wäre komplettes Neuland.

Von Marcus Theurer
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Das vom Dachverband der britischen Studentenvereinigungen vorgelegte Rechenmodell klingt revolutionär: Hochschulabsolventen sollen in Zukunft über 25 Jahre hinweg 5 Prozent ihres Einkommens als Sondersteuer zur Finanzierung der klammen Universitäten des Landes bezahlen. Die Akademikersteuer, die es so nach Angaben von Experten bisher nirgends auf der Welt gibt, könnte nach den Vorstellungen der National Union of Students (NUS) die bisher an den Universitäten in Großbritannien erhobenen Studiengebühren ersetzen. Profitieren würden davon Hochschulabgänger, die nach ihrem Abschluss ein eher niedriges Gehalt beziehen, denn sie zahlen weniger Steuern als Spitzenverdiener.

Der Studentenverband hat in seinem Streben nach einem Systemwechsel einen mächtigen Verbündeten an seiner Seite: Der auch für die Hochschulen zuständige Wirtschaftsminister Vince Cable von den Liberalen ist ein Befürworter der Akademikersteuer. Auch er will Briten mit Universitätsabschluss überproportional für die Kosten ihrer Ausbildung zur Kasse bitten, wenn sie nach Verlassen der Universität gut verdienen. „Es kann nicht richtig sein, dass ein Lehrer oder ein Sozialarbeiter denselben Beitrag leistet wie ein Wirtschaftsanwalt, ein Arzt oder ein Bankanalyst“, findet Cable. Nach dem Rechenexempel der NUS-Studenten, das einen Einkommensfreibetrag von 15.000 Pfund vorsieht, würde ein Lehrer mit einem Anfangsgehalt von 23.000 Pfund im Jahr 400 Pfund im Jahr bezahlen, ein angehender Anwalt mit einem Bruttoeinkommen von 45.000 Pfund dagegen 1500 Pfund.

Schon heute wird den ehemaligen Studenten „etwas abverlangt“

Noch ist der radikale Systemwechsel in der Hochschulfinanzierung nicht beschlossen, denn Cables Liberale sind nur der Juniorpartner in der Londoner Regierungskoalition. Die Konservative Partei von Regierungschef David Cameron hat dagegen zumindest bisher wenig Begeisterung für die Akademikersteuer gezeigt und wollte eher höhere Studiengebühren zulassen. Der konservative Bildungsstaatssekretär David Willets deutet nun allerdings einen Meinungswandel an. Er habe „eine Präferenz dafür, Absolventen nach Eintritt in das Berufsleben etwas abzuverlangen“, sagte Willets, ohne sich konkret für die Steuer auszusprechen.

Die Position der Konservativen Partei bleibt damit unklar, denn schon heute wird den ehemaligen Studenten „etwas abverlangt“. Schon bisher bezahlen die meisten britischen Hochschulabsolventen während des Berufslebens noch viele Jahre für ihren Abschluss: Sie begleichen die Studiengebühren nicht während ihrer Universitätszeit, sondern nehmen dafür einen staatlich geförderten zinsgünstigen Kredit in Anspruch, den sie erst langfristig zurückzahlen müssen. Zurzeit liegt die gesetzlich festgelegte Obergrenze für die Studiengebühren bei knapp 3000 Pfund im Jahr. Studenten, die nicht aus Großbritannien oder der Europäischen Union stammen, müssen allerdings deutlich mehr bezahlen. Eliteuniversitäten wie Oxford verlangen je nach Fachgebiet jährlich bis zu 25.000 Pfund.

Einigkeit herrscht allerdings darin, dass, was die Hochschulfinanzierung angeht, etwas geschehen muss, denn der finanzielle Druck wächst. Noch zählen viele britische Hochschulen zu den renommierten der Welt. Spitzenuniversitäten wie Cambridge oder das University College in London bilden Studenten aus der ganzen Welt aus. Nur die Vereinigten Staaten locken mehr ausländische Studenten an als Großbritannien. Die Zahl der Studenten aus dem Inland, auf die der Großteil der Kosten entfällt, wächst derweil kontinuierlich. In diesem Jahr wurden 10 Prozent mehr Studienanfänger zugelassen. Zugleich müssen die Universitäten den Gürtel enger schnallen, denn die Studiengebühren allein sind nicht kostendeckend. Die Regierung hat im Juni angekündigt, die Gesamtausgaben quer über alle Ressorts um ein Viertel zu senken, um das in der Wirtschaftskrise stark gestiegene Haushaltsdefizit zu senken. Auch die Hochschulen werden wohl nicht verschont.

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