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Uli Hoeneß Ein Land im Jagdfieber

Plagiatssucher bringen prominente Promovierte zur Strecke. Politiker drohen Bankern mit Knast. Aktuell ist die Meute hinter Uli Hoeneß her. Sein Fall lehrt viel über Moral - und Doppelmoral.

© dpa Die Schweiz: Für Schwarzgeld kein Hort der Sicherheit mehr.

Reiche, die ihren Anteil zur Finanzierung des Gemeinwesens nicht zahlen. Wütende Angriffe gegen Steuerhinterzieher. Bankern droht Gefängnis wegen zu riskanter Geschäfte. Man kann da an Zypern oder Griechenland denken. Doch das Stück spielt in Berlin, früher auch stolz Spree-Athen genannt. Die Verhältnisse haben sich geändert. Heute steht die Elite des ganzen Landes am Pranger. Aberkannte Doktortitel sind ein Indiz dafür. Auf promovierte Politiker ist eine wahre Hatz im Gange. Auch Banker erfahren nach der Finanzkrise einen harten Liebesentzug. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Vorstandsvorsitzenden einer deutschen Großbank einen Geburtstagsessen gibt, erscheint derzeit undenkbar.

Manfred Schäfers Folgen:

Das ließe sich aus Sicht der Manager verkraften, viel schlimmer ist für sie, dass die Koalition einen neuen Straftatbestand plant. Vorständen von Kreditinstituten droht dann fünf Jahre Gefängnis, wenn sie ihr Unternehmen in eine Schieflage manövrieren. Ganz unten in der Hierarchie der Gefallenen stehen die Steuerhinterzieher, nicht ganz überraschend, da das, was sie gemacht haben, sträflich war und strafbar ist. Sie sind zum Freiwild geworden, sogar wenn sie sich selbst angezeigt haben.

Aktuell jagt die Meute Uli Hoeneß, Fußballboss, Wurstfabrikant und offenbar auch ganz erfolgreicher Spekulant. Letzteres stürzte ihn ins Unglück. Seit bekannt wurde, dass er sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt hat, ist die Treibjagd im Gang. Normalerweise werden solche Geschichten zwischen reuigem Steuerhinterzieher und Fiskus im Stillen bereinigt. Das Steuergeheimnis gilt eigentlich für alle.

Beim Präsidenten des FC Bayern München findet jedoch das Spiel vor einem großen Publikum statt. Warum, das wissen die Götter. Von Hoeneß kann man auf jeden Fall viel lernen, nicht immer siegen, aber dafür etwas über Schuld und Sühne. „Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ Das ist ein paar Jahre her, das sagte er im Jahr 2005. Etwas ältere Fußballfans werden nie vergessen, wie er 1976 im Finale der Europameisterschaft den entscheidenden Elfmeter über das Tor jagte. Ähnlich dürfte ihm nun das Doof-Zitat nachhängen.

Nur der Kaiser hält zu Hoeneß

Warum seine Selbstanzeige möglicherweise nicht greift, lädt zu anderen Spekulationen ein: War Hoeneß doch nicht von Reue, sondern von laufenen Ermittlungen getrieben, als er versuchte, verspätet reinen Tisch zu machen? War die Selbstanzeige unvollständig? Die Finanzbehörden haben eigentlich ein großes Herz für Steuersünder, die aus freien Stücken beichten und Buße tun. Dann bleibt den Betroffenen der Gang vor das Gericht erspart, dann droht ihnen nicht das Gefängnis. Aber über das Los können sie dann auch nicht gehen, denn billig ist so eine Sache nicht aus der Welt zu schaffen.

Wer beispielsweise eine Million Euro vor zehn Jahren am Fiskus vorbei erwirtschaftet hat, dem bleibt nicht viel, wenn er sich heute dem Finanzamt offenbart. Er muss nicht nur mit der Selbstanzeige den hinterzogenen Betrag an die Finanzkasse überweisen, sondern auch einen Verzugszins von 6 Prozent je Jahr plus einmalig einen Aufschlag von 5 Prozent ab einer bestimmten Summe. So kann am Ende vier Fünftel des Schwarzgelds weg sein - und wer in diesen Jahren schlecht gewirtschaftet hat, wird Probleme haben, die Steuerschuld zu bezahlen.

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