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Uli Hoeneß : Der Sturz eines Idols

„Auch der Papst ist zurückgetreten und die Katholische Kirche hat es verkraftet“, heißt es in Kreisen des Aufsichtsrates der FC Bayern AG Bild: dpa

Uli Hoeneß hat den Fußball zum Geschäft gemacht. Jetzt bestimmen die Firmen die Regeln. Damit ist sein Schicksal besiegelt.

          Es war am Abend vor der Hausdurchsuchung, als Uli Hoeneß der Wirtschaft nochmal seine Überlegenheit demonstrierte. Vor ein paar Hundert Managern im Audimax der TU München war am 19. März noch mal der ganze Hoeneß zu bestaunen: der Macher, der Kraftmensch, das Idol.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Den Deutsch-Banker auf dem Podium klatschte Hoeneß an die Wand, zog über Spekulanten her und betonte, dass sich der Aufsichtsratsvorsitzende der FC Bayern AG nicht in der Kredit-, sondern in der Festgeldabteilung zu bewegen beliebe. So behende redete er von „Puts und Calls“, dass der Eindruck haften blieb: Der Mann kennt sich aus in der Welt des Gelds.

          Am nächsten Tag bekam Hoeneß Besuch von der Staatsmacht. Die Selbstanzeige vom Januar über ein Konto mit angeblich 20 Millionen Mark in der Schweiz hatte die Steuerfahndung offensichtlich nicht überzeugt. Ein Haftbefehl wurde gegen Zahlung einer Millionen-Kaution ausgesetzt.

          Kommt es zur Anklage, droht Hoeneß eine Gefängnisstrafe; jenseits einer Million hinterzogener Steuern ohne Bewährung, wie es als Faustregel heißt. Fünf Wochen nach der Razzia ist der Mann fürs erste erledigt: Die Kanzlerin zeigte sich „enttäuscht“, kaum wurde der Fall bekannt. Die Hatz war eröffnet.

          Großer Druck auf Hoeneß

          „Man muss trennen zwischen Institution und Person.“ Kein Satz fällt nun häufiger unter Geschäftspartnern und Geldgebern des FC Bayern, er besiegelt Hoeneß’ Schicksal: Mag die „Mutter Theresa vom Tegernsee“ privat ein Supertyp sein, das Lebenswerk grandios, der FC Bayern als Club könnte Schaden nehmen. Und, noch wichtiger: Mit ihm die Unternehmen, die sich in die Glitzerwelt des FC Bayern eingekauft haben. Jeweils neun Prozent halten Adidas und der Volkswagenkonzern über seine Tochtergesellschaft Audi am derzeit wohl besten Fußballclub der Welt. Als weitere Partner grüßen Allianz, Deutsche Telekom, Hypo-Vereinsbank, Lufthansa, Paulaner und aus China Yingli Solar.

          Die FC Bayern München AG: Organe, Aktionäre, Erlöse Bilderstrecke
          Die FC Bayern München AG: Organe, Aktionäre, Erlöse :

          Dass der Club Deutscher Meister ist, fast im Finale der Champions League steht, das wird an Hoeneß’ Abgang ebenso wenig ändern wie der Satz von Vereins-Chef Karl-Heinz Rummenigge, er „könne, wolle, werde“ sich einen FC Bayern ohne den Patriarchen nicht vorstellen. „Auch der Papst ist zurückgetreten und die Katholische Kirche hat es verkraftet“, heißt es dazu lapidar aus Kreisen des Aufsichtsrats, zumal niemand dort genau abzuschätzen weiß, was noch alles an Vorwürfen aufpoppt: Die Selbstanzeige aus dem Januar sei hingeschludert, so ist in München zu hören, zudem ist die Verbindung zu einem weiteren Konto bei der Schweizer Bank Vontobel ungeklärt, wo dreistellige Millionenbeträge liegen sollen, worüber in diversen Medien spekuliert wird.

          Groß ist jedenfalls der Druck, dass Hoeneß sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender zumindest ruhen lässt. Noch ziert er sich. Die nächsten Tage schon könnte er aber dazu überredet werden. Besonders VW-Chef Martin Winterkorn, der „Professor“, den Hoeneß als einen der wenigen als ebenbürtig erachtet, will die Angelegenheit vom Tisch haben.

          Die Weltkonzerne sind darauf bedacht, sauber zu bleiben

          Er wisse nicht, ob die Aufsichtsräte am morgigen Montag das Thema diskutieren werden, sagte Winterkorn am Samstag - als ob es ein anderes Thema geben könnte. Geriert sich doch gerade VW gern als „good citizen“, der fünf Milliarden Euro an den Fiskus abführt - als treuer Steuerzahler, anders als die exzessiven Steueroptimierer aus Amerika; Google, Facebook, Starbucks und Konsorten. Nichts können internationale Konzerne heute weniger brauchen als die Nähe zu Steueraffären in Zeiten des Generalverdachts, sie würden Gewinne so lange um den Globus schieben, bis zum Versteuern nichts mehr übrig bleibt. Keiner der Manager äußert sich öffentlich, niemand will Königsmörder sein.

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