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Währungsverfall : Was ist los mit der Türkei?

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Menschen schwenken türkische Fahnen bei einer Gedenkveranstaltung in Istanbul zum zweiten Jahrestag des Putschversuchs. Bild: Picture-Alliance

Hohe Inflation und Kursverfall auf der einen, kräftiges Wachstum und starker Konsum auf der anderen Seite – die wirtschaftliche Lage in der Türkei ist komplex. Ein Überblick.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Lira mit seiner erratischen Wirtschaftspolitik auf Sinkflug geschickt. Seit Jahresbeginn hat die türkische Währung ungefähr ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Allein an diesem Freitag verlor die Lira zeitweise mehr als 12 Prozent – am Vormittag verteuerte sich der Dollar zur türkischen Devise um mehr als drei Prozent auf 5,75 Lira. Die Situation in der Türkei scheint sich immer mehr zu einer handfesten Krise zu entwickeln. Mit Blick auf Institute mit starkem Engagement in dem Land bereitet der Währungsverfall nun auch der EZB-Aufsicht zunehmend Sorgen.

          Was ist die Ursache? Die Krisenstimmung überrascht, denn auf dem Papier steht das Land ökonomisch gefestigt da. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2016 nur um 3,2 Prozent zugenommen hatte, betrug das Wirtschaftswachstum im Folgejahr 7,4 Prozent, mehr als in jeder anderen großen Volkswirtschaft. Im ersten Quartal 2018 setzte die Wirtschaft des Schwellenlandes das Wachstum des vergangenen Jahres ungebremst fort. Konsum, Außenhandel, Industrieproduktion und Investitionen legen allesamt zu, die öffentlichen Finanzen sehen auf dem Papier nicht Besorgnis erregend aus.

          Was im Land sauer aufstößt, sind hohe Arbeitslosigkeit und steigende Teuerungsraten. Im Juli erreichte die Inflation einen Spitzenwert von fast 16 Prozent. Der fallende Lira-Kurs bringt zudem türkische Betriebe in Schwierigkeiten. Nach Abzug ihres Devisenvermögens haben sie netto 222 Milliarden Dollar Schulden im Ausland, 26 Prozent des BIP. Um die Lira zu stabilisieren und die Inflation zu zähmen, müsste die Zentralbank eigentlich die Zinsen erhöhen. Doch das – pro forma – unabhängige Institut wird von Erdogan an kurzen Zügeln gehalten. Halbwegs vernünftige Mahner wie der Ökonom und Vize-Premier Mehmet Simsek sehen sich kaltgestellt. 

          Verschärfung der Situation durch amerikanische Sanktionen

          Die Sorge der türkischen Führung: Höhere Zinsen könnten die Kredite verteuern, worunter wiederum der Verbrauch und die Investitionen leiden würden. Erdogan möchte aber an das starke Wirtschaftswachstum des Vorjahres anknüpfen. Seiner Partei, der AKP, ist daran gelegen, die auf fast 11 Prozent gestiegene Arbeitslosenquote zu drücken, die unter Jugendlichen doppelt so hoch ist.

          Unterdessen treibt der türkische Staat die Konjunktur mit Kreditprogrammen, Steuererleichterungen und Bauinvestitionen unverdrossen voran. Dass dadurch die Teuerung nur weiter getrieben wird, die Ausfallrisiken wachsen und die Wirtschaft zu überhitzen droht, stört die Verantwortlichen nicht, im Gegenteil. Erdogan meint, es gebe einen einfachen Grund, warum manche das Wachstum für übertrieben hielten: „Weil sie neidisch sind!“

          TRY/USD

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          Hinter dem Verfall der Lira sieht er nicht näher genannte Staatsfeinde am Werk, „die unsere Wirtschaft angreifen“. Unbeirrt lehnt er steigende Zinsen ab und verspricht weitere Konjunkturprogramme, zum Unbill der Investoren.

          Finanzfachleute erklären die angespannte Lage an den türkischen Märkten mit unklaren Signalen aus Ankara zur Wirtschafts- und Geldpolitik. Dass die Investoren der Türkei die kalte Schulter zeigen und ihr Kapital abziehen, liegt auch an den geopolitischen Spannungen und den Erwartungen steigender Zinsen in Amerika. Doch mindestens ebenso schwer wiegt die Unberechenbarkeit der Türkei selbst. Die Übergriffe im Notstand und die Zweifel an der Rechtssicherheit verunsichern die Anleger. 

          Die ohnehin düsteren Wirtschaftsaussichten der Türkei könnten sich indes durch Strafaktionen aus den Vereinigten Staaten weiter eintrüben. Präsident Donald Trump hatte zuvor der Regierung in Ankara „große Sanktionen“ angekündigt, falls diese nicht dafür sorge, dass ein in der Türkei festgenommener amerikanischer Pastor freikomme.

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