14.02.2012 · Der Reisekonzern TUI wird seinen Anteil an Hapag-Lloyd verringern. Im Gegenzug werden die Stadt Hamburg und der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne ihren Einfluss erhöhen.
Von Johannes RitterDer Aufsichtsrat der TUI AG hat am Dienstagabend den Weg frei gemacht für eine Neuordnung im Aktionärskreis der Container-Reederei Hapag-Lloyd. Der Reisekonzern wird seinen Anteil an Hapag-Lloyd von derzeit 38,4 Prozent in mehreren Schritten auf zunächst 22 Prozent verringern. Im Gegenzug werden die Stadt Hamburg und der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne ihren Einfluss erhöhen. Die Hansestadt stockt ihren Anteil von 23,6 Prozent auf knapp 37 Prozent auf und wird damit zum mit Abstand größten Aktionär der Reederei. Wie berichtet, wendet sie dafür rund 420 Millionen Euro auf. Kühne erhöht seinen Anteil von derzeit 24,6 Prozent auf 28,2 Prozent. Dafür nimmt er 160 Millionen Euro in die Hand.
Von den übrigen vier Hapag-Aktionären, die ihre Interessen gemeinsam mit Kühne und der Stadt im Albert-Ballin-Konsortium gebündelt haben, werden lediglich zwei weitere Aktien übernehmen: Hanse-Merkur investiert 13 Millionen Euro und Signal Iduna 7 Millionen Euro. Insgesamt werden sich Hamburg, Kühne und die beiden Versicherer mit 600 Millionen Euro bei Hapag-Lloyd engagieren. Die von der Warburg-Bank beratenen Investoren und die HSH Nordbank, die bisher je 3,2 Prozent an Hapag-Lloyd hielten, übernehmen keine weiteren Anteile.
Auch die Reederei selbst ist in die Transaktion involviert. Nach einer Mitteilung der TUI wird sie noch im Laufe dieses Monats einen Teil des Hybrid-Kapitals (100 Millionen Euro) zurückführen, welches die TUI der Reederei 2009 zur Verfügung gestellt hatte. Insgesamt fließen TUI demnach bis Mitte dieses Jahres 700 Millionen Euro zu. Der Konzern will dieses Geld für den Ausbau des Touristikgeschäfts einsetzen.
Das Albert-Ballin-Konsortium erwirbt weitere 125 Millionen Euro des Hybridkapitals und wandelt es in neue Aktien. Die TUI wandelt einen Betrag in gleicher Höhe. Dadurch steigt der Anteil der TUI an Hapag vorübergehend zunächst leicht auf 39,5 Prozent. Bis Ende Juni soll dann das Ballin-Konsortium (vor allem Hamburg und Kühne) der TUI für 475 Millionen Euro 17,4 Prozent der Hapag-Lloyd-Aktien abkaufen. Im Zusammenhang mit einer von Hapag-Lloyd begebenen Anleihe kann die TUI im April 2013 weitere Aktien an das Konsortium verkaufen und so den Anteil auf schätzungsweise 20 Prozent senken. Außerdem hat TUI mit dem Konsortium ausgehandelt, dass der Reisekonzern von Ende Juni 2012 frei entscheiden kann, Hapag-Lloyd an die Börse zu bringen. Auf diesem Weg könnte TUI auch die verbliebenen Anteile loswerden.
Hapag-Lloyd ist Deutschlands größte Linienreederei. Mit 147 Schiffen hat das Unternehmen in den ersten neun Monaten des Jahres 2011 gut 4,5 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Hamburg will sicherstellen, dass die Mehrheit der Reederei nicht bei einer Adresse landet, die Hapag-Lloyd schaden könnte. Der Senat fürchtet, dass die Reederei unter fremder Flagge weniger Geschäft in den Hamburger Hafen bringt. Gemeinsam mit den Partnerreedereien, deren Dienste via Hapag-Lloyd auch nach Hamburg fahren, steht die Reederei nach eigenen Angaben für rund die Hälfte des Containerumschlags an der Elbe. Mehr als ein Viertel der 82 Hapag-Lloyd-Liniendienste laufen Hamburg an. Die Reederei beschäftigt knapp 7000 Mitarbeiter, davon 1700 in Hamburg.
Michael Behrendt, der Vorstandsvorsitzende der Reederei, zeigte sich sehr erfreut über die Neuordnung im Aktionärskreis: „Das ist eine gute Lösung, weil Hapag-Lloyd nun noch fester mit Hamburg und seinem Hafen verbunden ist.“ Klaus-Michael Kühne will seinem abermaligen Engagement nach eigenem Bekunden die Unabhängigkeit der Reederei am Standort Hamburg langfristig sichern. „Die nunmehr erreichten stabilen Gesellschafterverhältnisse sollen dem Unternehmen zugleich neue Wachstumsperspektiven eröffnen“, sagte Kühne, der sich als langfristiger Investor versteht.
Signal Iduna sieht ihr Engagement bei der Reederei als aussichtsreiche Investition: „Wir glauben, dass Hapag-Lloyd eine gute Zukunft hat“, sagte der Vorstandsvorsitzende Reinhold Schulte. Einschließlich der geplanten Neuinvestition von 7 Millionen Euro wäre Signal Iduna dann mit 180 Millionen Euro bei der Reederei an Bord, was einem Anteilsbesitz von 5,3 Prozent entspreche, sagte er.
Die Stadt als Unternehmer
Karsten Bender (Kasmo)
- 15.02.2012, 09:30 Uhr
Der Staat bzw. das Land/ die Stadt waren noch nie gute Unternehmer!
Marcel Meier (MarcelMeier)
- 15.02.2012, 08:17 Uhr
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