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Uli Hoeneß : In einer anderen Liga

Uli Hoeneß Bild: AP

Uli Hoeneß hat öffentlich den konservativen Geschäftsmann gegeben und vollmundig die neue Fußballwelt beschworen. Bayern München habe sich um Lichtjahre entfernt vom Amateurmilieu. Aber ist das so?

          Der Uli Hoeneß, hat Franz Beckenbauer einmal gesagt, sei schon als Manager auf die Welt gekommen. Dem Fußball-Kaiser widerspricht man selbst in diesen Tagen nicht, in denen erhebliche Zweifel an Hoeneß’ privaten Managementfähigkeiten aufgekommen sind. Und offenkundig haben es auch gestandene Vorstandsvorsitzende großer deutscher Konzerne nicht gewagt, beim Mittelständler FC Bayern München, in dessen Aufsichtsrat sie als Sponsoren sitzen, auf geordnete Verhältnisse zu bestehen. So kann Hoeneß weiterhin den Aufsichtsratsvorsitzenden einer Aktiengesellschaft spielen, obwohl ihm nach seiner Selbstanzeige längst die Strafverfolger im Nacken sitzen. Ob Martin Winterkorn (Volkswagen), Timotheus Höttges (Deutsche Telekom), Rupert Stadler (Audi) und Herbert Hainer (Adidas) einen solchen Fall im eigenen Unternehmen geduldet hätten, muss stark bezweifelt werden.

          Offenbar spielt der FC Bayern München in einer anderen Liga, sind Fußballvereine mitsamt ihren Kapitalgesellschaften dann doch noch beseelt von der Elf-Freunde-müsst-ihr-sein-Mentalität zu Zeiten eines Sepp Herberger. Dabei hat kein anderer deutscher Fußballmanager in all den Jahren so vollmundig die neue Fußballwelt beschworen wie Hoeneß. Sein Petitum lautete, der FC Bayern München habe sich um Lichtjahre entfernt vom Amateurmilieu, in dem das deutsche Vereinswesen verwurzelt ist. Vorbei seien die Zeiten, in denen ehrenamtliche Manager auf Geheiß von Mäzenen mit Millionenbeträgen jonglierten.

          Hoeneß, der diese Zeiten als Spieler und als Manager an der Säbener Straße noch erlebt hat, stand nach seinem Selbstverständnis für eine gewinnorientierte Unternehmensführung, die dem Shareholdervalue-Gedanken Rechnung trägt. Oft genug hat er öffentlich den konservativen Geschäftsmann gegeben, der weder mit seiner Wurstfabrik noch bei großen Spielertransfers je Schulden gemacht hat. Noch vor fünf Wochen - da hatte er sein geheimes Zockerkonto in der Schweiz den Behörden längst offenbart - tönte Hoeneß in einem Interview, den „gesündesten Verein der Welt“ zu führen.

          Doch auch für diesen Verein gelten die üblichen Spielregeln. Aufsichtsräte sind dazu da, für die Einhaltung dieser Regeln zu sorgen. Deswegen hätten die Herren Winterkorn, Stadler, Höttges und Hainer Hoeneß zumindest auffordern müssen, sein Amt ruhen zu lassen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

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