Nach einem neuen Passagierrekord im ersten Halbjahr strebt die Deutsche Bahn im laufenden Jahr neue Spitzenzahlen bei Umsatz und Ergebnis an. Wegen der eingetrübten Konjunktur, die vor allem auf den Güterverkehr durchschlägt, wird sie den geplanten Umsatzrekord von rund 40 Milliarden Euro dieses Jahr allerdings voraussichtlich nicht erreichen. Finanzvorstand Richard Lutz nannte bei der Vorlage der Halbjahresbilanz am Donnerstag in Berlin die neue Zielmarke von 39 Milliarden Euro (2011: 37,9 Milliarden Euro).
Für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) bleiben der Bahn-Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube und Lutz sehr zuversichtlich: Hier rechnen sie nach wie vor mit 2,6 Milliarden Euro im Gesamtjahr 2012. Voraussetzung für diese Entwicklung sei jedoch, dass sich die Rahmenbedingungen nicht erheblich verschlechterten, betonten Grube und Lutz. Der Bahnvorstand arbeite mit der Prämisse, dass es bei der vorübergehenden konjunkturellen Abschwächung bleibe und es nicht zu einer weltweiten Rezession komme. Das gemischte Portfolio der Bahn erleichtere das Überbrücken einer Konjunkturschwäche. Über Preissteigerungen will der Vorstand erst im Herbst entscheiden.
Grube: Konzentration auf „heimisches Brot-und-Butter-Geschäft“ zahlt sich aus
Im ersten Halbjahr brachten der Personenverkehr sowie die Infrastruktur der Bahn die Gewinne. Grube hob hervor, dass sich die Konzentration auf das „heimische Brot-und-Butter-Geschäft“ auszahle. Immer mehr Reisende entschieden sich für Züge der Deutschen Bahn. In den ersten sechs Monaten erhöhte sich die Zahl der Fahrgäste im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum um fast 40 Millionen auf mehr als eine Milliarde Reisende. Stolz verweist die Bahn auf ihre Pünktlichkeitsstatistik. Danach kamen im ersten Halbjahr 93 Prozent der Züge nach Plan. Trotz der Zunahme von Verkehr und Baustellen im Herbst hofft die Bahn, dieses Ergebnis bis zum Jahresende stabil halten zu können. Zum Winterfahrplan sollen überdies endlich acht neue ICE im Fernverkehr zur Verfügung stehen.
Der Umsatz des Konzerns stieg im ersten Halbjahr um 3,3 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Das Ebit wuchs um 16,6 Prozent Millionen Euro auf 1,3 Milliarden Euro. Grube versicherte, die Bahn wolle Service und Qualität weiter verbessern. Die Bruttoinvestitionen seien im Berichtszeitraum um 13 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro erhöht worden. Allerdings seien auch die Finanzschulden im Vergleich zu Ende 2011 leicht auf 16,6 Milliarden angestiegen. Lutz führte dies auch darauf zurück, dass die Bahn erstmals eine Dividende von 525 Millionen Euro an den Bund ausschütten musste. An einen nennenswerten Abbau des Schuldenbergs in naher Zukunft ist nicht gedacht. Lutz betonte, wichtige Kennzahlen belegten, dass der Konzern auf dem richtigen Weg sei. So sei die Kapitalrendite von 7,2 auf 8,1 Prozent gestiegen.
Die Geschäftsfelder haben in unterschiedlichem Maß zum positiven Gesamtergebnis beigetragen. Die Verkehrsleistung erhöhte sich im Schienenpersonenverkehr um 4,4 Prozent auf 39,7 Milliarden Personenkilometer (Zahl der Fahrgäste multipliziert mit der Zahl gefahrener Kilometer). Der Busverkehr (ohne Arriva) schrumpfte dagegen um 6,1 Prozent auf 383,4 Millionen Fahrgäste - vor allem wegen sinkender Schülerzahlen. Sorgen bereitet dem Vorstand die Entwicklung im Güterverkehr. Im Logistikgeschäft wiesen Land- und Seeverkehr ein kleines Plus auf. Die Luftfracht ging indes im ersten Halbjahr um 7,9 Prozent zurück. Der Schienengüterverkehr vermeldete ein Minus von 2,6 Prozent auf 202,3 Millionen Tonnen beförderter Güter. Insgesamt erwartet die Bahn bei DB Schenker 2012 ein Ergebnis auf Vorjahresniveau.
Die Trassennachfrage auf dem Netz sank geringfügig. Die Verkehrsleistung ging um 0,6 Prozent auf 518,5 Millionen Trassenkilometer zurück. Die konzernexternen Bahnen erhöhten ihre Leistung allerdings um 4,1 Prozent auf 112,7 Millionen Trassenkilometer. Ihr Anteil am gesamten Betrieb auf dem Netz hat mit 21,7 Prozent ein neues Rekordniveau erreicht.
Mulmiges Gefühl.....
Udo Meyer (UdoSMeyer)
- 27.07.2012, 12:50 Uhr