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Globalisierung : So reich hat der Handel Amerika gemacht

Blick aus dem Wolkenkratzer: Handel im Hafen von New York Bild: Reuters

Der Welthandel ist ins Gerede gekommen, gerade in Amerika. Ein Ökonom hat nachgerechnet, wie viel Wohlstand die Globalisierung Amerika gebracht hat: sehr viel. Seine Rechnung enthält aber auch einen brisanten Befund, wenn es um die Verlierer geht.

          Die Vereinigten Staaten sind durch den Handel mit anderen Ländern reicher geworden. Für die größte Volkswirtschaft der Welt war es vorteilhaft, Waren und Dienstleistungen mit anderen Ländern auszutauschen. Und die Amerikaner haben die Chance, durch eine weitere Handelsliberalisierung insgesamt um noch viele Milliarden Dollar wohlhabender zu werden. Das ist das Ergebnis einer großen Analyse, die federführend der Ökonom Gary Hufbauer vom Peterson Institute for International Economics in New York angestellt hat (hier, auf Englisch).

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hufbauer, der in den 1970er Jahren verantwortlicher Mitarbeiter im amerikanischen Finanzministerium war und beispielsweise zuständig für internationale Steuerfragen, hat dabei einen Blick weit zurückgeworfen - bis ins Jahr 1945. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute hat er errechnet, wie sich Handelsliberalisierungen und technischer Fortschritt in den Bereichen Transport und Kommunikation für die Vereinigten Staaten ausgezahlt haben. Er kommt auf 2,1 Billionen Dollar gerechnet in Preisen des vergangenen Jahres – was sich etwa mit der Jahreswirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) 2016 von ungefähr 18 Billionen Dollar vergleicht. Auf alle Amerikaner verteilt bedeutet das im Schnitt einen um mehr als 7000 Dollar höheren Wohlstand oder mehr als 18.000 Dollar je Haushalt.

          Vier Vorteile durch Handel

          Wenn die Vereinigten Staaten und andere Länder auf der ganzen Welt Zölle weiter senken, die Logistik im Warenhandel günstiger wird und auch Hindernisse im Bereich der Dienstleistungen kleiner werden, sagt er allein dadurch seinem Land für das Jahr 2025 ein um weitere 540 Milliarden Dollar höheres Bruttoinlandsprodukt voraus. „Klarerweise hat der zunehmende Handel seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges den Vereinigten Staaten signifikante Gewinne gebracht“, schreibt Hufbauer in seiner Analyse.

          Er nennt vier große Treiber, die dafür sorgen, dass Handel wohlhabender macht: Eine stärkere Spezialisierung, das Ausnutzen von Größenvorteilen, die internationale Verbreitung von Technologie und die Importkonkurrenz. Damit ist der zunehmende Wettbewerb auf heimischen Märkten durch ausländische Anbieter gemeint, der zu niedrigeren Preisen und höherer Qualität für die Verbraucher führt.

          Brisant ist in seiner Untersuchung ein weiterer Befund, der in der ökonomischen Theorie zwar schon lange etabliert ist, der in der Realität der Nachkriegszeit allerdings zumal mit Blick auf Amerika eher eine Nebenrolle gespielt hat: Handel bringt nicht nur Gewinner hervor, sondern auch Verlierer.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump beispielsweise hat das schon im Wahlkampf gezielt angesprochen und daraus politisches Kapital geschlagen. Er stellte die Vereinigten Staaten sogar als „ausgebeutet“ dar durch den Handel mit anderen Ländern. Jetzt hat er beispielsweise auf Twitter wieder über Deutschland geklagt.

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          Verlierer entschädigen

          Besonders im Fokus steht in dieser Diskussion die amerikanische Industrie. Hufbauer kommt in seiner Überschlagsrechnung darauf, dass unter dem Strich durch den gestiegenen Handel in diesem Bereich in den Jahren 2001 bis 2016 durchschnittlich beinahe 160.000 Stellen beeinträchtigt worden sind, 100.000 direkt in der Industrie, der Rest in daran hängenden Dienstleistungen.

          Das ist einerseits keine enorm bedeutende Größe: Im Jahr 2016 wechselten beispielsweise beinahe 20 Millionen Amerikaner freiwillig ihren Arbeitsplatz.

          Eine andere Betrachtung ergibt einen brisanteren Befund: Insgesamt waren im verarbeitenden Gewerbe Amerikas im Jahr 2001 noch 16,4 Millionen Menschen beschäftigt, im Jahr 2016 noch 12,3 Millionen. Im Schnitt sind das unter dem Strich beinahe 260.000 verlorene Stellen pro Jahr in diesem Bereich. „Der Netto-Effekt durch gestiegenen Handel im verarbeitenden Gewerbe auf die Stellen dort betrug 100.000 pro Jahr, das macht 39 Prozent des Stellenverlustes in diesem Bereich.“ Und das sind, wie beschrieben, die Nettogrößen – also verloren gegangenen Stellen minus geschaffene Stellen. Sie sagen nicht aus, dass genau diejenigen, die eine Stelle verloren, auch eine neue fanden.

          Hufbauer rät seinem Land dazu, auf mehr Handel und Integration in die Weltwirtschaft zu setzen und nicht auf weniger. Die Vorteile überwiegen, da ist er einig mit der einhelligen Meinung der Ökonomen, die Nachteile grundsätzlich deutlich. „Aber ausgeweiteter Handel resultiert in Verlierern und Gewinnern, und die Verlierer werden selten entschädigt“, schreibt er mit Blick auf die Vergangenheit. Er schlägt vor, das zu ändern und etwa bestehende Handels-Anpassungsprogramme für Arbeitnehmer (wie das Trade Adjustment Assistance, TAA) zu erweitern. Seiner Schätzung nach würde ein größerer allgemeinerer Schutz gegen Arbeitslosigkeit insgesamt die Vereinigten Staaten um die 30 Milliarden Dollar pro Jahr zusätzlich kosten.

          „Wie auch immer, die dauerhaften Gewinne durch Handelsliberalisierung und technischen Fortschritt übersteigen deutlich die vorübergehenden Anpassungskosten.“ Und weiter findet er: „Anpassungskosten sollten nicht als Vorwand dienen, um ,nein' zu sagen zu Liberalisierung und neuen Technologien. Freier Handel wird – genau wie technischer Fortschritt – weiterhin Einkommen und Lebensstandard steigern, aber deutlich verbesserte Anpassungsprogramme sind notwendig, um diejenigen zu entschädigen, die verlieren entweder infolge einer tieferen Integration oder neuer Technologien.“

          Quelle: FAZ.NET

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