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Überleben als Buchautor : Zur Not einen Porno schreiben

  • -Aktualisiert am

Viel Ruhm, wenig Geld: Der Preis, den Autoren für ihr Schaffen zahlen, ist oft hoch. Bild: AP

Jedes Jahr werden Autoren auf der Buchmesse wie Popstars gefeiert. Doch selbst wer Bestseller schreibt, hat es finanziell schwer. Wie bestreiten da erst die anderen ihr Leben?

          Die Buchmesse läuft auf Hochtouren. Hunderttausende Besucher strömen in diesen Tagen auf das Messegelände in Frankfurt, um sich über die Branche zu informieren und ihre Stars einmal live zu sehen. Die Schlange hinter dem Tisch des Liedermachers Wolf Biermann zum Beispiel, der seine Autobiographie signierte, war dreißig Meter lang. Fernsehjournalisten interviewen einen Schriftsteller nach dem anderen, gemeinsam schwitzt man im Scheinwerferlicht.

          Doch die fünfzehn Minuten Ruhm auf der Buchmesse sind für viele der Autoren nur ein schöner Schein. Denn: „Vom Schreiben und Veröffentlichen können die meisten Autoren nicht oder nur sehr schwer leben. Selbst Bestsellerautoren nicht, die im Rampenlicht stehen“, sagt Nina George, Schriftstellerin und Bestsellerautorin. Gut 1,5 Millionen Bücher hat sie nach eigenen Angaben verkauft. Am Abend zuvor habe sie in Reinheim-Georgenhausen aus ihrem aktuellen Buch gelesen – das Lokal hieß „Afrodite“ (sic!), berichtet sie amüsiert. „So viel zum Glamourleben einer internationalen New-York-Times-Bestseller-Autorin.“

          George witzelt, aber natürlich weiß sie, dass es ihr im Vergleich zu ihren Kollegen blendend geht. In finanzieller Hinsicht, sagte die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski einmal, sei das Schreiben ein „ unbeschreiblich demütigender Beruf“. Laut Nina George, PEN-Beirat und engagiert im Netzwerk Autorenrechte, verkaufen Autoren mit einem neuen Werk innerhalb von drei Jahren durchschnittlich 3000 Bücher.

          Nur wenige können von ihrer Arbeit leben

          Nur ein paar Prozent von ihnen können also von ihrer Arbeit einigermaßen leben, noch weniger gut, extrem wenige sehr gut. Eine einfache Rechnung veranschaulicht dies: In Deutschland gilt ein Buch auf jeden Fall als Bestseller, wenn es 100.000 Mal verkauft wurde. Ein neuer Autor bekommt je nach Verlag und Verhandlungsgeschick etwa 6 und 12 Prozent je Buch als Honorar. Bei einem üblichen Einstiegsverkaufspreis für ein gebundenes Buch von 19,99 Euro erhält der Autor auf den Nettopreis von 18,68 Euro eine Beteiligung von sagen wir 10 Prozent. Sein Bestseller-Honorar beträgt also 186.800 Euro. Nach Abzug von Steuern und Abgaben bleiben etwa 93.400 Euro übrig. Hört sich viel an, ist es aber nicht, weil ein Autor in der Regel davon mehrere Jahre leben muss. Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er gleich wieder einen Bestseller schreibt und damit für die nächsten Jahre „ausgesorgt“ hat?

          „Die Chancen, einen Bestseller zu schreiben, sind sehr gering“, sagt Nina George. Seit dem Jahr 1992 schreibt sie Romane, Essays, Kurzgeschichten und Kolumnen. Ihr Buch „Lavendelzimmer“, erschienen bei Knaur, stand weit über ein Jahr auf der „Spiegel“-Bestsellerliste und wurde in 32 Sprachen übersetzt. Dies sei wie ein Lottogewinn mit sechs Richtigen und korrekter Zusatzzahl gewesen, sagt George. Das ist statistisch übertrieben, aber die Grundaussage stimmt, denn die Konkurrenz ist knüppelhart. Jedes Jahr erscheinen in Deutschland etwa 90.000 neue Bücher. 15.000 davon gehören in die Kategorie Belletristik. Die meisten Bücher davon werden nicht in den Kulturressorts rezensiert, und ohne Öffentlichkeit sinkt die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg drastisch. Denn durchschnittlich lesen die Deutschen nur sieben bis acht Bücher im Jahr. Bestsellerlisten und Empfehlungen von Redakteuren und Bloggern spielen daher eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, zu welchem Buch der Leser greift. Für einen angehenden Autor mit seinem Debütroman erfolgreich zu sein ist in Deutschland ohnehin nicht leicht. Nur 30 Prozent der Bestseller kommen aus der Feder von deutschen Autoren, hat Hektor Haarkötter, Professor an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln, für eine Studie ausgerechnet. „Bei diesem Phänomen handelt es um eine Besonderheit des deutschen Buchmarktes“, sagt er. Andere Länder, Skandinavien oder Frankreich etwa, kämen auf einen nationalen Anteil von 60 bis 80 Prozent, in den Vereinigten Staaten seien es fast gar 100 Prozent. „Für deutsche Schriftsteller ergibt sich eine paradoxe Situation: Sie können fast nur zu Hause Bestseller generieren und dort nur einen geringen Marktanteil ergattern.“ Zudem betont der Forscher: „Ein Buch verkauft sich gut, wenn der Preis besonders günstig ist.“ Seien Buchkäufer doch besonders preissensibel. Der Durchschnittspreis der Top-100-Bücher liege bei 13,40 Euro und habe sich in denen vergangenen 15 Jahre nur um 1,22 Euro erhöht.

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