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Trend zur Zweitstelle : Hauptberuf plus Minijob = Steuervorteil

  • Aktualisiert am

Am Arbeitsplatz: Darf’s noch ein Job mehr sein? Bild: dpa

Mehr als drei Millionen Arbeitnehmer haben zwei oder mehr Stellen. Weil sie sonst nicht über die Runden kommen? Nein!

          Immer mehr Beschäftigte in Deutschland üben mehrere berufliche Tätigkeiten aus; mehr als drei Millionen Menschen haben zwei oder mehr Jobs gleichzeitig. In den vergangenen zehn Jahre nahm die Zahl der Mehrfachbeschäftigten fast kontinuierlich zu: Insgesamt um rund eine Million auf 3,2 Millionen im vergangenen März. Das geht aus einer Erhebung der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, aus der Nachrichtenagentur dpa zitiert.

          Auch im Vorjahresvergleich nahm die Zahl zu. Im März 2016 waren knapp 3,1 Millionen Arbeitnehmer betroffen. Bis Jahresende nahm die Zahl zu, um seither wieder leicht abzusinken.

          Hauptberuf plus Minijob

          Die meisten Menschen, die zwei Stellen haben, kombinieren eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit mindestens einem Minijob. Mit 2,7 Millionen Betroffenen ist das die häufigste Konstellation.

          Holger Schäfer, Wirtschaftswissenschaftler am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln, sieht die Zahl der Mehrfachbeschäftigten daher vor allem als Auswirkung der guten Situation am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit ist zuletzt auf ein neues Rekordtief gesunken; auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat in jüngster Zeit immer weiter zugenommen. In den vergangenen Jahren stieg sie fast kontinuierlich von 26,8 auf knapp 32 Millionen.

          „Einen Minijob neben einer sozialversicherungspflichtigen Stelle zu haben, ist steuerlich höchst interessant“, sagt Schäfer. „Für viele, die sich zu ihrem Hauptberuf etwas hinzuverdienen möchten, ist das attraktiver als Überstunden zu machen.“ Weil der Arbeitsmarkt brummt, gebe es derzeit mehr Gelegenheiten für eine solche Kombination als früher.

          Die Linken im Bundestag hatten die Zahlen zur Mehrfachbeschäftigung bei der Arbeitsagentur ursprünglich angefragt und sie als Beleg dafür gedeutet, dass eine einzige Stelle für viele nicht mehr ausreiche, um finanziell über die Runden zu kommen. „Dagegen spricht aber auch die regionale Verteilung“, sagt Holger Schäfer. „Ein hoher Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die nebenher noch einen Minijob haben, findet sich in Baden-Württemberg, nicht etwa in Ostdeutschland.“ Also an Orten mit insgesamt hoher Beschäftigung, nicht etwa dort, wo der Arbeitsmarkt tendenziell schwächelt. In Baden-Württemberg lag die Zahl der geringfügig entlohnten Nebenerwerbstätigen bei mehr als zehn Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern hingegen nur bei 4,1 Prozent.

          Zudem hat Schäfer anhand von Daten des sozio-ökonomischen Panels berechnet, dass Vollzeitbeschäftigte mit Nebenjob sogar ein höheres Bruttoeinkommen und einen höheren Stundenlohn haben, als Vollzeitbeschäftigte ohne Nebenjob. „Ihre Armutsgefährdungsquote ist unterdurchschnittlich“, sagt der Wissenschaftler.

          Der Anteil der Mehrfachbeschäftigten mit zwei sozialversicherungspflichtigen Jobs oder zwei und mehr Minijobs war vergleichsweise klein, wie aus den Zahlen der Arbeitsagentur weiter hervorgeht: Etwas mehr als 310.000 Menschen hatten zwei oder mehr sozialversicherungspflichtige Stellen; etwas mehr als 260.000 hatten zwei oder mehr Minijobs.

          Quelle: nab./dpa

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