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Umfrage Soll die EZB ihre geldpolitische Strategie aufgeben?

 ·  Die EZB steht unter Kritik: Die geldpolitische Strategie sei zu kompliziert und überholt. Wir haben Chefvolkswirte großer Banken um ihre Einschätzung gebeten.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) steht unter Kritik: Die geldpolitische Strategie sei zu kompliziert und überholt. Wir haben Chef- und Europavolkswirte großer Banken um ihre Einschätzung gebeten. Der Hintergrund.

Alle Jahre wieder, wie auch im Dezember 2002, beschließt der Rat der EZB über den Referenzwert für das Wachstum der Geldmenge M3 für das kommende Jahr. Die EZB betrachtet den Referenzwert von 4,5 Prozent als einen mittelfristigen Maßstab, der nicht als Zielgröße zu verstehen sei. Vorübergehende Abweichungen des Geldmengenwachstums vom Referenzwert seien nicht ungewöhnlich. Kritiker betrachten aber mit Erstaunen, daß die Geldmenge M3 schon seit mehr als einem Jahr deutlich stärker als der Referenzwert zulegt.

Die EZB und ihre Beobachter führen das vor allem auf die Unsicherheit an den Finanzmärkten zurück. Deshalb weise das starke Wachstum der Geldmenge zumindest vorerst nicht auf Inflationsgefahren hin. Wegen der starken Schwankungen von M3 mehren sich die Forderungen, die EZB solle ihre geldpolitische Zwei-Säulen- Strategie ändern.

In der ersten Säule analysiert die EZB die monetären Daten, unter denen die Geldmenge einen prominenten Platz einnimmt. In der zweiten Säule beobachtet die EZB Preisdaten wie die Inflationsrate sowie realwirtschaftliche Indikatoren wie das Wirtschaftswachstum oder die Arbeitslosenrate. Unlängst hat der Internationale Währungsfonds gefordert, die EZB solle dem Geldmengenwachstum in der Geldpolitik weniger Bedeutung beimessen und anstelle des Referenzwertes einen Korridor benennen. Der deutsche Sachverständigenrat wiederum rät der EZB, beide Säulen der geldpolitischen Strategie zu verschmelzen, um die Geldpolitik verständlicher kommunizieren zu können.

Oft ist die Forderung nach einer Aufgabe der ersten Säule auch verbunden mit dem Wunsch nach einer lockeren Geldpolitik. Ein starres Festhalten an der ersten Säule verhindere, daß die EZB flexibel und frühzeitig wie die amerikanische Fed auf die Bedürfnisse der Wirtschaft eingehen könne. Empfohlen wird dann oft, die Definition von Preisstabilität großzügiger zu fassen. Die EZB versteht unter Preisstabilität, daß die Inflationsrate auf mittlere Frist zwischen null und 2 Prozent liegt. Wir haben Chef- und Europavolkswirte großer Banken gefragt, ob die EZB ihre geldpolitische Strategie ändern sollte. (bf./pwe.)

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Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2002, Nr. 278 / S. 23
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