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Umverteilung : Unverdientes Vermögen?

Reichtum wird zum Problem - wenn er nicht auf Leistung beruht. Bild: dpa

Die Politik findet wieder Gefallen an der Idee der Vermögensteuer. Brisanz bekommt das Ansinnen durch den Armuts- und Reichtumsbericht des Bundesarbeitsministeriums. Die Unternehmer bekommen es mit der Angst.

          Die Unternehmer in Deutschland sind alarmiert. SPD, Grüne, Linke, Gewerkschafter und längst auch Unionspolitiker wollen an das Vermögen der Reichen. Und ein Teil des Vermögens ist in Deutschland nun einmal in Unternehmen gebunden. Brisanz bekommt das Ansinnen durch den Armuts- und Reichtumsbericht des Bundesarbeitsministeriums, der den alten Verdacht befeuert: Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer. Die Instrumente zur Therapie liegen auch schon bereit: Reichensteuer, Vermögensabgabe, Vermögensteuer.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Es ist eine Debatte mit seltsamem Timing. Der Krefelder Unternehmer Lutz Goebel findet es geradezu grotesk: „Die Steuereinnahmen sprudeln wie nie, die Sozialkassen laufen über, und Deutschland debattiert über neue Steuern.“

          Goebel liefert eine Mutmaßung, wieso die Spreizung in der Tat voranschreitet: „Die deutschen Unternehmen haben in den vergangenen zehn Jahren ihre Hausaufgaben gemacht und sind wettbewerbsfähiger geworden.“ Das hat die Werte der Unternehmensbeteiligungen steigen lassen, sagt der Chef des Verbandes „Die Familienunternehmer“. Die Firmen haben es für sich gemacht, sind aber damit der Forderung der Politik gerecht geworden, die den vor zehn Jahren kursierenden Ruf von Deutschland als krankem Mann Europas loswerden wollte.

          „Eine Vermögensteuer bricht der deutschen Industrie das Rückgrat“

          Und nun zur Strafe eine Vermögensteuer? Das SPD-Modell, 1Prozent auf die Vermögenswerte einzukassieren, koste die Unternehmen 20 Prozent Gewinn, schimpft Goebel. Denn die Anteilseigner des Unternehmens würden als Konsequenz sich mehr vom Gewinn ausschütten lassen, um ihre Steuerschuld begleichen zu können. Vorausgesetzt, die Firmeneigentümer haben nicht noch andere Einkommensquellen.

          „Eine Vermögensbesteuerung ist schlicht Teufelszeug, weil sie an der Substanz der Unternehmen zehrt“, sagt Goebel, Auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, warnt schon länger: „Eine Vermögensteuer bricht der deutschen Industrie das Rückgrat.“ Keitel will auf dem Tag der Deutschen Industrie in der kommenden Woche der Politik ins Gewissen reden.

          Zur Sorge gesellt sich Unverständnis unter Unternehmern, warum die Vermögensentwicklung überhaupt ein Problem sein soll. „Der Reichtum des Unternehmers ist der Reichtum der Gesellschaft“, sagt Dieter Brucklacher. Was in mancher Ohren wie ein Provokation klingt, wird nach näherer Betrachtung verständlich.

          Brucklachers Familie gehört die Firmengruppe Leitz mit 4500 Mitarbeitern und 450 Millionen Euro Umsatz aus dem schwäbischen Oberkochen. Gegründet wurde der Maschinenbauer 1876. „Für Familienunternehmer“, sagt Brucklacher, „ist die Firma das Vermögen.“ Das Eigenkapital habe der Stabilisierung der Firma zu dienen. „Es darf nicht angetastet werden“, sagt Brucklacher. Weder von Eigentümern noch vom Staat.

          Brucklacher hat hart gearbeitet, die Firma erfolgreich zu machen. Er selbst fühlt sich verpflichtet, die Firma gut erhalten der nächsten Generation zu übergeben. Es ist sogar einer seiner Anreize. Ist Brucklacher eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Wirtschaft? Eher nicht, ohne dass es genaue Zahlen gibt. „Keiner will, dass in seiner Generation das Licht ausgeht“, lautet ein Motto, das unter Familienunternehmern kursiert.

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