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Risikoabsicherung

Tuk-Tuks Südafrika begeistert sich für indische Auto-Rikschas

Dreirädrige Autorikschas sind vor allem aus Indien bekannt. Jetzt tauchen sie auch in Südafrika auf. Ein Albtraum für die Behörden - aber Touristen und Studenten mögen die Tuk-Tuks.

© Getty Images Vergrößern Knatternd, doch ganz friedlich:Touristen im Tuk-Tuk in Johannesburg

Die Kapstädter wollten ihren Augen kaum trauen. Da knatterten Anfang dieses Jahres dreirädrige Gefährte auf ihren Straßen herum, wie man sie normalerweise nur aus Asien kennt: ohne Türen, mit einem Stoffverdeck als Schutz gegen Regen und Sonne und witzigen Sprüchen auf der Karosserie. Auch im kriminalitätsgeplagten Johannesburg tauchten die „Tuk-Tuks“ plötzlich auf - dort also, wo sich Autofahrer normalerweise nicht einmal trauen, die Fenster zu öffnen. Fahrradfahrer wagen sich wegen der hohen Unfallgefahr nur am Wochenende auf die Straßen.

Claudia Bröll Folgen:

Die rundlichen Kleinfahrzeuge haben zwar nur etwas mehr Pferdestärken als ein Rasenmäher, verursachen seit ihrer Ankunft aber umso mehr Wirbel. Die Stadtverwaltung in Kapstadt hatte sie kurzzeitig verboten. In Johannesburg schimpfte der zuständige Minister über einen „ungesunden Wettbewerb“ mit den lange etablierten, aber berüchtigten Sammeltaxis. Die Tuk-Tuks dürften den Sammeltaxis nicht in die Quere kommen, mahnte er. Tatsächlich sind eher die Sammeltaxis dafür bekannt, chaotisch herumzukurven und buchstäblich jedem in die Quere zu kommen. Selbst der nationalen Wirtschaftszeitung „Business Day“ waren die Autorikschas einen langen Kommentar wert, in dem sie als billige und unkomplizierte Lösung für kurze Strecken gepriesen wurden.

Seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ist in Südafrika viel Geld in den öffentlichen Nahverkehr geflossen, um die chronisch verstopften Straßen zu entlasten. Zwischen Johannesburg und Pretoria verkehrt jetzt der exklusive Schnellzug Gautrain. In den Innenstädten von Johannesburg und Kapstadt entstehen neue Busnetze mit nagelneuen Fahrzeugen und blitzblanken Haltestellen. Das sehen die meisten Südafrikaner zwar als Fortschritt. Faktisch aber zeigt sich die Zweiteilung der Gesellschaft immer noch am deutlichsten auf den Straßen: Wer es sich leisten kann, sitzt doch am liebsten im eigenen Auto.

Die Tuk-Tuks, die in Asien als Taxi der armen Leute gelten, werden in Südafrika bisher von Touristen, Studenten oder Geschäftsleuten, beispielsweise für die Fahrt zur nächsten Haltestelle des Gautrain, genutzt. Eine Fahrt kostet je Kilometer umgerechnet zwischen 50 und 70 Eurocent. Laut des Johannesburger Betreibers Shesha Tuks erzielen die Betreiber ihre Einnahmen aber hauptsächlich mit Werbung. Konzerne wie der Versicherer Old Mutual oder Nestlé haben die Karosserien als Werbeflächen entdeckt.

Bisher gibt es im ganzen Land nur eine Handvoll Tuk-Tuk-Unternehmer. Das Interesse aber ist offenkundig groß. Der Händler Vespamania verkauft nach eigenen Angaben mittlerweile 44 der aus Indien importierten Tuk-Tuks im Monat. Sie seien immer schon vor der Entladung in Südafrika verkauft. Für die Behörden jedoch sind die Neuankömmlinge ein Albtraum. Shesha Tuks musste zweieinhalb Jahre auf eine Lizenz warten. Dem Kapstädter Pionier Monarch Tuksi wurde eine aus Versehen vergebene Erlaubnis schnell wieder entzogen. Flugs deklarierten die Unternehmer ihre Kunden zu Aktionären, die mit dem Fahrtgeld keine Transportdienste, sondern Unternehmensanteile erwarben. Die eigenen Aktionäre gratis zu kutschieren, dürfe einem niemand verbieten, argumentierte Monarch. Doch der Trick flog auf, die Blechkarossen mussten in die Garage.

Vor kurzem hat die Kapstädter Stadtverwaltung nachgegeben. Um die Mobilität der Bürger zu erhöhen, würden Tuk-Tuks zugelassen, teilte sie mit. Allerdings dürften die Dreiräder nur in bestimmten Vierteln unterwegs sein und ihre Passagiere nur maximal drei Kilometer weit befördern. Damit ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Tuk-Tuks auch in Kapstadt wieder über die Straßen tuckern und andere Anbieter folgen. Angeblich liegen der Stadt schon etwa 120 Zulassungsanträge vor.

Quelle: F.A.Z.

 
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