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Risikoabsicherung

Tourismus In Wien wächst eine Luxushotel-Blase

Immer mehr Luxushotels werden an der Donau gebaut. In den Krisenjahren hat die Bettenauslastung abgenommen. So drücken Überkapazitäten die Preise, die Touristen profitieren.

© AFP Vergrößern Eines von vielen: Sofitel Hotel mit Blick über Wien, mit einer durch den Architekten Jean Nouvelz bunt bepinselten Decke

Nobelherbergen stehen in der Donaumetropole hoch im Kurs unter Investoren. Viele historische Bauwerke an der Ringstraße oder anderen Stellen der Innenstadt erwachen in diesen Monaten zu neuem Leben. Derzeit bereitet das Fünf-Sterne-Hotel Sans Souci seine offizielle Eröffnung Ende Januar vor. Die mehr als 60 Zimmer und Suiten wurden mit Designermöbeln und Kunstwerken ausgestattet, so schmücken etwa echte Werke von Roy Liechtenstein die Wände.

Michaela Seiser Folgen:  

Die Hoteldirektorin Andrea Fuchs ist zufrieden damit, wie das Geschäft angelaufen ist. Zum Jahreswechsel seien alle schon fertiggestellten Zimmer gebucht gewesen. Das Hotel, das der Sans Souci Group gehört, wurde von Designer Philippe Starck gestaltet. Die Zimmer sind in hellen Farben gehalten, Braun-, Grau- und Cremetöne dominieren. Die Übernachtung kostet mindestens 260 Euro, für die Master Suite werden - abhängig von der Saison - bis zu 1900 Euro verlangt. Sowohl in den Zimmern als auch in den öffentlichen Räumlichkeiten finden sich neben Antiquitäten moderne Möbel wie von Charles Eames oder die bekannten Egg Chairs von Arne Jacobsen.

Vom Gasthaus zum Luxushotel

Das Hotel befindet sich in einem 1872 erbauten Gebäude hinter dem Volkstheater. Zunächst war hier das legendäre Gasthaus „Zum großen Zeisig“ untergebracht, in dem der Walzerkönig Johann Strauß 1858 seine Tritsch-Tratsch-Polka uraufführte. Als Hotel war das Haus von 1873 an fast durchgehend bis 1953 in Betrieb, mit einer kurzen Unterbrechung durch die amerikanische Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg. In den 1950er Jahren löste eine Silvesterrakete einen Brand im Gebäude aus. Danach wurde es in einen Bürokomplex umfunktioniert, der bis 2004 eine Krankenkasse beherbergte. Dann stand der Bau leer. 2010 erwarb der österreichische Immobilienspezialist Sans Souci Group ihn für 14,8 Millionen Euro und begann noch im selben Jahr mit der Renovierung. Insgesamt wurden 33 Millionen Euro in die Sanierung, den Umbau, den Dachausbau sowie in eine Tiefgarage investiert.

Das Sans Souci ist nur eines in einer Reihe von Luxusunterkünften, die Wien-Besucher locken wollen. Vor wenigen Monaten eröffnete The Ritz-Carlton Vienna am Schubertring. Im Frühjahr ist die Eröffnung eines Kempinski-Hotels am Schottenring geplant, und in der Nähe des Museums Albertina entsteht bis Herbst ein weiteres Hochpreishotel. Seit zwei Jahren bietet das von dem französischen Stararchitekten konzipierte Sofitel Vienna Stephansdom seine Dienste an. Mit dem 75 Meter hohen Bau an der Peripherie des Stadtzentrums hat Pritzker-Preisträger Jean Nouvel einen der beeindruckendsten repräsentativen Bauten in der Bundeshauptstadt der vergangenen Jahre geschaffen. Dessen bisherige Auslastung war zufriedenstellend, sagt ein Sprecher, ohne Details zu nennen.

Infografik / Hotels in Wien und europäische Metropolen © F.A.Z. Vergrößern

Aber auch in anderen Segmenten werden Kapazitäten geschaffen: Mehr als zwei Dutzend Hotels seien kurzfristig in Planung, sagt Michaela Reitterer, Landesvorsitzende der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Dass Investoren so auf Wien schielen, hängt aus ihrer Sicht damit zusammen, dass Hotels nicht mehr in erster Linie als Tourismusdienstleister gesehen werden, sondern als Immobilien. Wo kann ich mein Geld sicher anlegen, laute die Frage. Da punkte Österreich als krisenfester Markt mit stabilen Rahmenbedingungen. Auch die gegenwärtig geringe Zinsbelastung ist ein Grund für starke Investitionen der Branche, argumentiert der Geschäftsführer der Österreichischen Tourismusbank, Franz Hartl. In den zurückliegenden Jahren habe Österreichs Tourismus- und Freizeitwirtschaft deswegen und wegen der guten Branchenkonjunktur ein Investitionstempo an den Tag gelegt, das deutlich über dem der Gesamtwirtschaft lag.

Geringere Zimmerauslastung sorgt für billige Zimmer

Doch für die Betreiber ist das steigende Angebot an Betten kein gutes Zeichen. Der Schweinezyklus führt zu einem erhöhten Preisdruck. Die Zimmerauslastung ist nach Einschätzung Reitterers in den Krisenjahren deutlich geschrumpft. Dadurch sind Wiener Unterkünfte im europäischen Vergleich oft zu Schnäppchenpreisen zu haben, wovon Globetrotter profitieren. So liegt der durchschnittliche Zimmerpreis in Wien derzeit bei 124 Euro, während man in Paris 162 Euro und in London 168 für ein Hotelzimmer zahlt. Zwar gab es starke Zuwächse der Übernachtungszahlen - auch dank des florierenden Kongresstourismus, in dem Wien eine Spitzenstellung hat. Doch noch stärker wuchs das Angebot. Die Zimmerauslastung über alle Segmente hat 2007 mit 65 Prozent ihren Höhepunkt erreicht, sei aber 2011 auf 63 Prozent eingeknickt, beklagt Reitterer. Dabei ist sie im Drei- bis Fünf-Sterne-Segment deutlich höher.

Derzeit verfügt die Bundeshauptstadt über rund 58000 Betten in 420 Betrieben. Mehr als die Hälfte davon sind in der Vier- und Fünf-Stern-Kategorie. Seit 2005 hat sich das Bettenangebot um mehr als ein Drittel erhöht, der Übernachtungsumsatz je Zimmer legte seither jedoch nicht einmal um drei Prozent zu. Für Touristen verheißt die Lage wohl noch länger sorgenfreie Übernachtungen in mehr und weniger günstigen Unterkünften. Ob sich für alle jetzt auf den Markt drängenden Anbieter ihr Engagement rentiert, darf bezweifelt werden.

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Quelle: F.A.Z.

 
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