Gute Aussichten für das Hotel- und Tourismusgewerbe: Chinesen, Inder und Brasilianer entdecken die Bundesrepublik als Urlaubsland. Nach Prognosen der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), die im Ausland für Reisen nach Deutschland wirbt, wird hierzulande die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste bis 2020 auf mehr als 80 Millionen steigen. Das ist ein gutes Drittel mehr als der Rekordwert des Jahres 2010, als bundesweit 60,3 Millionen Übernachtungen von Geschäftsreisenden und Urlaubern aus aller Welt gezählt wurden. Für einen wesentlichen Schub werden Fernreisende mit dem Ziel Deutschland sorgen. „Das Aufkommen aus Asien wird sich verdoppeln“, sagt die DZT-Vorstandsvorsitzende Petra Hedorfer.
Für Besucher aus China prognostiziert die DZT jährliche Zuwächse von knapp 10 Prozent. Die Niederländer, die aktuell mit fast 10 Millionen Übernachtungen im Jahr die größte Gruppe unter den ausländischen Gästen stellen, werden sie zwar nicht vom Spitzenplatz verdrängen. Allerdings dürften die Chinesen 2020 mit voraussichtlich 2,2 Millionen Übernachtungen zu den Besuchern aus Dänemark aufgeschlossen haben. Auch Russland und Indien werden laut DZT-Prognose in den Kreis der zehn stärksten Herkunftsländer aufsteigen. Die noch kleine Zahl der Übernachtungen indischer Gäste werde sich von zuletzt 500.000 auf 1,4 Millionen nahezu verdreifachen.
„In den Schwellenländern steigt mit wachsendem Wohlstand auch die Reiselust der Bürger, wovon nicht nur Reiseveranstalter und Hotelbetreiber stark profitieren dürften“, erklärt Hedorfer. Vor allem aus China reise eine kaufkräftige Klientel an. „Wir wissen, dass chinesische Gäste viermal so viel am Tag ausgeben wie andere Gruppen.“ Hedorfers Aufgabe, im Ausland für Urlaub in Deutschland zu werben, ist derzeit offenbar ein erfreulicher Job, denn die Bundesrepublik hat sich von einem Abwärtstrend in Europa abgekoppelt. Der Kontinent verliert im globalen Wettbewerb der Reiseziele stetig Marktanteile. Nach Angaben der Welttourismusorganisation UNWTO dürften schon bald weniger als die Hälfte aller Auslandsreisen, die auf der Welt angetreten werden, zu einem europäischen Ort führen; 2010 waren es noch 50,1 Prozent.
Deutschland sammelt hingegen Sympathiepunkte. Seit 2004 entwickelt sich das Geschäft besser als im Rest Europas. Legte die Bundesrepublik 2010 bei der Zahl der Übernachtungen um 11,8 Prozent zu, registrierte der Rest des Kontinents auf einem insgesamt wachsenden Markt lediglich ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Einst in der Beliebtheitsskala oben stehende Reiseziele wie Italien büßen Marktanteile ein.
Beliebtheitsschub durch Fußball-WM
Nicht nur Fernreisende aus Asien oder Lateinamerika zieht es häufiger nach Deutschland als früher. Auch aus dem Rest Europas fahren Urlauber häufiger in die Bundesrepublik. „Für Besucher aus unseren Nachbarländern ist Deutschland das zweitbeliebteste Reiseziel - hinter Spanien, aber vor Frankreich, Italien und Österreich“, zitiert Hedorfer aktuelle Studien. Sie geht davon aus, dass von den 20 Millionen zusätzlichen Übernachtungen im Jahr 2020 mehr als zwei Drittel auf Gäste aus anderen europäischen Ländern entfallen; unter ihnen Schweizer, die Urlaub von den Bergen machen, Österreicher, die sich an Nord- und Ostsee statt am Mittelmeer abkühlen, sowie Tausende Besucher, die es zum Bestaunen der Sehenswürdigkeiten in die Großstädte zieht.
Den mit Abstand größten Beliebtheitsschub erzielte die Bundesrepublik im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. „Unser Land katapultierte sich durch diese Veranstaltung in einem Schritt von Platz 19 auf Platz 9 in der Rangfolge der beliebtesten Tourismus-Nationen“, berichtet Hedorfer. Bis dahin konnte sich Europas führende Exportnation lediglich darauf stützen, ein wichtiges Ziel für internationale Messe- und Kongress-Besucher zu sein. Deshalb steht für die gebürtige Bayerin nicht nur aus Heimatverbundenheit fest: „Wir brauchen Olympia 2018.“
Klischees scheinen überholt
Untersuchungen belegten, dass das Land von den Wettkämpfen, für die sich die bayrische Landeshauptstadt München beworben hat, profitieren werde. Kritikern, die durch den Bau von Wettkampfstätten im Alpenvorland zu starke Eingriffe in die Natur befürchten, hält Hedorfer entgegen: „Die ökologische Diskussion ist wichtig, aber die wirtschaftlichen Effekte sind nachhaltig sichtbar.“
Doch nicht nur Turniere, Fan-Feste, und Riesen-Partys mit fahnenschwenkenden Einheimischen sollen Besuchermagnete sein. Um jüngere und anspruchsvolle Touristen aus Europa und Übersee anzulocken, stellen die deutschen Tourismus-Werber neben sportlichen Erfolgen kulturelle Faktoren wie moderne Museen und originelle Kunst- oder Musik-Veranstaltungen in den Mittelpunkt ihrer Kampagnen. Das Klischee, dass Deutschland für seine Besucher nur Kitsch in Schlössern oder bajuwarischen Frohsinn auf dem Münchner Oktoberfest zu bieten habe, ist laut Hedorfer längst überholt. „Sie müssen durch zeitgemäße Themen ersetzt werden“, sagt sie. „Aber wir müssen uns auch nicht dafür schämen, dass wir ein Schloss wie Neuschwanstein haben.“ Schließlich haben es manche Deutschland-Reisende gerade auf die traditionellen Tourismusmagnete abgesehen. „Wir können in China keinen Wanderurlaub bewerben“, sagt Hedorfer.
Chinesen können nicht schwimmen
Theodor Wedel (TheodorWedel)
- 09.03.2011, 16:00 Uhr
Wandern wird in China gerade populär - also bitte keine Hinterwäldlerstatements
Dietrich Wollheim (tillwollheimgmx.de)
- 10.03.2011, 12:08 Uhr
Dräsden ist eine der häßlichsten Städte Deutschlands
Andreas Debus (Nyarlat)
- 10.03.2011, 13:38 Uhr
Deutschland = Reiseland
Kai Bockelmann (KB63)
- 10.03.2011, 17:56 Uhr
Nette Deutsche
Victor Splittgerber (s.gerber)
- 10.03.2011, 18:58 Uhr