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Tourismus Arrivederci, Italia!

23.07.2006 ·  Drei Jahre in Folge hat Italien deutsche Urlauber an andere Reiseländer verloren. Die Deutschen meiden Italiens Badestrände. Vor allem den Familien wird es zu teuer. Und die italienischen Hoteliers zwischen Bozen und Neapel wollen nun noch höhere Preise durchsetzen.

Von Tobias Piller und Winand von Petersdorff
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Drei Jahre in Folge hat Italien deutsche Urlauber an andere Reiseländer verloren, heißt es beim Reisekonzerns Thomas Cook. Doch wie reagierten die Hoteliers zwischen Bozen und Neapel? Sie versuchen für 2007 knackige Preiserhöhungen durchzusetzen.

Doch dieser Kurs ist gefährlich. "Das Preis-Leistungs-Verhältnis muß besser werden", sagt Jochen Martin, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes (DRV). "Denn selbst im Urlaub fangen die Deutschen nun an zu knausern." Die erste Gruppe, die auf Italien verzichtet, sind die Familien: Sie haben sich in den vergangenen Jahren von Italien als Urlaubsland abgewandt - ihr Anteil an den Gästen ist von 25 auf zuletzt 15 Prozent geschrumpft, rechnet Europas größter Reiseveranstalter Tui vor.

Italiener zeigen verblüffende Ignoranz

Vor allem an den Badestränden fehlen die Besucher. In manchen Reiseorten stapeln sich leere Strandliegen. Die Italiener registrieren das Phänomen mit verblüffender Ignoranz und dem globalen Hinweis auf schwere Zeiten. Ausgewiesene Experten meinten einfach, die Wirtschaftskrise in Deutschland sei schuld. Deswegen würden die Deutschen auch wieder zurückkehren, so bald es ihnen wieder bessergehe. Der Umstand, daß eventuell die Deutschen nicht nach Italien kamen, weil sie Reiseziele in anderen Ländern vorzogen, wurde nicht weiter in Betracht gezogen.

Eines verstellt möglicherweise den Blick für die Krise des italienische Tourismus. Während sich an den Stränden weniger Teutonen grillen lassen, platzt Italiens Hauptstadt Rom aus allen Nähten. Der Grund: Die Flughäfen der Stadt werden immer häufiger von Billigfluglinien angeflogen. 2005 wurden auch die Besucherrekorde des Heiligen Jahres übertroffen, und für 2006 werden Steigerungsraten von zehn Prozent vermeldet. Genaue Daten gibt es allerdings nur für 2004, mit offiziell 7,6 Millionen Gästen und 19,8 Millionen Übernachtungen in Rom.

Keine Tsunamis, keine Malaria, keine Bomben

Der Tourismusminister Rutelli appelliert deshalb schon besorgt: "Nicht nur Rom ist sehenswert, sondern auch die etruskischen Ausgrabungen in Vulci. Nicht nur Mantua ist schön, sondern auch ein Renaissancestädtchen wie Sabioneta."

Das Jahr 2006 wird nun zu einem entscheidenden Jahr für den italienischen Tourismus. Die Bedingungen, die Italien selbst nicht beeinflussen kann, sind gar nicht so schlecht. Entfernte Reiseländer leiden unter Tsunamis, Bombenanschlägen oder Malaria. Das könnte Touristen veranlassen, so die stille Hoffnung, sich ruhigere Reiseziele in Europa zu suchen.

Hoteliers setzen auf höhere Preise

Die Faktoren dagegen, die Italien beeinflussen könnte, sind noch deutlich verbesserungswürdig. Zum Beispiel die Infrastruktur: Als nicht wettbewerbsfähig gilt die Bahnstrecke über den Brenner. Dort müssen aus technischen Gründen wie vor 100 Jahren noch immer die Lokomotiven gewechselt werden, was zu 20 Minuten Verzögerung führt. "Wir könnten München - Verona eine Stunde schneller fahren, wenn beide Seiten bemüht wären", wird ein Bahnmanager zitiert.

Auch die Hotels werden häufig nicht den Ansprüchen gerecht. "Nach 2001 hat es erstmals harte Konkurrenz zwischen den Hotels gegeben", sagt Alessandro Lepri von der Beratungsfirma Trademark Italia, die für Italiens zweitwichtigste Tourismusregion Emilia-Romagna die Marktanalysen betreut. Als amerikanische und japanische Gäste ausblieben, wurden die Hotelzimmer zu Billigpreisen verramscht, außerhalb der Reisesaison auch mit 50 Euro für Übernachtungen in römischen Vier-Sterne-Hotels.

Italien hofft auf den WM-Effekt

Die Übernachtungszahlen sind wieder gestiegen und haben 2005 den Wert von 2001 erreicht. Doch die Hoteliers trauern noch immer den Umsätzen nach, die sie mit ihren Hotelzimmern 2001 erzielten, und versuchen entsprechend höhere Preise durchzusetzen.

Noch umstritten ist der Effekt der Fußballweltmeisterschaft. Viele Italiener zeigen sich überzeugt, daß mit dem Weltmeistertitel für Italien ein zusätzlicher Werbeeffekt erzielt worden sei. Ein bekannter Ökonom hat jedoch geunkt, Italien habe sich womöglich einiges verscherzt. Die Nationalmannschaft habe gegen Deutschland und Frankreich gespielt und gewonnen. Wenn die Fußballfans in diesen Ländern nachtragend sein sollten, könne dies noch unliebsame Folgen haben. Im Internet kursiert eine Europakarte ohne Italien. Dazu stellen die Betreiber die Frage: Und wo machst du dieses Jahr deinen Urlaub?

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23.07.2006, Nr. 29 / Seite 35
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Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien mit Sitz in Rom.

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