Home
http://www.faz.net/-gqe-790z4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Uli Hoeneß Ein Land im Jagdfieber

Plagiatssucher bringen prominente Promovierte zur Strecke. Politiker drohen Bankern mit Knast. Aktuell ist die Meute hinter Uli Hoeneß her. Sein Fall lehrt viel über Moral - und Doppelmoral.

© dpa Die Schweiz: Für Schwarzgeld kein Hort der Sicherheit mehr.

Reiche, die ihren Anteil zur Finanzierung des Gemeinwesens nicht zahlen. Wütende Angriffe gegen Steuerhinterzieher. Bankern droht Gefängnis wegen zu riskanter Geschäfte. Man kann da an Zypern oder Griechenland denken. Doch das Stück spielt in Berlin, früher auch stolz Spree-Athen genannt. Die Verhältnisse haben sich geändert. Heute steht die Elite des ganzen Landes am Pranger. Aberkannte Doktortitel sind ein Indiz dafür. Auf promovierte Politiker ist eine wahre Hatz im Gange. Auch Banker erfahren nach der Finanzkrise einen harten Liebesentzug. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Vorstandsvorsitzenden einer deutschen Großbank einen Geburtstagsessen gibt, erscheint derzeit undenkbar.

Manfred Schäfers Folgen:

Das ließe sich aus Sicht der Manager verkraften, viel schlimmer ist für sie, dass die Koalition einen neuen Straftatbestand plant. Vorständen von Kreditinstituten droht dann fünf Jahre Gefängnis, wenn sie ihr Unternehmen in eine Schieflage manövrieren. Ganz unten in der Hierarchie der Gefallenen stehen die Steuerhinterzieher, nicht ganz überraschend, da das, was sie gemacht haben, sträflich war und strafbar ist. Sie sind zum Freiwild geworden, sogar wenn sie sich selbst angezeigt haben.

Aktuell jagt die Meute Uli Hoeneß, Fußballboss, Wurstfabrikant und offenbar auch ganz erfolgreicher Spekulant. Letzteres stürzte ihn ins Unglück. Seit bekannt wurde, dass er sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt hat, ist die Treibjagd im Gang. Normalerweise werden solche Geschichten zwischen reuigem Steuerhinterzieher und Fiskus im Stillen bereinigt. Das Steuergeheimnis gilt eigentlich für alle.

Beim Präsidenten des FC Bayern München findet jedoch das Spiel vor einem großen Publikum statt. Warum, das wissen die Götter. Von Hoeneß kann man auf jeden Fall viel lernen, nicht immer siegen, aber dafür etwas über Schuld und Sühne. „Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ Das ist ein paar Jahre her, das sagte er im Jahr 2005. Etwas ältere Fußballfans werden nie vergessen, wie er 1976 im Finale der Europameisterschaft den entscheidenden Elfmeter über das Tor jagte. Ähnlich dürfte ihm nun das Doof-Zitat nachhängen.

Nur der Kaiser hält zu Hoeneß

Warum seine Selbstanzeige möglicherweise nicht greift, lädt zu anderen Spekulationen ein: War Hoeneß doch nicht von Reue, sondern von laufenen Ermittlungen getrieben, als er versuchte, verspätet reinen Tisch zu machen? War die Selbstanzeige unvollständig? Die Finanzbehörden haben eigentlich ein großes Herz für Steuersünder, die aus freien Stücken beichten und Buße tun. Dann bleibt den Betroffenen der Gang vor das Gericht erspart, dann droht ihnen nicht das Gefängnis. Aber über das Los können sie dann auch nicht gehen, denn billig ist so eine Sache nicht aus der Welt zu schaffen.

Wer beispielsweise eine Million Euro vor zehn Jahren am Fiskus vorbei erwirtschaftet hat, dem bleibt nicht viel, wenn er sich heute dem Finanzamt offenbart. Er muss nicht nur mit der Selbstanzeige den hinterzogenen Betrag an die Finanzkasse überweisen, sondern auch einen Verzugszins von 6 Prozent je Jahr plus einmalig einen Aufschlag von 5 Prozent ab einer bestimmten Summe. So kann am Ende vier Fünftel des Schwarzgelds weg sein - und wer in diesen Jahren schlecht gewirtschaftet hat, wird Probleme haben, die Steuerschuld zu bezahlen.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Abstimmung im Bundestag Steuerzahlerbund fordert Nein zu Griechenland-Hilfen

Der Bund der Steuerzahler äußert Zweifel an der Rechtmäßigkeit eines dritten Hilfspakets. Der Umgang der Euro-Länder mit der Krise sei die größte Insolvenzverschleppung aller Zeiten. Mehr

15.07.2015, 03:22 Uhr | Wirtschaft
Queen-Besuch Gastgeschenk für die Queen sorgt für Diskussion

Der Queen-Besuch ist vorbei aber die Diskussion über das Gastgeschenk von Bundespräsident Joachim Gauck an Königin Elizabeth II. geht weiter. Die britische Presse hat sich über das Gemälde mit dem blauen Pferd, der Königin als Kind und ihrem Vater lustig gemacht. Gauck sagte beim Treffen: Falls Sie das Bild nicht mögen, hier ist noch Marzipan. Mehr

27.06.2015, 12:45 Uhr | Politik
Griechenland-Zuschlag Von einer Soli-Steuer für Athen will Berlin nichts wissen

Die Belastung Deutschlands aus dem neuen Hilfspaket für Athen beträgt 22 Milliarden Euro. Der Bund der Steuerzahler lehnt jedoch Steuererhöhungen zur Finanzierung der Griechenland-Hilfe ab. Mehr Von Manfred Schäfers, Berlin

17.07.2015, 22:58 Uhr | Wirtschaft
Hundert Jahre nach dem Genozid Gauck spricht von Völkermord an den Armeniern

Ihr Schicksal stehe beispielhaft für die Geschichte der ethnischen Säuberungen und Völkermorde, von der das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet sei, so der Bundespräsident. Mehr

24.04.2015, 10:31 Uhr | Politik
Prozess in Lüneburg Verteidiger in Auschwitz-Prozess plädiert auf Freispruch

Der Angeklagte habe keine strafrechtlich relevante Beihilfe zum Massenmord in Auschwitz geleistet, argumentiert die Verteidigung im Lüneburger SS-Prozess. Der 94 Jahre alte Oskar Gröning selbst zeigt sich abermals reuig. Mehr

14.07.2015, 15:14 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 10.05.2013, 17:18 Uhr

Chinas Zombie-Börse

Von Hendrik Ankenbrand

Die chinesische Regierung hat massiv ins Börsengeschehen eingegriffen. Doch eine Zombie-Börse, die künstlich am Leben gehalten wird und willenlos herumgeistert, kann nicht funktionieren. Mehr 2 13


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --