Der globale Markt für neue Windanlagen hat in den vergangenen drei Jahren erheblich an Dynamik eingebüßt, und viele Hersteller kämpfen mit großen Renditerückgängen. Da die Wetterlage in Kopenhagen während dieser Woche wechselhaft zu werden verspricht, dürfte das den Gemütszustand der mehr als 10.000 Vertreter der internationalen Windenergiebranche daher gut widerspiegeln. Treffen sie sich doch von diesem Monat an in der dänischen Hauptstadt zum Jahreskongress der European Wind Energy Association (EWEA).
Zwar werden die Prognosen, die auf der Konferenz vorgestellt werden, für 2012 wohl abermals einen Zuwachs der neu installierten Windturbinen zwischen 5 und 10 Prozent vorhersagen. Konkret würde das bedeuten, dass in diesem Jahr rund um den Globus Windräder mit einer Gesamtkapazität von rund 44 Gigawatt neu aufgestellt würden - zum allergrößten Teil an Land.
Aber dieser Wert würde bei weitem nicht an die Raten vor der großen Finanzmarktkrise heranreichen, als die Windindustrie jährlich noch um mehr als 30 Prozent zulegte. Zudem „reicht das für 2012 erwartete Wachstum nicht aus, um die Überkapazitäten, die noch immer im Markt sind, zu beseitigen. Die Branche wird im Neugeschäft noch zwei, drei Jahre lang mit sehr niedrigen Margen leben müssen“, warnt Wolfgang Krenz, Partner der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman.
Nordex sucht schon seit Monaten nach Partner für Offshore-Pläne
Obwohl viele Hersteller ihre Produktion schon deutlich zurückgefahren und Mitarbeiter entlassen haben, kommt Krenz in einer neuen Studie zu dem Ergebnis, dass den Herstellern im Windanlagenbau globale Überkapazitäten von 25 bis 40 Prozent zu schaffen machen, die für den erheblichen Preisverfall der vergangenen Jahre verantwortlich sind. Um rund ein Viertel seien die Preise seit 2009 gesunken - dementsprechend wurde auch die Profitabilität der Unternehmen erschüttert. Im Schnitt erreichten die Gewinnmargen derjenigen Windanlagenbauer, die ihre Zahlen veröffentlichen, im vergangenen Jahr noch magere 1,4 Prozent, nach 4,4 Prozent im Vorjahr. Vor 2015 sei kein dynamisches Wachstum zu erwarten, prognostiziert Krenz.
Noch hat dieser Preiskampf keine allzu prominenten Opfer gekostet, aber allzu lange werden Übernahmen oder Aufgaben nicht mehr auf sich warten lassen, glauben Beobachter. Technisch hochwertige Turbinen allein werden auf Dauer nicht ausreichen auf einem Markt, auf dem Größeneffekte in der Produktion immer wichtiger werden, bestätigt Krenz. Das gilt umso mehr, als die Finanzkraft vieler Hersteller für das kapitalintensive Geschäft mit Meereswindparks nicht ausreicht. Der Hamburger Nordex-Konzern zum Beispiel ist deshalb schon seit Monaten auf der Suche nach einem Partner für seine Offshore-Pläne. Findet er ihn nicht, wird der neue Nordex-Chef Jürgen Zeschky das Meeresgeschäft einstellen.
„Die Chinesen werden den Weltmarkt nicht dominieren“
Selbst der dänische Branchenprimus Vestas gilt nicht mehr als unangreifbar. Aufmerksam verfolgt die Branche daher insbesondere die Strategie der chinesischen Wettbewerber, die heute schon drei der größten Windturbinenhersteller der Welt stellen (Sinovel, Goldwind, Dongfang), bisher aber fast nur auf dem Heimatmarkt präsent sind. Von ihnen wird eine kräftige Expansion erwartet. „Die Chinesen werden den Weltmarkt nicht dominieren, sie werden jedoch zu ganz normalen Wettbewerbern“, sagt Krenz. Allerdings werden sie dafür wohl nicht den mühsamen Weg wählen, aus eigener Kraft in Europa oder Amerika voranzukommen. „Die Chinesen werden den Erfolg durch Übernahmen suchen. Und es gibt in Europa einige namhafte Hersteller die mit ihrer Größe nicht allein überlebensfähig sind und daher zum Übernahmeziel werden könnten“, prognostiziert der Oliver-Wyman-Fachmann.
Der deutsche Marktführer Enercon reigt, wie man auf eigenen Wegen erfolgreich sein kann, heißt es. Obwohl sich das Unternehmen vom großen amerikanischen Markt fernhält, seine Turbinen nicht aufs Meer stellt, eine andere Antriebsart ohne Getriebe bevorzugt und immer noch den Großteil der Produktion in Eigenregie betreibt, gilt das schweigsame Unternehmen aus Aurich als glänzend am Markt positioniert. Selbst die Entscheidung, Windparks auch zu betreiben, komme Enercon nun entgegen, heißt es - denn damit lasse sich dieser Tage eine deutlich höhere Rendite erzielen als mit dem Turbinenverkauf.
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