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Trumps Zölle : Wohin mit unseren Autos?

Made in Germany: Mitarbeiter montiert BMW-Emblem im Werk in Dingolfing auf den Kofferraumdeckel. Bild: dpa

Amerikas Präsident Donald Trump will Zölle auf Autos erheben – Chinas Präsident Xi Jinping dagegen senkt sie. Was bedeutet das für die deutsche Autoindustrie? Wir rechnen nach.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump kann sich nicht entscheiden. Erst legt er die Importzölle für Stahl und Aluminium auf Eis, nur um kurz darauf Zölle auf importierte Autos anzukündigen. Die Aktienkurse der deutschen Autohersteller geben an der Börse nach, Industrie- und Handelsvertreter stöhnen auf, sprechen gar von einem „wirtschaftlichen Desaster“. Doch ist die Lage wirklich so schlimm?

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Donald Trump hat seinen Wirtschaftsminister Wilbur Ross damit beauftragt, ein formelles Zollverfahren einzuleiten, um Autoimporte zu begrenzen und das Handelsdefizit Amerikas mit dem Ausland zu reduzieren. Importe hätten die heimische Autoindustrie erodiert, sagte Ross in Washington. Dabei seien Schlüsselindustrien wie Autos und Autoteile „entscheidend für unsere Stärke als Nation“. Wie schon bei den Zöllen auf Stahl und Aluminium nutzt Trump eine 1962 abgesegnete Vorschrift, um Zölle am Kongress vorbei beschließen zu können. Diese Vorschrift erlaubt es dem Präsidenten, Importzölle zum Schutz der heimischen Industrie zu erheben, wenn er durch die Konkurrenz aus dem Ausland die nationale Sicherheit gefährdet sieht – eine protektionistische Waffe aus der Zeit des Kalten Krieges. Allerdings gibt es schon heute Importzölle von 2,5 Prozent auf ausländische Autos.

          Autos eine Gefahr für die nationale Sicherheit?

          Genug Zeit zur Vorbereitung haben die Unternehmen jedenfalls. Vom Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) heißt es, man habe bereits seit Trumps Wahl mit einem solchen Verfahren gerechnet. Und falls die Zölle wirklich in Kraft treten, wird es erst in einigen Monaten so weit sein. Das amerikanische Handelsministerium hat nun nämlich 220 Tage Zeit, um zu prüfen, ob von den importierten Autos tatsächlich eine Gefahr für die nationale Sicherheit ausgeht. Der Ausgang dieses Verfahrens scheint freilich klar, Wirtschaftsminister Ross hat ja schon betont, dass er die Verantwortung für die Schwäche der amerikanischen Autoindustrie vor allem bei den japanischen und deutschen Wettbewerbern sieht. Wer will, kann von diesem Punkt aus auch eine Gefahr für die nationale Sicherheit erkennen. Kommt auch das formale Verfahren zu diesem Schluss, hat Präsident Trump 90 Tage Zeit, um die Zölle in Kraft treten zu lassen.

          Die Autohersteller wären von Zöllen, die am Ende 25 Prozent betragen könnten, unterschiedlich stark betroffen. BMW, Daimler und Volkswagen betreiben ebenso eigene Fabriken in Amerika wie die japanischen Wettbewerber Nissan und Toyota. BMW beispielsweise hat in Amerika eine Importquote von 66 Prozent. Härter träfe es die VW-Tochtergesellschaft Audi. Die Ingolstädter haben keine eigene Fabrik in Amerika. Die Importquote von Audi liegt also bei 100 Prozent, die Importzölle würden voll zum Tragen kommen. Von den Zöllen wären übrigens auch einige amerikanische Hersteller betroffen: Ford und General Motors haben in Amerika im vergangenen Jahr mehr Autos verkauft, als sie dort produziert haben. Das heißt, auch sie importieren Autos aus Fabriken im Ausland in die Vereinigten Staaten.

          Was aber würden die in Aussicht gestellten Zölle für den Absatz der ausländischen Autohersteller in Amerika bedeuten? Das hängt, abgesehen von den unterschiedlichen Importquoten, von mehreren Variablen ab. Zum einen ist unklar, wie weit die Hersteller versuchen werden, die Zölle auf ihre Kunden umzulegen, ob sie also die Preise um 25 Prozent erhöhen oder nur einen Teil davon aufschlagen. Zum anderen produzieren gerade BMW und Daimler vor allem teure Autos für das sogenannte Premiumsegment. Ihre Kunden sind traditionell nicht allzu preissensibel und tendenziell wohl bereit, mehr Geld für ihr Auto zu bezahlen. Ob tatsächlich mit deutlichen Umsatzeinbußen zu rechnen ist, bleibt abzuwarten.

          China für Auto-Konzerne immer wichtiger

          Das beruhigendste Argument für die deutschen Hersteller in der Debatte ist allerdings, dass der amerikanische Markt für sie ohnehin seit Jahren an Bedeutung verliert. 500.000 Autos exportierten deutsche Firmen im vergangenen Jahr nach Amerika. Das entspricht einem Minus von einem Viertel gegenüber 2013.

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