http://www.faz.net/-gqe-8yuew

Offizielle Einigung : Brexit-Verhandlungen beginnen am Montag

  • Aktualisiert am

Theresa May Bild: Reuters

Trotz politischem Chaos in Großbritannien sollen die Verhandlungen mit der EU über den Austritt in der nächsten Woche starten. Denn Theresa May steht unter starkem Zeitdruck.

          Die EU und Großbritannien haben sich offiziell auf einen Start der Brexit-Verhandlungen am Montag festgelegt. Dies bestätigten EU-Beamte am Donnerstag. Damit bleibt es bei dem schon vor Wochen angepeilten Termin, obwohl sich die Regierungsbildung in Großbritannien verzögert.

          Fast genau ein Jahr nach dem Votum der Briten für den EU-Austritt sprechen beide Seiten dann erstmals über die Bedingungen der Trennung. Die Frist für die Verhandlungen läuft bis März 2019. Die EU will zunächst über Garantien für die EU-Bürger in Großbritannien sowie über die Schlussrechnung nach mehr als 40 Jahren Mitgliedschaft und die künftige Grenze zwischen Irland und Nordirland sprechen.

          Großbritannien will sofort auch über die künftigen Beziehungen und ein ambitioniertes Freihandelsabkommen reden, denn die britische Premierministerin Theresa May will das Land aus dem Binnenmarkt und der Zollunion herausführen. Sie hatte bei der Wahl ihre absolute Mehrheit im Parlament verloren und ringt derzeit um die Bildung einer Minderheitsregierung. Zuletzt deutete sich an, dass sie der EU-Seite zum Beginn der Verhandlungen in einem wichtigen Punkt entgegenkommen könnte. Nach einem Bericht der Zeitung „Telegraph“ (Donnerstag) erwägt sie, EU-Bürgern in Großbritannien auch nach dem Austritt des Landes weitreichende Rechte zu gewähren. Sie könnten demnach zum Beispiel Ehepartner aus Nicht-EU-Staaten ins Land bringen.

          Bei den bevorstehenden Gesprächen stehen die Rechte der 3,2 Millionen EU-Bürger in Großbritannien sowie die Rechte der 1,2 Millionen Briten auf dem Kontinent an erster Stelle. Eigentlich wollte Großbritannien mit dem EU-Austritt auch die Einwanderung begrenzen. Dafür nahm May in Kauf, aus dem Binnenmarkt auszutreten. Denn Bedingung für den Zugang ist die Freizügigkeit der Bürger. Nach heftiger Kritik an einem solchen „harten Brexit“ scheint May sich nun neu zu positionieren.

          Insbesondere Großbritannien steht bei den Gesprächen unter starkem Zeitdruck. May hat im März das EU-Austrittsgesuch ihres Landes offiziell in Brüssel eingereicht. Seitdem tickt die Uhr: Die Verhandlungen müssen binnen zwei Jahren abgeschlossen sein. Eine Verlängerung ist nur möglich, wenn alle EU-Staaten zustimmen. Ein so genannter ungeordneter Austritt wiederum birgt große Risiken, weil die Handelsbeziehungen zur EU dann zumindest vorübergehend empfindlich leiden könnten.

          Die Aufgabe für die Unterhändler ist riesig. Schließlich muss eine neue Grundlage für die Beziehungen zwischen dem Kontinent und dem bislang eng mit ihm verflochtenen Großbritannien geschaffen werden.

          Ein wichtiger Streitpunkt dürfte die Schlussrechnung werden, die Brüssel London präsentiert. Die EU verlangt den britischen Anteil für Finanzentscheidungen, die man gemeinsam getroffen hat, vor allem für den EU-Haushalt, gemeinsame Fonds und Pensionslasten. Inoffizielle Berechnungen gehen von 100 Milliarden Euro oder mehr aus. Die britische Regierung hält derlei Beträge für völlig überzogen.

          Quelle: hade./dpa

          Weitere Themen

          Merkel sieht britische Regierung am Zug Video-Seite öffnen

          Brexit-Verhandlungen : Merkel sieht britische Regierung am Zug

          Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte nach dem EU-Gipfel in Brüssel, sie hoffe auf einen Startschuss für die nächste Phase der Verhandlungen im Dezember. Eigentlich wollten die Staats- und Regierungschefs auf diesem Treffen in die nächste Phase der Verhandlungen einsteigen. Wegen der Differenzen zwischen beiden Seiten wurde daraus nichts.

          Topmeldungen

          Krise in Katalonien : Spanien will Regionalregierung absetzen

          Die Zentralregierung will die katalanische Regionalregierung absetzen. Zuvor muss noch der Senat zustimmen. Die Separatisten könnten aber noch für eine Überraschung sorgen.

          Umgang mit Hinterbliebenen : Fehler? Ich doch nicht!

          Donald Trump wurde wieder einmal bei einer Unwahrheit ertappt. Diesmal versuchte das Weiße Haus, seine Aussage im Nachhinein wahr zu machen. Die Debatte um Kondolenzanrufe geht jedoch nicht nur dadurch immer weiter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.