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Tourismusmesse ITB Die Lust auf Reisen wächst

10.03.2010 ·  Nach den Buchungsrückgängen im vergangenen Jahr wittern die Touristikanbieter auf der Branchenmesse ITB in Berlin Neugeschäft. Partnerland ist die Türkei - inzwischen das zweitbeliebteste Reiseziel der Deutschen.

Von Ulrich Friese
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Die Folgen der Wirtschaftskrise können die Stimmung auf der diesjährigen Tourismusbörse in Berlin kaum trüben. Schließlich einigten sich namhafte Auguren der Branche auf die gemeinsame Prognose, dass Deutschland seinen langjährigen Status als Reise-Weltmeister auch in diesem Jahr erfolgreich verteidigen wird.

„Rund 42 Prozent der Deutschen sitzen gedanklich bereits auf gepackten Koffern und planen für 2010 fest, wenigstens eine Reise zu unternehmen“, lautet der Tenor einer aktuellen Analyse, die die Hamburger BAT Stiftung für Zukunftsfragen rechtzeitig zum Start der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) präsentierte. Jeder neunte Bundesbürger plane zudem mit zwei oder mehreren Kurztripps in diesem Jahr. Im Gegensatz dazu sei mehr als ein Drittel der Befragten noch unentschlossen in Reiseziel oder Urlaubsplanung, heißt es in der Umfrage weiter, an der 4000 Personen teilnahmen. Trotz starker Reiselust verstärkt sich unter deutschen Verbrauchern die Abkehr von Fernreisen. Stattdessen gewinnen Ferienziele im Inland sowie ausgewählte Urlaubsregionen in Europa zunehmend an Bedeutung.

Auf die unverändert gute Geschäftslage der Tourismusindustrie führen die Veranstalter der ITB die starke Präsenz von Reiseveranstaltern, Hotelbetreibern sowie Fluggesellschaften aus Asien und der Golfregion zurück. Von diesem Mittwoch bis Freitag präsentieren sich 11.127 Aussteller aus 187 Ländern zunächst einem Fachpublikum. Am kommendem Wochenende ist die ITB, die sich auf einer Ausstellungsfläche von 160 000 Quadratmetern in 26 Hallen erstreckt, dann auch für Privatbesucher geöffnet.

Offizielles Partnerland für die ITB ist in diesem Jahr die Türkei, die in der Gunst deutscher Touristen deutlich zulegen konnte und inzwischen hierzulande - hinter dem langjährigen Spitzenreiter Spanien - zum zweitwichtigsten Reiseziel in Europa avancierte. Bislang rangierte das Nachbarland Italien auf dieser Position. Destinationen in Asien haben indessen ihre Beliebtheit bei deutschen Urlaubern verloren. Als Gründe führen Reiseveranstalter eine krisenbedingte Risikoscheu vor Fernreisen sowie Ängste vor Epidemien oder Naturkatastrophen an.

Antalya und Mallorca

Die aktuelle Rangordnung der ausländischen Reiseziele wird durch die Aussagen von Alltours bestätigt: „Wir registrieren bei den Buchungen für die türkische Freizeit-Metropole Antalya zweistellige Zuwachsraten“, sagt Ronny De Clercq, Direktor des Duisburger Reiseveranstalters. In jüngster Zeit registrieren die Alltours-Manager allerdings auch steigende Buchungsraten für Spanien, nachdem Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft und die Angst vor Terroranschlägen in Mallorca die Reiselust der Deutschen zeitweise dämpften. Von den rund 60 Milliarden Euro der deutschen Reiseausgaben im Jahr dürften im vergangenen Jahr rund 11 Prozent in Ferien auf der Iberischen Halbinsel geflossen sein, schätzen Kenner der Branche.

Alltours rechnet bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres mit einem Wachstum seiner Gästezahlen von mindestens 5 Prozent. Auch nationale Konkurrenten wie FTI oder die deutschen Tochtergesellschaften der europäischen Touristikanbieter Tui Travel und Thomas Cook stellen jeweils einstellige Zuwachsraten in Aussicht. Dabei kann der Münchner Veranstalter den gängigen Verbrauchertrend in Deutschland, wonach sich die Zeitspannne zwischen Buchung und Reiseantritt zunehmend verkürzt, nicht bestätigen: „Unsere Gäste planen wieder etwas langfristiger, und wir locken sie mit hohen Frühbucher-Rabatten“, sagt FTI-Geschäftsführer Boris Raoul.

Vorlieben und Verunsicherung

Vom wachsenden Kostenbewusstsein deutscher Touristen ist auch die Touristiksparte des Handelskonzerns Rewe kaum betroffen, da sie sich als Anbieter hochwertiger Spezialreisen vom hart umkämpften Massensegment der Pauschalreisen erfolgreich absetzt. „Unser Buchungsstand liegt leicht über den Werten des Vorjahres, dabei legen die Kunden wieder viel Wert auf Qualität“, sagt denn auch Michael Freese, der für Rewe Touristik das Geschäft mit den Veranstalter-Marken Dertour, Meier's Weltreisen oder ADAC Reisen steuert.

Die generelle Zurückhaltung gegenüber Fernreisen sowie die Rückbesinnung auf Ferienziele im Inland begründen die Forscher der BAT Stiftung dabei mit den wachsenden Zukunftsängsten der Verbraucher, die wiederum aus der unsicheren Wirtschaftslage resultieren. „Wenn es Unternehmen schlechtgeht und Jobverlust droht, können Arbeitnehmer nicht beruhigt in Urlaub fahren“, umschreibt Tourismusexperte Ulrich Reinhardt die allgemeine Stimmungslage. Trotz der Verunsicherung plante jeder zweite Bundesbürger im vergangenen Jahr einen Urlaub von fünf Tagen oder länger. Die Reiseintensität erreichte damit das Niveau von 2008.

Je nach Gehaltshöhe und Vermögenslage entwickeln sich dabei die Vorlieben für Reiseziele und Urlaubsdauer. Rund 75 Prozent der deutschen Privat-Haushalte, die über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 3500 Euro verfügen, erscheint ein erholsamer Urlaub pro Jahr unverzichtbar. Für Verbraucher, die nur mit 1000 Euro oder weniger im Monat kalkulieren müssen, bleibt ein solches Vergnügen unerschwinglich.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft.

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