Die Nachricht im Juli 2011, dass Axel Weber Verwaltungsratspräsident der Großbank UBS werden sollte, war in der Schweizer Wirtschaft und in den Medien fast einhellig auf Zustimmung gestoßen. Ein ehemaliger deutscher Bundesbankpräsident, Stabilitätsadvokat und Wirtschaftsprofessor, der überdies seine Zunft rhetorisch gut verkaufen kann, das hat schon was. An der positiven, ja fast überschwänglichen Einschätzung änderte auch das fürstliche Antrittsgeld nur wenig, das die UBS ihrem neuen Chefkontrolleur versprach. Doch wie würden die Kleinaktionäre der Großbank reagieren, die Otto Normalverbraucher unter den Kapitalbesitzern? Gelegenheit, den Puls zu fühlen, bot sich am Donnerstag auf der Generalversammlung der UBS im Zürcher Hallenstadion. Dort, wo normalerweise der Sport regiert, wurde Weber in den Verwaltungsrat gewählt und danach zu dessen Präsidenten ernannt.
Zuvor jedoch war der Mann, den zuvor Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in den Aufsichtsratsvorsitz des Geldhauses hieven wollte, Thema vieler Redebeiträge. Ein „Begrüßungsgeld“ von zwei Millionen Franken sowie 200 000 UBS-Aktien, die nur ein Jahr gesperrt sind - das schmeckte den wenigsten. „Weber erhält allein zum Antritt ungefähr 4,3 Millionen Franken (3,6 Millionen Euro). Das ist so viel, wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in seinem ganzen Leben verdient“, bemerkte ein Aktionär auf dem Podium. Andere wetterten, das Antrittsgeld sei „unverdient“ und „ein falsches Signal“. Der scheidende Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger hatte die Kritik erahnt, als er in seiner Einleitung meinte, zu Vergütungsfragen werde man heute vielleicht noch einiges hören, und die gut 3400 Leute im Publikum mit einem hörbaren Raunen antworteten.
Die Debatte über Weber war überschattet von der kommenden Volksabstimmung über die „Abzocker“ auf den Chefetagen sowie die Frage der Vergütungen in der UBS. Als Folge des Gewinnrückgangs war der Bonus-Pool in der Bank 2011 um 40 Prozent geschrumpft. Die 2,6 Milliarden Franken entsprachen aber immer noch knapp der Hälfte des Vorsteuergewinns im Konzern. Nach gut dreieinhalb Stunden Eingangsdiskussion über Gewinn, Gehälter und Größe der Bank rief Villiger den Tagesordnungspunkt „Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht 2011“ auf. Speziell zu Weber sagte der scheidende UBS-Präsident, der Verwaltungsrat habe sich die Entscheidung über das Antrittsgeld nicht leicht gemacht. Aber in Deutschland seien Mehrjahresverträge üblich, wohingegen die UBS-Verwaltungsräte jährlich wiedergewählt werden müssen. Dies schaffe Probleme bei Einzahlungen in eine Pensionskasse. Außerdem habe man gegen Webers „andere Optionen“ bestehen müssen. Jetzt könne man ein mehrjähriges Engagement erwarten.
Dann die mit Spannung erwartete Abstimmung, begleitet von sanfter Musik: Nur gut 60 Prozent der Aktionäre stimmten dem Vergütungsbericht zu. Das war noch einmal deutlich weniger als die 64,4 Prozent im Vorjahr und blieb auch hinter dem Votum bei der Credit Suisse in der vergangenen Woche zurück. Ein schlechtes Omen für ein Glanzresultat bei der Wahl von Weber? Villiger, sonst auf der Generalversammlung um keinen müden Scherz verlegen, sprach ernst von einer „beachtlichen Opposition“ und von einem Auftrag an seinen Nachfolger. Noch schlimmer: Es drohte eine Abfuhr des Antrags auf bedingtes Kapital für künftige Aktien- und Optionspläne zugunsten der UBS-Führungskräfte.
Beatrice Weder di Mauro bekommt Spitzenresultat
Vor der Abstimmung warb Villiger noch einmal für seinen Wunschkandidaten. Auch Weber selbst trat an das Podium. Mit seiner sonoren Stimme sagte der Fünfundfünzigjährige, er wolle sich für den Rest seines Berufslebens verpflichten und helfen, die nach dem tiefen Fall 2008 inzwischen stabilisierte UBS wieder zu einer „Ikone der Schweiz“ zu machen. Dies brachte ihm 98,8 Prozent Zustimmung; ein guter Durchschnittswert immerhin, obwohl er hinter dem von Beatrice Weder di Mauro zurückblieb, die mit 99,2 Prozent das Spitzenresultat der zwölf Kandidaten erzielte.
Die kalte Dusche kam danach. Die oppositionellen Aktionärsgruppen unter Führung der Anlagestiftung Ethos verhinderten die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit für den Aktien- und Optionsplan. Der neue Verwaltungsrat muss jetzt eine Alternative finden. Tatkraft ist gefordert. Weber blieb schon einmal vor seiner Wahl als beherrschende Figur am Rednerpult stehen.
schlimm, dass die Grossaktionäre dies mittragen
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 04.05.2012, 15:19 Uhr