http://www.faz.net/-gqe-748yv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 09.11.2012, 14:19 Uhr

Trotz Atomausstiegs Stromexport auf Rekordhoch

Deutschlands Stromwirtschaft steuert dieses Jahr trotz des Atomausstiegs auf einen kräftigen Exportüberschuss zu. Von Januar bis August hat Deutschland schon 12,4 Milliarden Kilowattstunden exportiert.

© dpa Die gesunkenen Preise an der Strombörse beflügeln die Nachfrage aus dem Ausland.

Die Ökostrom-Produktion und die dadurch gedrückten Preise an den Energie-Börsen haben den deutschen Stromexport auf ein Rekord-Hoch getrieben. Gut eineinhalb Jahre nach der Abschaltung der älteren Atommeiler schnellte der Netto-Export in diesem Jahr bis einschließlich August mit 12,4 Milliarden Kilowattstunden auf ein neues Hoch. Nach vorläufigen Zahlen erhöht sich mit dem Monat September der Wert sogar auf 14,7 Terawattstunden. Das teilte der Bundesverband der deutschen Energiewirtschaft – kurz: BDEW -  am Freitag in Berlin mit. Im Vorjahr hatte Deutschland im Sommer anders als jetzt Strom importiert.

In dem Wert ist zwar auch der rein physische Stromfluss enthalten, etwa bei starker Windkraft-Produktion über die Grenzen. Dieser wird nicht bezahlt. Aber die gesunkenen Preise an der Strombörse beflügelt nach Angaben eines BDEW-Sprechers auch die Nachfrage etwa aus den Niederlanden. Dort gingen dafür dann beispielsweise Gaskraftwerke vom Netz.

Infografik / Deutschland exportiert Strom Seit Oktober 2011 hat Deutschland ausschließlich mehr Strom exportiert als importiert © F.A.Z. Bilderstrecke 

Der VIK, der Verband der großen Stromabnehmer aus der Industrie, wollte die Exportzahlen nicht als Erfolg der Energiewende werten. Häufig produzierten Wind- und Solaranlagen, wenn keine Nachfrage vorhanden sei. Zudem drücke der Ökostrom Gaskraftwerke aus dem Markt, die aber etwa zu windschwachen Zeiten als Ausgleich für den Ökostrom gebraucht würden. Wichtig sei daher der Ausbau der Netze und Speicher in Deutschland, sagte VIK-Hauptgeschäftsführerin Annette Loske. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte erst am Donnerstag erneut auf den Kostenanstieg durch die Energiewende hingewiesen.

Die Preise an den Strombörsen sind wegen der stark gestiegenen Erzeugung aus Wind- oder Solarkraftwerken in den letzten Jahren allerdings deutlich gesunken. Je nach Stromliefervertrag sprechen Experten von den niedrigsten Tarifen der letzten drei bis sieben Jahre.

Mehr zum Thema

Da auf diese Großhandelstarife aber noch Steuern und Abgaben kommen, die den größten Teil des Preises ausmachen, macht sich dies bei den Haushalten kaum bemerkbar. So war in den vergangenen Jahren die Ökostrom-Umlage deutlich gestiegen.

Die Industrie aber ist zu großen Teilen von der Ökostrom-Umlage und der Ökosteuer befreit. Besonders zur Mittagszeit, wenn die Preise an den Börsen wegen der starken Nachfrage besonders hoch sind, macht sich der Ökostrom für Kunden positiv bemerkbar. Gerade dann produzieren zwischen Frühjahr und Herbst die Solaranlagen besonders viel Energie.

Quelle: Reuters/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Investoren verwirrt Rätselhafte Energiepolitik

Wie viel Geld muss ein Betrieb für Strom zahlen? Auf diese Frage brauchen Betriebe auf Standortsuche eine Antwort. In Wiesbaden ist sie kaum zu finden. Mehr Von Thorsten Winter, Wiesbaden

17.05.2016, 18:40 Uhr | Rhein-Main
Einordnung Wie steht es um den Lebensmittelmarkt in Europa?

Die Bauern haben doch immer was zu jammern, sagt man. Diesmal aber stimmt es, schaut man sich an was Landwirte für Milch und Fleisch bekommen. Die Preise hier sinken seit Jahren dramatisch. Die Folgen sind schon sichtbar: Von 2005 bis 2015 musste jeder dritte Landwirt dicht machen. Der Lebensmittelmarkt – ein schwieriger Markt, viele Faktoren spielen eine Rolle – EU-Sanktionen gegen Russland, geringere Nachfrage in China, globale Spekulationen oder Dürren und Hochwasser. Eine Einordnung. Mehr

10.05.2016, 02:00 Uhr | Wirtschaft
Erneuerbare Energie Bund will Ausbau von Windanlagen reduzieren

In einigen Bundesländern soll das Ausbau-Tempo von Windkraft-Anlagen gedrosselt werden. Damit sollen hohe Zusatzkosten wegen fehlender Leitungen verhindert werden. Die würden zulasten der Verbraucher gehen. Mehr Von Andreas Mihm, Berlin

25.05.2016, 06:57 Uhr | Wirtschaft
Chancenungleichheit Wer unten ist, bleibt unten?

Jeder kann alles werden, wenn er will. In einem hochindustrialisierten Land wie Deutschland sollte das so sein. Doch auch wenn das Bildungsniveau im internationalen Vergleich insgesamt hoch ist, schneidet Deutschland laut OECD beim Thema Chancengleichheit schlecht ab. Für Schüler aus sozial schwachen Familien bleibt der soziale Aufstieg oft ein ferner Traum. Mehr

11.05.2016, 11:09 Uhr | Wirtschaft
Landwirtschaft Mindestens 100 Millionen Euro Soforthilfe für Milchbauern

Der Preis ist im Keller. Schnelle Unterstützung hatte Landwirtschaftsminister Schmidt den Notleidenden angekündigt. Auf dem Milchgipfel gibt es nun einen ersten Beschluss. Mehr

30.05.2016, 14:45 Uhr | Wirtschaft

Not-Millionen für die Milchbauern

Von Jan Grossarth

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt verspricht den Milchbauern hundert Millionen Euro „plus x“, weil die unter dem niedrigen Milchpreis leiden. Das wird den Bauern aber nicht viel helfen. Mehr 4 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Lebenserwartung Pirmasens, abgehängt

Arme Menschen haben wenig Geld und sterben früher. Pirmasens hält den traurigen Rekord. Ein Ortsbesuch. Mehr Von Corinna Budras und Sharon Exeler 3 22

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden