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Merkel in Washington : Deutsche Wirtschaft enttäuscht nach Treffen mit Trump

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Donald Trump während seines Treffens mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Oval Office des Weißen Hauses am 17. März 2017. Bild: AP

Führende Vertreter der deutschen Wirtschaft beklagen die unklare Haltung des amerikanischen Präsidenten zu Handelsbeziehungen mit Deutschland. BDI-Präsident warnt: „Niemand ist eine Insel – auch die USA unter ihrem Präsidenten Donald Trump nicht.“

          Die deutsche Industrie hat beim Besuch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Washington ein klares Bekenntnis der amerikanischen Regierung zu einer engen wirtschaftlichen Kooperation vermisst. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, sagte: „Darauf hat nicht nur die transatlantische Wertegemeinschaft, sondern die gesamte Weltwirtschaft sehnsüchtig gewartet. Niemand ist eine Insel – auch die USA unter ihrem Präsidenten Donald Trump nicht. Nicht nur Deutschland und Europa, sondern auch die USA würden von einer engeren Zusammenarbeit profitieren.“

          Lobenswert nannte Kempf, dass sich Trump „ausdrücklich von einer isolationistischen Haltung distanziert hat. Die Vereinigten Staaten dürfen sich nicht abschotten, weder wirtschaftlich noch politisch“. Auch das klare Bekenntnis Merkels zur Fortsetzung der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Amerika hätte ihn „stark beeindruckt“, sagte der BDI-Chef.

          Unklare Äußerungen zu unfairer Behandlung

          Auch nach Ansicht des deutschen Groß- und Außenhandels blieb nach dem Treffen unklar, wie genau sich der amerikanische Präsident Donald Trump künftig die Handelsbeziehungen vorstelle. Der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, sagte, es sei auch weiterhin nicht erkennbar geworden, „wo er sich unfair behandelt fühlt“.

          Völlig richtig sei Merkels Hinweis auf die Zuständigkeit Brüssels in allen Handelsfragen gewesen, sagte Börner weiter. „Hier dürfen wir uns in Europa nicht auseinander dividieren lassen.“ Insgesamt hielt er den Auftakt für gut. Für Merkel sei das schließlich keine leichte Mission gewesen, „an deren Ende immerhin doch ein Bekenntnis zum freien Handel stand“. Zugleich sei aber auch deutlich geworden, „dass die Meinungsunterschiede nicht aus der Welt sind und noch viele langwierige und schwierige Gespräche vor uns liegen“.

          Dieser intensive, offene erste Austausch habe auch schon gezeigt, „welchen großen Mehrwert die gegenseitigen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen für die Vereinigten Staaten und die amerikanischen Arbeitsplätze bedeuten“. Das gelte schon für heute, „aber noch viel mehr auch für die Chancen von morgen, so etwa mit Blick auf das, was deutsche Unternehmen zur Qualifizierung ihrer amerikanischen Arbeiter leisten“. Wir sollten die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen intensivieren und nicht sabotieren, sagte Börner auch mit Blick auf den Widerstand in Deutschland und Europa gegen das Freihandelsabkommen TTIP.

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