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Deutscher Handelsüberschuss : Drei Argumente gegen Trumps Kritik an deutschen Autoverkäufen

  • Aktualisiert am

Beliebt in Amerika: BMW-Mitarbeiter bereiten die Ausstellung auf der Auto-Messe in Detroit vor, die im Januar war. Bild: dpa

Donald Trump beschimpft die Deutschen dafür, dass sie mehr in Amerika verkaufen, als sie von dort einführen. Die Kritik ist für Fachleute merkwürdig. Aus mehreren Gründen.

          Die Kritik an ihrer Exportstärke kennen die Deutschen mittlerweile gut, auch aus Amerika. Vertreter der im Januar angetretenen Regierung Trump und der Präsident selbst sind - diplomatisch ausgedrückt - etwas „direkter“ in dieser Sache. Erfunden haben sie die Kritik nicht. Auch die Administration seines Vorgängers Barack Obama nicht, die deutlich höflicher dazu „geraten“ hat, die Deutschen sollten in eigenem Interesse dafür sorgen, dass ihr Handelsüberschuss etwas kleiner wird.

          Tatsächlich sind aus den achtziger Jahren Gespräche hinter verschlossenen Türen überliefert, etwa zwischen dem damaligen amerikanischen Finanzminister James Baker und seinem deutschen Kollegen, in denen der Amerikaner anregt, Deutschland möge seine Finanzpolitik etwas expansiver ausgestalten - das steckt indirekt auch immer dahinter, wenn es um den Exportüberschuss der Bundesrepublik geht.

          Was ist mit Software und Handys?

          Nun hat Donald Trump offenbar nachgelegt und zwar sehr konkret. Während seines Antrittsbesuchs bei der EU in Brüssel soll er übereinstimmenden Medienberichten zufolge gegenüber dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker und dem EU-Ratspräsidenten Donald Tusk ausdrücklich über Deutschland geschimpft haben. Als „sehr, sehr böse“ soll er bezeichnet haben, dass die Deutschen mehr nach Amerika verkaufen als sie von dort einkaufen („The Germans are bad, very bad“). Besonders eine Branche hatte er demnach im Blick: die wichtige Autoindustrie. „Fürchterlich“ sei es, dass Deutschland so viele Autos in den Vereinigten Staaten verkaufe und er werde das „stoppen“.

          Einmal mehr fragt sich die Öffentlichkeit, was davon zu halten ist und was er genau damit meint. Will er künftig deutschen Autoherstellern die Einfuhr ihrer Fahrzeuge in die Vereinigten Staaten teilweise untersagen? Will er sie mit Zöllen verteuern? Was ist mit Autos, die der deutsche Hersteller BMW etwa in seinem Werk in Spartanburg im amerikanischen Bundesstaat South Carolina herstellt, das übrigens das größte BMW-Werk auf der ganzen Welt ist und an dem Tausende amerikanische Arbeitsplätze hängen?

          Ökonomen sind immer wieder irritiert über die mutmaßlich hinter Trumps Aussagen steckende Sichtweise auf den Handel:

          Erstens ist es schließlich gerade kein einseitiges Geschäft, wenn ein deutscher Hersteller ein Auto an einen Amerikaner verkauft - der hat aus freien Stücken zuvor entschieden, das Auto zu kaufen, niemand hat ihn gezwungen. Mit der Kaufentscheidung drückt er aus: Er findet dieses Auto besser als die vielen anderen Angebote auf dem Automarkt. Und das Auto ist ihm sein Geld wert, sogar wohl etwas mehr - er stellt sich dadurch also aus seiner Sicht besser.

          Zweitens ist für Ökonomen ohnehin erst einmal nicht ersichtlich, warum eigentlich ein Problem sein soll, dass ein Land mehr Waren importiert als exportiert. Das ist für sich genommen weder gut noch schlecht, sondern erst einmal das Ergebnis von unzähligen einzelnen Kauf- und Verkaufsentscheidungen. Und zum Beispiel auch davon, wie viel von ihrem Einkommen die Bürger eines Landes sparen und wie viel sie konsumieren. Natürlich stimmt, dass eine Regierung das beeinflussen kann. Natürlich könnte Washington zum Beispiel Anreize setzen, die Amerikaner langfristig zu mehr Sparen und weniger Konsum anzuhalten, worauf zum Beispiel der Harvard-Professor Martin Feldstein neulich wieder einmal hingewiesen hat, der früher vorübergehend den Präsidenten Ronald Reagan beraten hat. Einen einfachen „An- und Ausschalter“ für höhere oder niedrigere Exportüberschüsse, für mehr oder weniger Ersparnisbildung haben Regierungen aber schlicht nicht in demokratischen Marktwirtschaften.

          Drittens überrascht immer wieder, wieso Trump eigentlich einerseits über deutsche Autos in Amerika klagt, aber nicht anspricht, dass die Deutschen so viele Handys amerikanischer Hersteller kaufen. Und so zahlreich amerikanische Software nutzen; das Betriebssystem Windows etwa ist auf den meisten Computern installiert. Und dass amerikanische Wall-Street-Banken so viele Angebote international verkaufen. Wenn deutsche Autoverkäufe in Amerika ein Problem sind, müsste es im Falle der genannten anderen Produkte umgekehrt ja ebenfalls eines sein. Oder gibt es einen Unterschied?

          Quelle: ala.

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