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FAZ.NET-Schwerpunkt : Trumps Handelspolitik ist ein Desaster

Donald Trump hat triumphiert. Kommt jetzt der Protektionismus? Bild: AP

Wenn Donald Trump Zölle einführt, macht das vor allem die Armen ärmer. Das schadet nicht nur Amerika, sondern der gesamten Weltbevölkerung.

          David Ricardo war eine Ausnahmebegabung. Der Sohn eines Börsenmaklers, 1772 als drittes von siebzehn Kindern in London geboren, hatte nicht nur Erfolg als Begründer der neuen Ökonomie, sondern auch als Finanzbroker, der in kürzester Zeit ein Millionenvermögen erwarb.

          Rainer Hank

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zur Ökonomie war Ricardo gekommen, nachdem er per Zufall Adam Smith’ „Wohlstand der Nationen“ in einer Leihbücherei gefunden hatte. Sein eigenes Buch über die „Prinzipien der Politischen Ökonomie und Besteuerung“ revolutionierte die gesamte damalige Wirtschaftswissenschaft durch die Einsicht, dass das segensreiche Prinzip der Arbeitsteilung auch zwischen Nationen gilt und Freihandel alle beteiligten Völker reicher macht.

          Ricardos berühmt gewordenes Beispiel: Für England ist es sinnvoll, sich auf die Produktion von Tuch zu konzentrieren und Tuch gegen Wein aus Portugal zu exportieren, während Portugal sich auf die Weinproduktion konzentrieren und britisches Tuch gegen Wein importieren soll. David Ricardo im O-Ton: „Die Vermehrung unserer Annehmlichkeiten durch eine bessere Verteilung der Arbeit, indem jedes Land jene Waren produziert, für die es durch seine Lage, sein Klima sowie durch seine anderen natürlichen oder künstlichen Vorteile geeignet ist, und sie gegen Waren andere Länder eintauscht, ist für das Wohl der Menschheit genauso wichtig wie ihre Verwendung.“

          Donald Trump, der in der vergangenen Woche zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde und am 20. Januar 2017 sein Amt antritt, bricht so radikal mit Ricardos Lehre wie es noch kein anderer amerikanischer Präsident vor ihm getan hat. Gewiss, lupenreine Freihändler sind die Amerikaner noch nie gewesen, auch wenn sie sich gerne so geben. Aber jetzt erleben wir eine Zäsur.

          Ein lausiger Ökonom

          Wie Ricardo ist auch Trump ein steinreicher Unternehmer; aber anders als Ricardo ist Trump ein lausiger Ökonom. Nichts spricht dafür, auch nicht seine versöhnlichen Auftritte als Sieger, dass der Präsident Trump ein anderer sein wird als der Kandidat Trump: Die Welt bekommt mit ihm einen isolationistischen Protektionisten, keinen liberalen Freihändler. Das ist ein Bruch mit der Tradition der Vereinigten Staaten, erst recht mit jener der Republikaner.

          Zwar jubeln jetzt die Börsen, weil sie auf kurzfristige Profite hoffen, ausgelöst durch ein Milliarden schweres Investitionsprogramm Trumps. Doch auf mittlere Sicht wird sein Protektionismus die Amerikaner Wohlstand kosten, aber nicht nur sie, sondern - mutmaßlich in noch größerem Umfang - viele andere Völker, nicht zuletzt die Deutschen.

          Wie konnte es soweit kommen? Tatsächlich kennt der Freihandel am Ende nur Gewinner. Das heißt aber nicht, dass er keine Verlierer produziert. Wenn eine Tonne Stahl nicht mehr in Pittsburgh, sondern in China hergestellt wird, verlieren in Pittsburgh Arbeiter ihren Job. Aus diesem Faktum bezieht Trump schon seit den achtziger Jahren seine ostinate Propaganda: „China stiehlt uns unsere Arbeit und unser Geld.“ Schuld sind in seinen Augen inkompetente und korrupte Eliten seines Landes, die er abschätzig „Globalists“ nennt, die fahrlässig Jobs exportieren und sich selbst daran bereichern. Hauptprofiteure sind in seinen Augen China und Mexiko.

          Künftig regiert die Occupy-Bewegung im Weißen Haus

          So ähnlich wie Trump reden Globalisierungsfeinde allüberall schon lange. Aber noch keiner von ihnen hat auf demokratischem Wege die Macht über das mächtigste Land der Welt erhalten. Es macht eben einen Unterschied, ob jemand Vereinvorsitzender von Attac oder amerikanischer Präsident wird. Künftig regiert die Occupy-Bewegung im Weißen Haus, um gegen Neoliberalismus und globalen Kapitalismus Front zu machen, dessen Zentrum paradoxerweise das postmaoistische China sein soll.

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