http://www.faz.net/-gqe-73utw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.10.2012, 07:20 Uhr

Trendwende beim Einkommen Arm und Reich nähern sich wieder an

Die Lohnschere schließt sich seit 2005 langsam wieder: Die Haushaltseinkommen der Deutschen sind wieder gleicher verteilt. Der Grund ist einleuchtend.

von
© ddp In Ostdeutschland, wie hier in Dresden, erhöht sich der Anteil der Bevölkerung, der laut statistischer Definition von einem Armutsrisiko betroffen ist, weiter

Die Lohneinkommen der Deutschen sind wieder gleicher verteilt als noch vor wenigen Jahren. Zuvor hatte sich die „Lohnschere“ viele Jahre geöffnet. Das geht aus einer Studie hervor, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) an diesem Donnerstag in Berlin veröffentlicht hat.

Jan Grossarth Folgen:

Den „Höhepunkt“ erreichte die politisch oft kritisierte Ungleichverteilung der Löhne demnach 2005. Seitdem kehre sich der Trend langsam wieder um, geht aus der Studie hervor. Sie basiert auf Daten des „sozioökonomischen Panels“ (Soep), einer der größten jährlichen Befragungen von Haushalten auf der Welt. Darin geben mehr als 1000 deutsche Haushalte, repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ausgewählt, auch ihr jährliches Einkommen an.

Der Trend gilt für West- und Ostdeutschland

Während die realen Haushaltseinkommen von 2005 bis 2010 deutlich stiegen, habe auch „die Ungleichheit in der Verteilung der Einkommen sowohl in Westdeutschland als auch in Ostdeutschland abgenommen“, heißt es in der Studie. Nun hat sie, gemessen mit dem statistischen Maß des „Gini-Koeffizienten“, wieder den Stand des Jahres 2000 erreicht.

In den vergangenen Auswertungen hatte das DIW - zuletzt 2007 - von zunehmender Ungleichheit berichtet. Auch andere Organisationen hatten diesen Trend gesehen. Seit Beginn der 1990er Jahre war dieser Trend zu beobachten; damals waren die Einkommen noch viel gleichmäßiger verteilt. Als ein Grund für die Umkehr gilt die zuletzt hohe Beschäftigung und steigende Erwerbsbeteiligung in Deutschland.

Für einzelne Gruppen nimmt die Ungleichheit weiter zu

Die realen Markteinkommen in Westdeutschland stiegen laut DIW von 2005 bis 2010 um 4 Prozent. Die Statistiker verwendeten die Maßzahl des bedarfsgewichteten Markteinkommens. Diese enthält Kapital- und Lohneinkommen, private Transferzahlungen und Renten. Internationaler Literatur folgend, habe man auch fiktive Einkommen aus selbst genutztem Wohneigentum zugerechnet.

Für einzelne Gruppen nimmt die Ungleichheit indes weiter zu. Das gilt zum Beispiel für die geringverdienenden Ostdeutschen. Außerdem erhöhte sich, entgegen dem übergeordneteten Trend, der Anteil der Bevölkerung, der laut statistischer Definition von einem Armutsrisiko betroffen ist, in Ostdeutschland weiter. In Westdeutschland ging diese Quote zuletzt dagegen wieder leicht zurück. In den vergangenen Jahren war die gesellschaftliche und politische Debatte von Hinweisen auf die wachsende Ungleichverteilung der Einkommen geprägt.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Soziale Ungleichheit In der Abstiegsgesellschaft

Aus der Gesellschaft des sozialen Aufstiegs ist eine Gesellschaft des Abstiegs, der Prekarität und Polarisierung geworden. Wie konnte das passieren? Mehr Von Oliver Nachtwey

15.06.2016, 21:22 Uhr | Wirtschaft
Mauer der Schande Hier teilen Arm und Reich einen Berg

Die Armut in Peru ist geschrumpft – Ungleichheit bleibt trotzdem die größte Herausforderung. In Lima trennt eine Mauer eines der reichsten Viertel der peruanischen Metropole von einem der ärmsten Stadtteile. Aber beide Seiten brauchen einander. Mehr

11.06.2016, 02:00 Uhr | Wirtschaft
World Wealth Report So viele Millionäre leben in Deutschland

Weltweit hat das Vermögen der Millionäre im vorigen Jahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar zugelegt. Deutschland ist dabei unter den vier Ländern mit den meisten Millionären – und hatte überdurchschnittliche Zuwächse. Mehr Von Christian Siedenbiedel

23.06.2016, 08:37 Uhr | Wirtschaft
Kükenspende Bill Gates will mit Hühnern die Armut bekämpfen

Der Microsoft-Gründer Bill Gates will 100.000 Küken in westafrikanischen Ländern verteilen und damit gegen weltweite Armut ankämpfen. Ein Vorteil in den Augen Gates: Diese Hühner vervielfachen sich permanent. Es gibt kein Investment, wie die Zucht von Hühnern, dass diesen Rendite hat. Mehr

09.06.2016, 14:46 Uhr | Wirtschaft
Wirtschaftswachstum Da geht nichts voran

Europa, Amerika, Japan – überall wächst die Wirtschaft langsamer als früher. Liegt es an den vielen alten Menschen? Mehr Von Lisa Nienhaus

15.06.2016, 19:19 Uhr | Wirtschaft

Junckers Verzweiflungstat

Von Werner Mussler

Jean-Claude Juncker hat, mit Verlaub, den Schuss nicht gehört. Es ist Zeit, dass er sich verabschiedet. Mehr 52 716

„World Wealth Report“ So viele Millionäre leben in Deutschland

Weltweit hat das Vermögen der Millionäre im vorigen Jahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar zugelegt. Deutschland ist dabei unter den vier Ländern mit den meisten Millionären – und hatte überdurchschnittliche Zuwächse. Mehr Von Christian Siedenbiedel 80 54

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden