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Twitter : In der Kürze lag die Würze

Der Optimismus der beim Börsengang von Twitter 2013 noch herrschte, ist verpufft. Bild: AFP

Für Nachrichten von Nutzer zu Nutzer fiel die Schranke von 140 Zeichen bereits im Sommer. Nun soll auch bei Tweets damit Schluss sein. Was will Twitter damit erreichen?

          Shortlinks, Hashtags zur Verschlagwortung und eine telegrammartige Sprache: Das bisherige Alleinstellungsmerkmal des Mikroblogging-Dienstes Twitter soll womöglich bald Geschichte sein. Bislang galt bei Twitter die Regel: Alles was ein Nutzer sagen will, muss in 140 Zeichen passen. So entstand ein Nachrichtenüberblick in aller Kürze, gespickt mit Fotos, weiterführenden Links und den sogenannten „Trending Topics“, die die am häufigsten benutzten Schlagworte sammelten. Das soll sich nun womöglich ändern.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Wie die Nachrichtenseite Re/code berichtet, soll das Unternehmen an einem neuen Produkt jenseits der 140-Zeichen-Grenze arbeiten. Re/code beruft sich auf dem Unternehmen nahestehende Stimmen. Demnach ist bislang noch nicht klar, wie genau das neue Produkt aussehen werde, jedoch deute vieles darauf hin, dass Nutzer künftig auch Inhalte über das soziale Netzwerk verbreiten können, die die bisher maximal möglichen 140 Zeichen weit übersteigen. Das gefällt bei weitem nicht jedem, wie der nachfolgende Tweet des deutschen Nachrichtenjournalisten Claus Kleber stellvertretend verdeutlichen soll.

          Das Zeichenlimit war lange Zeit das Markenzeichen des Mikroblogging-Dienstes. Nicht nur unter Twitterern, auch außerhalb der Szene, wurde bereits seit Langem diskutiert, dass diese Grenze hoch gesetzt werden sollte - nicht zuletzt um Twitter für Werbekunden interessanter zu machen. Insidern zufolge war die Diskussion um eine Obergrenze auch innerhalb des Unternehmens besonders in den vergangenen Monaten unter der Interimsführung von Twitter-Erfinder Jack Dorsey wieder aufgekommen. Erst am Donnerstagmorgen war bekannt geworden, dass dieser das Unternehmen nun doch längerfristig führen soll.

          Dem vorherigen Chef, Dick Costolo, der Twitter im Juni verlassen hatte, war nicht gelungen, zu konkurrierenden Unternehmen aufzuschließen. Während andere soziale Netzwerke wie Facebook, der Bilderdienst Instagram oder der Kurnachrichtendienst Snapchat ihre Nutzerzahlen kontinuierlich steigern konnten, wächst Twitter immer langsamer. So ist besonders Facebook mit monatlich rund 1,5 Milliarden aktiven Nutzern längst uneinholbar enteilt.

          Denkbar ist, dass Twitter seinen Nutzern mehr Möglichkeiten zur Verfügung stellen möchte, Inhalte zu verbreiten und so auch näher an die großen Konkurrenten wie Facebook heranzurücken, die kein Text-Limit kennen und sich weiterhin steigender Nutzerzahlen erfreuen. Bereits die Erweiterung der Direktnachrichten zwischen Nutzern im Juni deutet daraufhin, dass Twitter diese noch stärker als Konkurrenten zu WhatsApp oder dem Facebook-Messenger etablieren will.

          Steigender Umsatz, kein Gewinn

          Zwar konnte Jack Dorsey kurz nach Übernahme des Chefpostens erstaunlich gute Umsatzzahlen präsentieren, im zweiten Quartal 2015 wurden jedoch nur wenige neue Nutzer verbucht und der Ausblick war trüb. So lag der Umsatz mit 502 Millionen Dollar zwar 61 Prozent über dem des zweiten Quartals 2014 (312 Millionen Dollar) und die Werbeeinnahmen konnten auf 452 Millionen Dollar gesteigert werden, was einem Plus von 63 Prozent innerhalb eines Jahres entspricht. Doch Twitter schreibt immer noch rote Zahlen - auch wenn das Minus im Vergleich zum Vorjahr mit 137 Millionen Dollar inzwischen geringer ausfällt.

          Eine Schwierigkeit für das Nutzerwachstum dürfte sein, dass sich die Möglichkeiten, die Twitter bietet, gar nicht für alle Nutzer erschließen. So hieß es auch auf der Halbjahreskonferenz des Unternehmens im Juli, Twitter sei einfach zu kompliziert. Erst Anfang September wurden Zahlen bekannt, die belegten, dass nur knapp ein Drittel der drei Millionen Twitter-Konten in Deutschland aktiv ist. Viele Nutzer schauen sich den Dienst offenbar an, erstellen ein Konto und nutzen dieses dann nach kurzer Zeit nicht mehr. Damit verharrt Twitter in Nutzerzahlen gemessen in der Bundesrepublik weiterhin nur in einer Nische.

          Seit langem gilt Twitter zudem als Übernahmekandidat für andere Internetfirmen. So kursierte zuletzt die Vermutung, dass der Twitter-Erfinder Jack Dorsey absichtlich vor einem schwachen Nutzerwachstum warnte und die Aktie so auf Talfahrt schickte, um für potentielle Käufer attraktiver zu werden. Besonders Facebook und Google wurden in der Vergangenheit immer wieder als Interessenten genannt.

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