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Umfrage Die Mehrheit der Polen lehnt den Euro ab

Mehr als die Hälfte der Polen hält die Einführung des Euro im eigenen Land für „etwas Schlechtes“. Während 37 Prozent sagten, Polen sollte niemals den Euro einführen, wollten 22 Prozent den Euro frühestens in zehn Jahren.

© dapd In Warschau wird noch mit Zloty bezahlt: Polen hat sich mit dem EU-Beitritt 2004 aber zur Euro-Einführung verpflichtet.

Die polnische Bevölkerung steht der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung mehrheitlich ablehnend gegenüber. Mehr als die Hälfte der Polen sieht die Aufgabe der Landeswährung Zloty zu Gunsten des Euro negativ, wie eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS ergab. Mehr als zwei Drittel fürchten, dass sich die Lage in der heimischen Wirtschaft dadurch verschlechtert. Nur jeder siebte Befragte hält die Euro-Einführung prinzipiell für gut.

Sven Astheimer Folgen:

Polen ist als einziges europäisches Land mit einem stabilen Wirtschaftswachstum durch die Krise gekommen. Als ein Grund dafür gilt die Abwertung des Zloty zu Gunsten der Exportwirtschaft. Obwohl für dieses Jahr abermals ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von knapp 2 Prozent erwartet wird, lässt die wirtschaftliche Dynamik doch spürbar nach. Der Zuwachs ist mittlerweile rein exportgetrieben, der private Konsum geht zurück. Viele Polen geben einer weiteren Umfrage zufolge an, häufiger in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten und sind deshalb skeptisch für die Zukunft.

Mit dem EU-Beitritt 2004 hat sich Polen zur Euro-Einführung verpflichtet, wenn es die vorgeschriebenen Kriterien erfüllt. Dies ist derzeit noch nicht der Fall. Die polnische Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk hatte ursprünglich damit geliebäugelt, den Startschuss zum Beitritt schon im vergangenen Jahr zu geben. Angesichts der steigenden Skepsis in der Bevölkerung legt sich Warschau jedoch nicht mehr auf ein konkretes Beitrittsdatum fest. Die formalen Voraussetzungen könnten Regierungsangaben zufolge zwar bis 2015 erfüllt sein. Weil für die Euro-Einführung jedoch auch die polnische Verfassung geändert werden muss, und die nötigen Mehrheiten derzeit nicht gegeben sind, hat Wirtschaftsminister Janusz Piechocinski zuletzt im Gespräch mit dieser Zeitung auch das Jahr 2016 als unrealistisch bezeichnet. Viele Polen denken allerdings noch in deutlich längeren Zeiträumen. Während laut TNS-Umfrage mehr als jeder Fünfte den Euro frühestens in zehn Jahren im Geldbeutel haben will, lehnen ihn 37 Prozent komplett ab.

Quelle: F.A.Z.

 
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