http://www.faz.net/-gqe-92amk

Amerikanischer Wahlkampf : Twitter unter Beschuss von Falschnachrichten

  • Aktualisiert am

Auf Twitter wurden im amerikanischen Wahlkampf offenbar viele Falschnachrichten verbreitet. Bild: AFP

Während des amerikanischen Wahlkampfs wurde Twitter laut einer Studie mit Falschnachrichten geflutet. Twitter selbst räumt ein, dass es russische Manipulationen gegeben haben könnte.

          Falschnachrichten und Verschwörungstheorien hatten im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 Hochkonjunktur. Das ging sogar so weit, dass solche Inhalte häufiger von amerikanischen Twitter-Nutzern geteilt wurden als „richtige“ Nachrichten, wie eine neue Studie der Oxford University herausgefunden hat. Vor allem sei das in den Swing States New Hampshire, Pennsylvania und North Carolina zu beobachten gewesen.

          Die Forscher fanden heraus, dass vor allem Inhalte massenhaft mithilfe von Bots geteilt wurden, die mit Russland in Verbindung standen, von der Plattform Wikileaks kamen sowie von anderen „Ramsch-Nachrichtenseiten“ stammten. Diese Bots sind Accounts, die so programmiert sind, dass sie einfache Handlungen wie etwa Verbreitung von Nachrichten ausführen können.

          Twitter kritisierte die Methodik der Studie, die für das Unternehmen zu einem heiklen Zeitpunkt kommt. Nach Facebook hat nun auch Twitter eingeräumt, möglicherweise für russische Manipulationen des Präsidentschaftswahlkampfs benutzt worden zu sein. Twitter erklärte am Donnerstag, eine russische Mediengruppe habe 2016 in dem Kurzmitteilungsdienst fast 2000 Anzeigen oder promotete Tweets gekauft, die zur Beeinflussung der amerikanischen Wahl gedacht gewesen sein könnten.

          274.000 Dollar für Anzeigen

          Die mit der russischen Regierung in Verbindung stehende Mediengruppe RT gab demnach 274.000 Dollar für die Anzeigen aus, die sich an „Nutzer von Mainstream-Medien“ richteten und auf RT-Nachrichten verwiesen.

          Twitter-Vizechef Colin Crowell traf nach Angaben des Unternehmens schon am Donnerstag Vertreter des Kongresses, die die Vorwürfe der russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf untersuchen. Twitter werde auch weiterhin mit den Ermittlern zusammenarbeiten.

          Wie das Online-Unternehmen weiter mitteilte, stimmen 22 Twitter-Profile mit einigen der Facebook-Profile überein, die zum Zwecke der Einflussnahme auf die Wahl eingerichtet worden sein sollen. Facebook hatte nach eigenen Angaben insgesamt rund 450 solcher verdächtiger Accounts gefunden. Twitter erklärte am Donnerstag, die betreffenden Profile seien schon vor oder unmittelbar nach deren Entdeckung wegen Regelverstößen gesperrt worden.

          Die Mediengruppe RT war im Januar in einem amerikanischen Geheimdienstbericht über die mutmaßlichen russischen Wahlmanipulationen genannt worden. Die amerikanischen Geheimdienste werfen Russland vor, sich in den Wahlkampf eingemischt zu haben, um dem Republikaner Donald Trump im November 2016 zum Sieg über seine demokratische Rivalin Hillary Clinton zu verhelfen. Moskau bestreitet die Vorwürfe.

          Facebook hatte Anfang September bekanntgegeben, dass im vergangenen Jahr mutmaßlich russisch finanzierte Werbeanzeigen auf seinen Seiten geschaltet worden waren. Das Unternehmen erklärte sich ebenfalls zur Zusammenarbeit mit den Behörden bereit. Die Geheimdienstausschüsse von Senat und Repräsentantenhaus haben Vertreter von Facebook, Twitter und Google zu Anhörungen eingeladen.

          Quelle: jet./AFP

          Weitere Themen

          Du musst nicht lügen Video-Seite öffnen

          Facebook : Du musst nicht lügen

          Eigentlich sehen die Regeln von Facebook vor, dass ein Nutzer mindestens dreizehn Jahre alt sein muss. Jetzt präsentiert das Unternehmen eine Spezialversion seines Messengers für Kinder.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Kooperationsmodell : Die Rettung für die SPD?

          Mit einem Kooperationsmodell will SPD-Chef Martin Schulz das Dilemma lösen, nicht regieren zu wollen, aber wohl zu müssen. Für die Genossen hätte dieses Experiment tatsächlich viel Charme – aber was ist mit Angela Merkel? Eine Analyse.
          Der Hersteller Poundland soll sich mit seinen „Twin Peaks“ zu sehr am Schweizer Original orientiert haben.

          FAZ Plus Artikel: Rechtsstreit um Schokoriegel : Das ist der Gipfel!

          Eine Billig-Kette hat in Großbritannien einen zackigen Riegel herausgebracht, der dem von Toblerone sehr ähnelt. Den Markenschutz des Originals hatte dessen Hersteller zuvor selbst torpediert – aus einem in der Branche üblichen Grund.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.