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Aktualisiert: 30.11.2016, 08:54 Uhr

Furcht vor Globalisierung Die große Angst, abgehängt zu sein

Warum wählen mehr Menschen in Europa rechtsgerichtete Parteien? Eine neue Untersuchung gibt zwei überraschende Antworten.

© dpa Auch in Deutschland empfinden viele Menschen nach eigener Auskunft die Globalisierung als Bedrohung.

Die jüngsten Erfolge rechtsgerichteter Parteien in vielen europäischen Ländern gehen vor allem darauf zurück, dass sich viele Menschen infolge der international zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Verflechtung zurückgelassen oder benachteiligt fühlen. Das geht aus einer regelmäßigen repräsentativen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung hervor, die beinahe 15.000 Menschen in der Europäischen Union befragt hat.

Nach dieser Erhebung fürchten beispielsweise in Deutschland 78 Prozent der AfD-Anhänger die Folgen der Globalisierung. In Frankreich äußerten sich 76 Prozent der Parteigänger des Front National, in Österreich 69 Prozent der FPÖ-Anhänger und in Italien 66 Prozent der Lega-Nord-Anhänger so. „Je niedriger das Bildungsniveau, je geringer das Einkommen und je älter die Menschen sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie Globalisierung als Bedrohung wahrnehmen“, heißt es in der Untersuchung.

Nicht zuerst eine Wertefrage

Allerdings gehen die Sorgen darüber, wie sich die Globalisierung auswirkt, ausweislich der Befragung bis hinein in die politische Mitte. Insgesamt empfinden 55 Prozent, als etwas mehr als die Hälfte der Befragten, die Globalisierung eher als Chance und 45 Prozent eher als Bedrohung. Vergleichsweise groß ist der Globalisierungs-Optimismus unter in der Gruppe der 18 bis 25 Jahre alten Befragten mit 61 Prozent.

Zugleich gibt es durchaus unterschiedliche Sichtweisen zwischen den einzelnen Ländern: So empfindet in Frankreich (55 Prozent) und in Österreich (54 Prozent) eine Mehrheit das Zusammenwachsen der Welt nach eigener Aussage eher als Bedrohung. In den Niederlanden sind dies nur 41 Prozent, in Deutschland 45 Prozent und in Ungarn 46 Prozent.

Nach der Studie ziehen ebenfalls linksgerichtete Parteien - wenn auch in deutlich geringerem Umfang - Globalisierungsgegner an. In Deutschland ist es demnach die Linkspartei, in Italien die Bewegung Fünf Sterne und in Spanien die Partei Podemos, die davon profitiert.

Das passt zusammen damit, dass sich sowohl sehr linke wie auch sehr rechte Parteien in Europa derzeit etwa in ihren wirtschaftspolitischen Plänen durchaus ähneln: Tendenziell wollen sie eher einen stärkerer, schützenden Staat, keinen, der sich zurückzieht. Beide neigen eher protektionistischen Ideen zu, lehnen Freihandelsabkommen wie TTIP eher ab.

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Wie sehr dies auch von etablierten Parteien gelegentlich aufgegriffen wird, zeigt sich etwa gerade in Großbritannien - die britische Premierministerin Theresa May betonte zum Beispiel mehrfach, dass sie für den starken Staat stehe, der eher mehr als weniger eingreifen werde. Der designierte amerikanische Präsident Donald Trump hat während seines Wahlkampfes viele schon lange gültige Handelsverträge infrage gestellt und nach seinem Wahlsieg ganz konkret schon angekündigt, dass ausverhandelte Transpazifische Freihandelsabkommen TPP abzuschaffen bevor es in Kraft getreten ist.

Ein wichtiges weiteres Ergebnis der neuen Bertelsmann-Erhebung wiederum ist, dass der persönliche Werte-Kompass der Befragten offenbar keine große Rolle dafür spielt, ob sie eine rechtsgerichtete Partei wählen. Es geht demnach also nicht in erster Linie darum, ob sich die Menschen selbst eher als konservativ, liberal oder autoritär einschätzen - es ist zumindest nach dieser Untersuchung die Angst vor der Globalisierung.

© dpa, reuters Trump will raus aus TPP

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