21.07.2007 · Die deutschen Sponsoren stehen vor dem Rückzug aus dem Profi-Radsport. Offiziell verkünden will das heute noch niemand. Doch über Ausstiegsklauseln verfügen alle 20 Team-Sponsoren. Und viele Verträge laufen ohnehin aus.
Von Henning Peitsmeier und Rainer SeeleNach dem Doping-Fall um T-Mobile und dem Aus für die Fernsehübertragung in ARD und ZDF stehen die deutschen Sponsoren vor dem Rückzug aus dem Profi-Radsport. Auch wenn das heute noch niemand offiziell verkünden will, ist bei so manchem Geldgeber der Ausstieg längst das wahrscheinliche Szenario. Über Ausstiegsklauseln verfügen alle 20 Team-Sponsoren, 12 Verträge laufen ohnehin zum Jahresende aus.
T-Mobile entscheidet im August, ob das Sponsoring, das mit 13 Millionen Euro im Jahr veranschlagt ist, bis zum Vertragsende 2011 fortgesetzt wird. Das Aus sei wahrscheinlich, da sich die Zahl der Fürsprecher bei der Deutschen Telekom drastisch verringert habe, ist aus dem Unternehmen zu hören. Vor der Tour hatten die Bonner erklärt, dass ein Dopingfall unter den jungen Fahrern, die die saubere Zukunft des Teams verkörpern sollen, das weitere Engagement von T-Mobile infrage stellen würde. Und Patrick Sinkewitz, dessen positive Doping-Probe die Affäre ins Rollen brachte, gehörte zu jenen jungen Hoffnungsträgern.
Die Kettenreaktion hat schon begonnen
„Die Deutsche Telekom verliert Kunden im Festnetz und muss ihr Image aufpolieren, da kann sie die Negativ-Schlagzeilen aus Frankreich nicht gebrauchen“, sagt Stephan Schröder vom Kölner Marktforschungsinstitut Sport und Markt. „Wenn T-Mobile aussteigt, ist ein Dominoeffekt zu befürchten.“ Die fehlende Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender mache den Radsport für die Sponsoren unattraktiver, denn die Reichweite des Privatsenders Sat 1, der in die Übertragung eingestiegen ist, sei deutlich niedriger. „Der Profi-Radsport in Deutschland droht zur Randsportart zu werden wie Feldhockey oder Tischtennis“, sagt Marktforscher Schröder.
Die Kettenreaktion um T-Mobile hat schon begonnen: Trikot-Sponsor Adidas prüft, ob ein Ausstieg zwingend ist. In die gleiche Richtung denken die Verantwortlichen beim Autohersteller Audi, der zwei Dutzend Begleitfahrzeuge für T-Mobile stellt. Andere Team-Sponsoren sind ebenfalls in heller Aufregung, wenngleich noch die Unschuldsvermutung für die eigene Mannschaft betont wird. „Der Fall Sinkewitz steht in keinerlei Verbindung zur Nordmilch AG oder dem Team Milram“, sagt etwa Nordmilch-Vorstand Martin Mischel. Und Nikolaus Reichert von Skoda Deutschland erklärt: „Wir gehen davon aus, dass die Leistungen vom Team Gerolsteiner ohne Doping zustande kommen Vielleicht ist das Team deshalb auch nicht ganz vorn zu finden.“ Skoda rüstet nicht nur das Team Gerolsteiner aus, sondern ist neben der Nestlé-Marke Aquarel, der Supermarktkette Champion und der LCL-Bank einer der vier Tour-Sponsoren der obersten Kategorie. Die Hauptsponsoren lassen sich die Frankreich-Rundfahrt zwischen 2 und 3 Millionen Euro kosten.
Profi-Fahrer fürchten um ihre Arbeitsplätze
Ob sich das Rad beim Team Gerolsteiner weiterdreht, ist sehr ungewiss. Der Mineralwasserproduzent wird im August darüber befinden, ob das 2008 endende Engagement verlängert werden soll. An dieser Vorgabe habe sich durch die Causa Sinkewitz nichts geändert, heißt es offiziell. Allerdings schwant Teamchef Hans-Michael Holczer, dass dieser Fall seine Position in den Verhandlungen mit Gerolsteiner weiter beeinträchtigen könnte. Das sei der Sache nicht förderlich, sagt er. Dabei betrachtet Holczer es auch als gravierendes Problem, dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF ihre Live-Übertragungen von der Tour de France eingestellt haben. Die Währung, mit der er etwas zurückzahlen könne, nämlich die Fernsehminuten, habe dramatisch an Wert verloren, sagte Holczer. „Ob Sat 1 das ausgleichen kann, muss man sehen.“ Der Schwabe lässt inzwischen durch seinen Anwalt prüfen, ob gegen Sinkewitz juristisch vorgegangen werden könnte, sollte sich der Verdacht der Manipulation bestätigen. Die Probleme des Radsports - und damit auch des Teams Gerolsteiner - würden dadurch jedoch nicht geringer werden.
Unterdessen fürchten die Profi-Fahrer um ihre Arbeitsplätze. Erst recht, seit am Freitag auch noch der Mann im Gelben Trikot ins Gerede gekommen ist: Michael Rasmussen, dänischer Profi von der niederländischen Equipe Rabobank. Weil er die Meldepflicht gegenüber Dopingkontrolleuren verletzt haben soll, ist er von seinem nationalen Radsportverband offenbar mehrmals verwarnt worden. Rasmussen darf auf alle Fälle nicht bei der Weltmeisterschaft im Herbst in Stuttgart und auch nicht bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking starten. „Das ist das Schlimmste, was passieren konnte“, klagt Marcus Burghardt. Der 24 Jahre alte Chemnitzer ist einer der jungen Fahrer von T-Mobile - und sollte wie so viele andere für den Neuanfang im Profiradsport stehen.
sponsorenausstieg tour de France
Johann Wahl (johannwahl)
- 20.07.2007, 22:41 Uhr
Zu kurz gedacht.....
Stephen Lindholm (StephenLindholm)
- 20.07.2007, 23:48 Uhr
Der Profi-Radsport ist selbst Schuld
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 21.07.2007, 03:12 Uhr
Hoffentlich...
John Galt (sziemer2)
- 21.07.2007, 13:06 Uhr
ARD unverschämt und dumm
rudolf hering (schindergraben)
- 21.07.2007, 16:52 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,51 | −1,27% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2443 | −0,36% |
| Rohöl Brent Crude | 104,77 $ | −1,95% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?