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Transition Towns : Schrumpfen von unten

Bild: Fabian Fiechter

Lange wurde über die Grenzen des Wachstums diskutiert. Die Transition-Bewegung will dem Wachstum mit eigenen Ideen Grenzen setzen. Jeder auf seine Art, jeder im Kleinen. Ohne Genügsamkeit geht das nicht. Aber auch nicht ohne Spaß.

          Michael Schem sieht nicht nach Verzicht aus. Der Körperumfang eines Genießers, das zufriedene Grinsen eines radfahrenden Frischluftliebhabers, Kresse und Körner sucht man auf dem Abendbrottisch vergeblich. Stattdessen Käse, Gurkensalat, Brot, Schinken und Wurst. „Ich kann nicht ohne Fleisch leben“, sagt sein siebenjähriger Sohn Alexander voller Überzeugung. In der vierköpfigen Familie lebt nur Miriam vegetarisch. Schems zehnjährige Tochter hat sich von Eltern einer Freundin überzeugen lassen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sieht so die Wohnung eines Erzökologen aus? Der gerade darüber erzählt hat, dass es so nicht weitergehen wird mit der Welt? Dass der Ressourcenverbrauch der Menschen längst nicht mehr mit der Tragfähigkeit der Erde zusammenpasse? Dass man sich schon jetzt Techniken aneignen müsse, die man für eine Zeit brauche, in der das Öl nicht mehr fließe? „Bekannte von uns finden uns inkonsequent“, sagt Schem mit einer Wurststulle in der Hand. „Aber warum wird eigentlich immer von uns verlangt, konsequent zu sein? Hauptsache wir machen erstmal den Anfang.“

          Michael Schem und seine Familie sehen sich als Teil der weltweiten Transition-Bewegung. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, lokale Räume krisenfest zu machen. „Resilienz“ ist ihr Schlagwort. Und dabei meint Krise alles, was ihrer Meinung nach nicht im Einklang mit nachhaltigen Lebensformen steht: eine Krise der Energieversorgung, der Geldwirtschaft, einer Ernährungsform, die auf globale Warenströme angewiesen ist, statt sich aus der Nähe zu bedienen.

          Ein loses Netzwerk mit Tausenden von Gruppen

          In mehr als 40 Ländern haben sich Transition-Initiativen gegründet, von den brasilianischen Favelas über energieautarke Orte in Japan bis zum Schweizer Bergdorf. 3000 bis 4000 Gruppen soll es geben, so genau weiß das keiner, denn es handelt sich um ein loses Netzwerk mit einem Hauptbüro im südenglischen Totnes und viel Eigenantrieb vor Ort. Im deutschsprachigen Raum haben sich mehr als 100 Gruppen zusammengeschlossen.

          Die Bielefelder Gruppe, in der sich Michael Schem und seine Frau Edith Wichmann engagieren, ist eine der aktivsten in Deutschland. Es gibt hier eine Energiegruppe, die mit Hilfe einer Photovoltaikanlage Hühnern den Stall erwärmt, woraufhin diese vier Monate länger, in den Winter hinein, Eier legen. In Repair-Cafés nehmen Schems Freunde kaputte Gegenstände an, reparieren sie oder widmen das Material um. Eine Kochgruppe trifft sich regelmäßig, um alte Rezepte mit saisonalen Zutaten einzustudieren. In zwei Gärten üben Aktivisten das Prinzip der Permakultur: ein Verfahren, wie man Nahrung gewinnen kann mit Hilfe der Eigenwärme des Baumschnitts und Kompostierung.

          Schem steigt von seinem Fahrrad ab, das vor drei Jahren sein Auto ersetzt hat. Der Nieselregen macht dem hochgewachsenen Ostwestfalen wenig aus. Er öffnet die Gartenpforte. Wie in einem unaufgeräumten Schrebergarten sieht die Permakultur aus. Gleich links hinter dem Eingang hält ein ausrangierter Sonnenschirm einen Bohnenstrauch. Permakultur macht sich Gegenstände zunutze, die man vorfindet, und gibt ihnen eine neue Funktion. Das sieht vielleicht provisorisch aus, ist aber eine Philosophie. Ein Schild mit der Aufschrift „Pipitipi“ weist auf das stille Örtchen des Gartens. An einem umgestürzten Apfelbaum vorbei (der aber weiter Früchte trägt) geht es zu einem Lehmofen. „Den haben wir mit alten Materialien an drei Wochenenden mit Leuten aus mehreren Kontinenten gebaut“, sagt Schem.

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