Home
http://www.faz.net/-gqe-79780
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Tuk-Tuks Südafrika begeistert sich für indische Auto-Rikschas

Dreirädrige Autorikschas sind vor allem aus Indien bekannt. Jetzt tauchen sie auch in Südafrika auf. Ein Albtraum für die Behörden - aber Touristen und Studenten mögen die Tuk-Tuks.

© Getty Images Knatternd, doch ganz friedlich:Touristen im Tuk-Tuk in Johannesburg

Die Kapstädter wollten ihren Augen kaum trauen. Da knatterten Anfang dieses Jahres dreirädrige Gefährte auf ihren Straßen herum, wie man sie normalerweise nur aus Asien kennt: ohne Türen, mit einem Stoffverdeck als Schutz gegen Regen und Sonne und witzigen Sprüchen auf der Karosserie. Auch im kriminalitätsgeplagten Johannesburg tauchten die „Tuk-Tuks“ plötzlich auf - dort also, wo sich Autofahrer normalerweise nicht einmal trauen, die Fenster zu öffnen. Fahrradfahrer wagen sich wegen der hohen Unfallgefahr nur am Wochenende auf die Straßen.

Claudia Bröll Folgen:

Die rundlichen Kleinfahrzeuge haben zwar nur etwas mehr Pferdestärken als ein Rasenmäher, verursachen seit ihrer Ankunft aber umso mehr Wirbel. Die Stadtverwaltung in Kapstadt hatte sie kurzzeitig verboten. In Johannesburg schimpfte der zuständige Minister über einen „ungesunden Wettbewerb“ mit den lange etablierten, aber berüchtigten Sammeltaxis. Die Tuk-Tuks dürften den Sammeltaxis nicht in die Quere kommen, mahnte er. Tatsächlich sind eher die Sammeltaxis dafür bekannt, chaotisch herumzukurven und buchstäblich jedem in die Quere zu kommen. Selbst der nationalen Wirtschaftszeitung „Business Day“ waren die Autorikschas einen langen Kommentar wert, in dem sie als billige und unkomplizierte Lösung für kurze Strecken gepriesen wurden.

Seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ist in Südafrika viel Geld in den öffentlichen Nahverkehr geflossen, um die chronisch verstopften Straßen zu entlasten. Zwischen Johannesburg und Pretoria verkehrt jetzt der exklusive Schnellzug Gautrain. In den Innenstädten von Johannesburg und Kapstadt entstehen neue Busnetze mit nagelneuen Fahrzeugen und blitzblanken Haltestellen. Das sehen die meisten Südafrikaner zwar als Fortschritt. Faktisch aber zeigt sich die Zweiteilung der Gesellschaft immer noch am deutlichsten auf den Straßen: Wer es sich leisten kann, sitzt doch am liebsten im eigenen Auto.

Die Tuk-Tuks, die in Asien als Taxi der armen Leute gelten, werden in Südafrika bisher von Touristen, Studenten oder Geschäftsleuten, beispielsweise für die Fahrt zur nächsten Haltestelle des Gautrain, genutzt. Eine Fahrt kostet je Kilometer umgerechnet zwischen 50 und 70 Eurocent. Laut des Johannesburger Betreibers Shesha Tuks erzielen die Betreiber ihre Einnahmen aber hauptsächlich mit Werbung. Konzerne wie der Versicherer Old Mutual oder Nestlé haben die Karosserien als Werbeflächen entdeckt.

Bisher gibt es im ganzen Land nur eine Handvoll Tuk-Tuk-Unternehmer. Das Interesse aber ist offenkundig groß. Der Händler Vespamania verkauft nach eigenen Angaben mittlerweile 44 der aus Indien importierten Tuk-Tuks im Monat. Sie seien immer schon vor der Entladung in Südafrika verkauft. Für die Behörden jedoch sind die Neuankömmlinge ein Albtraum. Shesha Tuks musste zweieinhalb Jahre auf eine Lizenz warten. Dem Kapstädter Pionier Monarch Tuksi wurde eine aus Versehen vergebene Erlaubnis schnell wieder entzogen. Flugs deklarierten die Unternehmer ihre Kunden zu Aktionären, die mit dem Fahrtgeld keine Transportdienste, sondern Unternehmensanteile erwarben. Die eigenen Aktionäre gratis zu kutschieren, dürfe einem niemand verbieten, argumentierte Monarch. Doch der Trick flog auf, die Blechkarossen mussten in die Garage.

Vor kurzem hat die Kapstädter Stadtverwaltung nachgegeben. Um die Mobilität der Bürger zu erhöhen, würden Tuk-Tuks zugelassen, teilte sie mit. Allerdings dürften die Dreiräder nur in bestimmten Vierteln unterwegs sein und ihre Passagiere nur maximal drei Kilometer weit befördern. Damit ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Tuk-Tuks auch in Kapstadt wieder über die Straßen tuckern und andere Anbieter folgen. Angeblich liegen der Stadt schon etwa 120 Zulassungsanträge vor.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Caster Semenya Gedemütigt und vergöttert

Caster Semenya ist weder Mann noch Frau. In ihrem Heimatland Südafrika ist die 800-Meter-Weltmeisterin von 2009 immer noch ein Idol – obwohl sie immer langsamer läuft. Mehr Von Thomas Scheen, Johannesburg

24.07.2015, 11:04 Uhr | Sport
Südafrika Reporter vor laufender Kamera ausgeraubt

Dieser Reporter vom südafrikanischen Fernsehen wollte in Johannesburg einen Aufsager machen, als zwei Männer nicht nur ins Bild laufen, sondern auch sein Handy fordern. Mehr

11.03.2015, 15:09 Uhr | Gesellschaft
Sam Nhlengetwa Aus den Townships in die Museen der Welt

Sam Nhlengethwa ist einer der bekanntesten Künstler Südafrikas. Nun verbringt er einen Monat in Frankfurt und beschäftigt sich mit der südafrikanischen Kunstsammlung des Weltkulturen Museums. Mehr Von Katharina Deschka-Hoeck

31.07.2015, 09:00 Uhr | Rhein-Main
Party auf den Straßen Iraner feiern Atom-Abkommen

Auf den Straßen Teherans feierten Iranerinnen und Iraner den Abschluss des historischen Atom-Abkommens. Mehr

15.07.2015, 11:04 Uhr | Politik
Rindfleischschmuggel in Indien Den Kuhmördern auf der Spur

In Indien gelten weibliche Rindviecher als Göttinnen und somit unantastbar. Trotzdem wurden sie millionenfach zur Schlachtung nach Bangladesh geschmuggelt. Nun schreitet die Regierung ein. Mehr Von Till Fähnders, Basirhat

25.07.2015, 14:10 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 17.05.2013, 18:53 Uhr

Der Doppelhut der EU-Kommission

Von Werner Mussler, Brüssel

Was ist eigentlich die Aufgabe der EU-Kommission? Soll sie oberste Regierung Europas sein oder nur „Hüterin der Verträge“? Die Diskussion ist überfällig. Mehr 10 18


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Junge Männer sind oft arbeitslos

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland ist gut; das spürt auch die junge Generation; die Jugendarbeitslosigkeit sinkt. Allerdings: Frauen profitieren stärker von der Entwicklung als Männer. Mehr 5