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Veröffentlicht: 29.05.2017, 08:12 Uhr

Gewinner und Verlierer Das würde ein Handelsabkommen mit Indien uns bringen

Kanzlerin Angela Merkel trifft Indiens Regierungschef Modi. Sein Land ist für deutsche Unternehmen sehr interessant. Fachleute haben nun ausgerechnet, wer durch ein Freihandelsabkommen gewinnen und wer verlieren würde.

© dpa Eine indische Arbeiterin zählt die Ladung Kunststoffseile auf einem Lastwagen nach.

Die deutsche Wirtschaft würde nach einer aktuellen Studie von einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien kräftig profitieren. Deutschland könne in diesem Fall mit einem um jährlich 4,6 Milliarden Euro höheren Bruttoinlandsprodukt kalkulieren, haben Forscher des Ifo-Instituts im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ausgerechnet. Das sei das höchste mögliche Plus innerhalb der EU nach Großbritannien mit 4,8 Milliarden Euro, das aufgrund seiner Kolonialgeschichte besondere Beziehungen mit Indien pflegt.

Ein echtes Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ist jedoch noch lange nicht in Sicht. An diesem Dienstag trifft sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin mit dem indischen Premierminister Narendra Modi im Rahmen der Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen, die seit dem 2011 alle zwei Jahre stattfinden.

Gut für Maschinenbauer

Ein Abkommen habe nicht nur ökonomische Vorteile für beide Seiten, sondern würde grundsätzlich ein wichtiges Zeichen für den Freihandel setzen, sagte Bertelsmann-Asienexpertin Cora Jungbluth. Angesichts von Abschottungstendenzen der amerikanischen Regierung unter Präsident Donald Trump und des geplanten Austritts der Briten aus der Europäischen Union werben auf der ganzen Welt engagierte Konzerne sowie die EU für Globalisierung. Zudem könne das Abkommen dazu beitragen, den Wachstumsmarkt Indien besser für europäische Unternehmen zu erschließen.

In Deutschland würden besonders Hersteller von Kraftfahrzeugen, Maschinen und Ausrüstung profitieren. Sie könnten ihre Wertschöpfung um bis zu 1,5 Milliarden Euro im Jahr steigern, hieß es. Verlierer wären demnach Dienstleister sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie mit einem erwarteten Minus von jeweils mehreren Hundert Millionen Euro. Indien habe in diesen Bereichen - vor allem aufgrund niedrigerer Löhne - einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.

Langfristig könnte die indische Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent pro Jahr zusätzlich wachsen, betonten die Autoren. Für die EU berechneten sie ein jährliches Plus von durchschnittlich 0,14 Prozent. Das für Deutschland kalkulierte Plus entspricht 0,15 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Autoren betonten, dass kein EU-Mitglied durch ein Abkommen Nachteile verspüren würde.

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Bereits seit dem Jahr 2007 laufen die Verhandlungen zwischen Indien und der EU, sie liegen jedoch seit 2013 offiziell auf Eis. Die größten Hemmnisse aus deutscher Sicht liegen im Automobil- und der Pharmasektor. Wer fertig montierte Personenwagen nach Indien einführt, zahlt dafür je nach Größe des Fahrzeugs zwischen 60 und 100 Prozent des Neupreises. Die EU würde diese Hürden auf lange Sicht gerne abschaffen. Indien sähe darin jedoch eine Gefahr für die heimische Produktion, auch durch ausländische Firmen, die - zum Teil abgeschreckt durch die hohen Zölle - indische Standorte aufgebaut haben.

In der Pharmabranche hakt es besonders, wenn es um geistiges Eigentum geht. Indiens große Industrie für Nachahmermedikamente (Generika), die nach Ablauf des Patentschutzes von Originalmitteln günstiger auf den Markt kommen, wird geschützt durch sehr strikte Gesetze. Trotz des Patentschutzes können indische Gerichte etwa anordnen, dass ausländische Konzerne Zwangslizenzen an indische Generika-Hersteller vergeben müssen. Ein anderes Gesetz erschwert, dass der Patentschutz für ein Medikament verlängert wird, obwohl der Hersteller es in der Zwischenzeit verbessert hat.

Asienexpertin Jungbluth forderte beide Seiten zu Kompromissen auf, um die Verhandlungen rasch wieder aufzunehmen. So müsse die EU etwa Indien genug Zeit und Flexibilität zugestehen, um mögliche negative Veränderungen wie Arbeitsplatzverluste in manchen Branchen abzufedern.

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Von Heike Göbel

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