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Computer auf Rädern : TÜV kritisiert Autohersteller für den Umgang mit Daten

Voll vernetzt: In jedem modernen Auto steckt auch ein Computer und der sammelt Daten. Bild: dpa

Moderne Autos sind individuell auf jeden Fahrer einstellbar – dank passender Software. Doch mit dem technischen Fortschritt entstehen viele Daten. Und die sind wertvoll nicht nur für die Hersteller.

          Neue Autos sind Computer auf Rädern, die vollgepackt sind mit Software und Steuerungssensoren. Ein Auto muss nicht erst autonom fahren, um Gigabytes an Daten zu produzieren, die nicht nur irgendwo gespeichert, sondern nach Willen der Hersteller auch verarbeitet werden sollen. Denn in der Mobilitätswelt von morgen bauen Volkswagen, Daimler oder Audi nicht mehr nur Autos, sondern stellen Plattformen bereit. Und die sollen auch Umsätze bringen.

          Die Autoindustrie will Daten von Fahrzeugen auf sichere Server der Hersteller überspielen, um dann anderen Unternehmen über diese Server Zugriff auf die Daten zu ermöglichen. Das kritisierten zuletzt vor allem Versicherer, der Vorstandssprecher der Huk Coburg, Klaus-Jürgen Heitmann, warnte vor einem „Datenmonopol“ der Autohersteller. Nun schaltet sich auch der TÜV in die Debatte ein. „Die Datenverarbeitung muss aus unserer Sicht im Fahrzeug stattfinden und darf nicht in Backend-Server ausgelagert werden“, sagte Richard Goebelt, der in der Geschäftsleitung des Dachverbands VdTÜV sitzt und sich dort um die Automobilindustrie kümmert, der Nachrichtenagentur dpa. „Das Auto ist ein Alltagsgegenstand und nicht mit einer Industrieanlage vergleichbar.“

          Die Prüfstelle vermutet, dass die Daten auf externen Servern nicht ausreichend vor Manipulation geschützt seien. Hackerangriffe auf vernetzte Autos hat es in den vergangenen Jahren zuhauf gegeben – und sie werden tendenziell zunehmen. „Wenn die Daten nur noch über Server abgerufen werden und nicht direkt über elektronische beziehungsweise digitale Schnittstellen am Fahrzeug, könnten wir als TÜV beispielsweise bei der Abgasuntersuchung nicht mehr sicherstellen, dass die dort liegenden Daten wirklich neutral sind oder ob diese in irgendeiner Weise verändert wurden“, sagte Goebelt.

          Vertrauen wird zu einem wichtigen Kriterium

          Vertrauen wird im Autokauf durch vernetze Autos ein immer wichtigeres Kriterium, Skandale wie um den Diesel sind für die deutschen Hersteller daher selbst mit Blick auf die Zukunft unpraktisch. Doch noch genießen sie einen Vertrauensvorschuss von Konsumenten. Die Unternehmensberatung Deloitte hat in einer Studie herausgefunden, dass europäische Hersteller einen deutlichen Wettbewerbsvorteil haben, da fast die Hälfte der Befragten sie als vertrauenswürdig einstuft, wenn es um den Umgang mit ihren persönlichen Daten geht. Amerikanischen Herstellern vertraut nur knapp jeder Dritte – genau wie IT-Anbietern aus den Vereinigten Staaten. Der Markt rund um vernetzte Autos wird Deloitte zufolge in Europa bis zum Jahr 2012 um mehr als das Elffache wachsen – von 62 Millionen 2016 auf gut 715 Millionen Euro. Natürlich steigt die Masse an Daten, die vom Fahrzeug aus übertragen wird, in Zukunft sprunghaft an. Für zwei Drittel der Befragten ist die Datensicherheit deshalb ein entscheidendes Kaufkriterium. Auch eine Befragung der Marktforscher von Gartner ergibt, dass die Vorbehalte besonders gegenüber autonom fahrenden Autos noch groß sind. Nur gut jeder Zweite kann sich vorstellen, in einem mitzufahren. Viele Verbraucher sehen selbstfahrende Autos kritisch wegen möglicher technischer Fehler und mangelnder Sicherheit.

          Der TÜV allerdings verfolgt auch eine eigene Agenda im Streit um die Daten, denn er bietet mit der „Automotive Platform“ ein eigenes Konzept an. Dort sollen wie in einem Tresor die Zugriffsberechtigungen für die Fahrzeugdaten abgelegt werden, und darüber sollen dann die Autobesitzer entscheiden und nicht die Hersteller. Auf dieser Plattform sollen die elektronischen Steuergeräte im Auto verbunden, aber durch Verschlüsselung getrennt sein etwa von Servicediensten der Werkstatt oder von Apps und Programmen, die sich über die Bordzentrale mit dem Smartphone verbinden. Eins muss nur klar sein: Hundertprozentig geschützt vor Hackerangriffen ist auch der TÜV nicht.

          Quelle: F.A.Z.

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