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Unglück im Glück Hilfe, ein Lottogewinn!

Alle träumen davon, den Jackpot zu knacken. Wer das schafft, muß aber noch lange nicht glücklich werden. 80 Prozent haben bald schon wieder Schulden.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb Knapp 4200 Menschen haben seit dem Lotto-Start 1955 sechs Richtige gehabt

„Wegen Reichtum geschlossen“ stand auf dem Schild, das 1956 einer der ersten deutschen Lottogewinner an die Tür seines Hauses hängte. Dann machte er sich auf, das Geld zu verprassen. Als er ein paar Jahre später starb, war nichts übrig vom großen Traum. Der Mann, der einst ein eigenes Hotel besessen hatte, starb im Obdachlosenasyl.

Das klingt skurril - ist es aber gar nicht. "Große Gewinne", weiß Gerhard Meyer, Psychologe und Glückspielforscher von der Universität Bremen, "überfordern viele Menschen." Die Lebensgeschichte des Mannes, den der Reichtum arm gemacht hat, verwundert den Experten darum auch nicht: "Geld bringt nicht automatisch auch Glück."

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Nichts als Unglück

Wer aufmerksam die Boulevardpresse verfolgt, findet dort sogar erstaunlich viele Meldungen von Menschen, denen ein Lottogewinn nichts als Unglück gebracht hat. In Bayern beispielsweise stand vor ein paar Wochen ein ehemaliger Lottogewinner vor Gericht, der verschiedene Banken überfallen hatte. Er wollte kaschieren, daß er einen ein paar Jahre zuvor erhaltenen Lottogewinn bereits wieder verspielt hatte. In Thüringen machte fast zur selben Zeit ein Serieneinbrecher von sich reden, der vor rund acht Jahren 1,5 Millionen Mark im Lotto kassiert hatte, mit dem Geld aber ebenfalls nicht umgehen konnte.

lotto Luxus-Liner "MS Paradise" © picture-alliance / dpa Vergrößern Nichts wie weg hier...

Sechs Richtige im Lotto - knapp 4200 Menschen ist dies seit dem Start des Spiels 1955 gelungen. 4200 Menschen, die damit für immer ihre Sorgen los waren, so glauben zumindest Millionen von Menschen, die es ihnen Woche für Woche nachzumachen versuchen. Experten sehen das anders. Offizielle Statistiken gibt es zwar nicht, aber es gibt Schätzungen von Insidern, nach denen 80 Prozent aller Lottogewinner bereits nach zwei Jahren wieder bei Null oder sogar im roten Bereich angelangt sind.

Kurzes Glücksgefühl

Natürlich löst ein Gewinn zunächst einmal Glücksgefühle aus, weiß Psychologe Meyer: "Der Gewinner fühlt sich bestätigt und belohnt." Aber so schnell, wie es gekommen ist, verschwindet dieses Glücksgefühl auch wieder. Forschungen in den Vereinigten Staaten haben sogar gezeigt, daß schon nach ein paar Wochen das subjektiv empfundene Glück auf dem gleichen Niveau liegt wie das von querschnittgelähmten Unfallopfern. Schuld daran ist das, was Wissenschaftler hedonistische Anpassung nennen. Weil unser Körper ständige Hochs oder Tiefs nicht aushalten könnte, steuert er selbst dagegen an.

Viele Lottogewinner glauben, nur weil sich die materielle Lebenssituation von heute auf morgen ändert, wird sich auch die Lebenszufriedenheit erhöhen. Daß das jedoch nicht so ist, zeigt der Fall einer Sekretärin aus Hamburg. Nachdem sie sechs Richtige im Lotto angekreuzt hatte, kündigte sie sofort ihren Job, kaufte sich eine Eigentumswohnung, richtete sich vollkommen neu und teuer ein und bereiste die Welt. Glücklich wurde sie nicht. Drei Jahre nach dem Glückstreffer hatte sie nur einen Wunsch, sie wollte wieder wie ein normaler Mensch leben und arbeiten.

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