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Regionale Lebensmittel : Kommt der Handkäs bald aus Houston?

Handkäse aus Hessen Bild: ddp

Kommt hessischer Käse bald aus Amerika? Die Gegner des Handelsabkommens TTIP laufen Sturm. Wie Agrarminister Christian Schmidt eine Anti-Freihandels-Hysterie auslöste.

          Bedroht das Handelsabkommen mit Amerika (TTIP) die Herstellung regionaler Lebensmittel in Deutschland? So ließe sich, arg reduziert, die Äußerung von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt vom Wochenende wiedergeben. Wollte Europa die Chancen des freien Handels nutzen, könne nicht mehr jede Wurst und jeder Käse als Spezialität geschützt werden, sagte Schmidt in einem autorisierten Interview.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Reaktionen darauf am Montag waren albern bis hysterisch, von der Lebensmittelwirtschaft, die dank der geschützten Herkunftsbezeichnungen gutes Geld verdient, bis hin zu Grünen und Freihandhandelsgegnern. Sie malten Szenarien von Tiroler Speck oder dem Harzer Roller aus Texas, einem Allgäuer Emmentaler aus Iowa und Hessischem Apfelwein aus Houston. Das Freihandelsabkommen sei „kein Basar für Verbraucherrechte“, Ammerländer Schinken und die Lüneburger Heidekartoffel müssten geschützte Marken bleiben, sagte etwa Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer von den Grünen: „Wenn Minister Schmidt in Zukunft Münchner Weißwürste aus Großschlachthöfen in Chicago beziehen möchte, soll er das den Verbraucherinnen und Verbrauchern ehrlich sagen. Das ist sicher nicht das, was die Verbraucher bei Münchner Weißwurst erwarten. Da erwarten sie ein regionales Produkt aus Bayern.“

          Das alles also werde kommen, wenn TTIP komme, hatte das nicht nun selbst der CSU-Minister gesagt?

          Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU)

          Wäre die Herstellung von Harzer Roller, Apfelwein oder Tiroler Speck derart lukrativ, dass Fabriken in Texas nach dem Beschluss von TTIP gleich in die Produktion für den Export einstiegen, gäbe es vermutlich schon heute Fabriken von Nestlé, Coca Cola oder Mondalez, die sich auf die Fertigung derartiger Spezialitäten nach geltendem EU-Recht im Harz, Groß-Gerau oder Tirol spezialisiert hätten. Dass es das nicht gibt, zeigt, dass die Regio-Produkte eine relative Marktnische sind. Sie werden meist von einer bewussten Slow-Food-Klientel gekauft, die ohnehin nicht so gern Hamburger ist. Die Regio-Freunde vergessen überdies auch, dass ein Freihandel handwerklich gefertigte, lokale Erzeugnisse aus Amerika hier verbilligen würde, zum Beispiel Craft-Beer; und der hessische Apfelwein könnte in San Francisco neue Absatzmärkte finden.

          Schmidts ungeschickte Äußerung sollte scheinbar gegen den Bürokratismus intendiert sein, der sich hinter den von der EU-Kommission vergebenen Regio-Gütezeichen verbirgt. Es gibt die für unbedarfte Verbraucher schwer nachvollziehbare Unterscheidung einer geschützten Ursprungsbezeichnung und einer geschützten geographischen Angabe. Nur erstere besiegelt, dass Erzeugung, Verarbeitung und Produktion in einer bestimmten Region (Stadt, Kreis, Bundesland) erfolgt sind. Das ist in Deutschland sehr selten der Fall. Es trifft etwa zu auf die Diepholzer Moorschnucke, die Lüneburger Heidschnucke, den Weideochse vom Limpurger Rind. Diese Tiere fraßen Gras, das natürlich aus der Region kommt. Damit unterscheiden sich diese Regionallebensmittel etwa vom Schwarzwälder Schinken, dessen Schweinefleisch nicht zwingend aus dem Schwarzwald kommt.

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