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Studie von Oxfam : Jeden zweiten Tag ein neuer Milliardär

Skyline von Panama: Arme und Reiche liegen hier nah aneinander, laut Oxfam sind sie aber Welten voneinader entfernt. Bild: AFP

Laut der neuen Oxfam-Studie ist die extreme Ungleichheit von Reichen und Armen immer noch „katastrophal“. Doch die Methoden der Organisation geraten immer wieder in Kritik.

          Jedes Jahr, kurz vor dem Treffen mächtiger Politiker und Wirtschaftsführer in Davos, schockt Oxfam die Welt mit neuen Zahlen zur sozialen Ungleichheit. In diesem Jahr verkündet die Entwicklungsorganisation: „82 Prozent des globalen Vermögenswachstums gingen im letzten Jahr an das reichste Prozent der Weltbevölkerung.“ Jeden zweiten Tag sei im vergangenen Jahr auf der Welt ein Dollar-Milliardär hinzugekommen – inzwischen gebe es 2043 Personen mit einem solchen Vermögen. Die ärmere Hälfte der Welt sei hingegen leer ausgegangen.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          „Diese extreme Ungleichheit hält Menschen in Armut gefangen, zerstört den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ist ökonomisch kontraproduktiv und in der Konsequenz für uns alle katastrophal“, urteilt Oxfam. Die Berechnungen basieren auf dem „Global Wealth Databook 2017“ der Großbank Credit Suisse sowie auf der Forbes-Milliardärsliste.

          Im vergangenen Jahr hatte Oxfam mit der Meldung für Schlagzeilen gesorgt, dass die acht reichsten Männer der Welt wohlhabender seien als die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit. In dem an diesem Montag erscheinenden Bericht wird diese Zahl etwas relativiert. „Nach den aktuellsten Informationen verfügten im Jahr 2017 nur 42 Personen über den gleichen Reichtum wie die ärmsten 3,7 Milliarden Menschen auf der Welt“, heißt es nun. Diese höhere Zahl ergebe sich aus neuen Daten für Russland, China und Indien. Von der Diagnose einer immer stärkeren Vermögenskonzentration rückt Oxfam dennoch nicht ab. „Hätten wir damals über die heutigen Daten verfügt, hätte die Zahl 61 lauten müssen“, schreibt Oxfam.

          Auch Erfolge im Kampf gegen Armut

          Schon im vergangenen Jahr war die Hilfsorganisation wegen ihrer Berechnungsmethode in die Kritik geraten. Denn die Daten der Credit Suisse, auf die Oxfam auch nun wieder zurückgreift, beziffern das Nettovermögen der Menschen. Darin enthalten sind das Geld, die Wertpapiere, Immobilien und sonstigen Vermögenswerte, die jemand besitzt – abzüglich seiner Schulden. Wer sich also zum Beispiel in den Vereinigten Staaten für sein Studium verschuldet, kann auf dem Papier ärmer sein als ein Bauer in Afrika, der nur ein Ochsengespann besitzt.

          Eine solche Analyse sei „im besten Fall irreführend“, hatte das Londoner Institute of Economic Affairs kritisiert. Der Berliner Ungleichheitsforscher Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung verteidigte die Methodik dagegen. „Für eine Querschnittsanalyse ist diese Herangehensweise durchaus sinnvoll, denn ob der Student in Amerika tatsächlich mal ein hohes Einkommen erwirtschaften wird, ist unklar“, sagte er der Frankfurter Allgemeine Zeitung.

          Oxfam ruft in seinem Bericht die Politik dazu auf, die Steuervermeidung von Konzernen und Superreichen zu stoppen. Dazu beitragen sollen unter anderem Mindeststeuersätze, die nach Oxfam-Vorstellung auf der gesamten Welt gelten sollen. An weniger prominenter Stelle geht Oxfam darauf ein, dass es im Kampf gegen Armut große Erfolge gibt.

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          Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut (also von weniger als 1,90 Dollar am Tag) leben, hat sich nach Angaben der Vereinten Nationen seit 1990 mindestens halbiert. Oxfam zitiert Messungen der Weltbank, nach denen die Einkommensungleichheit „global gesehen“ abnimmt. Das liege vor allem an steigenden Einkommen in Lateinamerika, China und anderen bevölkerungsreichen asiatischen Ländern. Für die Vermögen, die Oxfam in den Vordergrund stellt, gelte das aber nicht. Die Organisation selbst hatte in einer früheren Studie bemängelt, dass die Erfolge im Kampf gegen die Armut in der Öffentlichkeit „weitgehend unbemerkt“ bleiben.

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