Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni weiter verschlechtert. Wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag mitteilte, sank der Geschäftsklimaindex von 106,9 Punkten auf 105,3 Punkte. Die deutsche Wirtschaft fürchte, dass die Eurokrise die Geschäfte zunehmend beeinträchtigt, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Damit sank das Geschäftsvertrauen im Juni auf den tiefsten Stand seit März 2010.
„Die Euro-Krise schlägt jetzt voll durch. Sie steht quasi vor der Haustür“, bestätigte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Er erwartet, dass sich die wirtschaftliche Dynamik weiter abschwächt. Die Wirtschaftsleistung werde im zweiten und dritten Quartal nahezu nicht mehr steigen.
Die meisten Antworten vor der Wahl in Griechenland erhoben
Der Ifo-Index ist der meistbeachtete Frühindikator für die deutsche Wirtschaft. Die für die Studie befragten 7000 Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Lage zwar etwas besser. Die Aussichten für das kommende halbe Jahr gingen hingegen merklich zurück. Dies war auch erwartet worden, denn die meisten Frühindikatoren hatten sich in den vergangenen Wochen ebenfalls deutlich eingetrübt.
Allerdings wurden 70 Prozent der Antworten vor der Wahl in Griechenland erhoben, bei der es indirekt auch um einen Austritt des Landes aus der Eurozone ging - mit nahezu unkalkulierbaren Folgen für die Wirtschaft in Europa. „Da war die Unsicherheit besonders groß“, gestand der Ifo-Experte ein.
Wunschdenken und Wirklichkeit
Wolfgang Ebel (einsteinalbert)
- 22.06.2012, 12:16 Uhr
