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Tibet Der höchstgelegene zivile Flughafen der Welt

12.01.2010 ·  China will hoch hinaus: Der Flughafen in 4436 Meter Höhe ist in Tibets größtem Kreis Nagqu rund 300 Kilometer nördlich von Lhasa geplant. Aus ökonomischen und politischen Gründen investiert Peking kräftig in die Infrastruktur Tibets.

Von Christian Geinitz, Peking
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China will in Tibet den höchstgelegenen zivilen Flughafen der Welt bauen. Die Anlage in 4436 Meter Höhe ist in Tibets größtem Kreis Nagqu rund 300 Kilometer nördlich von Lhasa geplant. Mit dem Bau werde man 2011 beginnen, die Eröffnung könne drei Jahre später erfolgen, teilt Chinas zivile Luftfahrtbehörde mit. Die Baukosten gibt sie mit 1,8 Milliarden Yuan oder 180 Millionen Euro an, die Größe des Geländes mit 230 bis 270 Hektar. China entthront sich mit dem neuen Projekt gewissermaßen selbst: Auch der bisherige Rekordhalter, der Flughafen Bamda im Kreis Qamdo, befinde sich in Tibet, schreibt die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Qamdo liegt etwa 600 Kilometer östlich von Nagqu. Der Platz wurde Mitte der neunziger Jahre auf 4334 Meter Höhe eröffnet.

Mit der neuen Anlage namens Nagqu Dagring Airport erhalte nun der letzte der sechs Kreise des autonomen Gebiets Tibet einen eigenen Flughafen, heißt es bei Xinhua weiter. „Die nächste Entwicklungsstufe wird sein, direkte Flugverbindungen von Tibet in südasiatische Länder zu eröffnen“, zitiert die Nachrichtenagentur den für Tibet verantwortlichen Direktor der Luftfahrtbehörde, Xu Bo.

Aus ökonomischen und politischen Gründen investiert China kräftig in die Infrastruktur Tibets, dessen Status seit dem Einmarsch der chinesischen Armee 1950 umstritten ist. Erst 2006 beispielsweise wurde nach beschwerlichen Bauarbeiten die erste Schienenanbindung Tibets eröffnet, die sogenannte Lhasa-Bahn. Sie überquert einen mehr als 5000 Meter hohen Pass und gilt als die am höchsten gelegene Eisenbahnstrecke der Welt. Auch Nagqu ist an diese Bahn angeschlossen.

Xu Bo sagte der „Tibetischen Wirtschaftszeitung“, die Höhe des geplanten Flugplatzes sei eine große technische Herausforderung. Die Zivilluftfahrt stoße hier an ihre Grenzen. Wegen des geringen Luftdrucks und des niedrigen Sauerstoffgehalts, der längere Rollwege erfordert, verfügt etwa der Flughafen Bamda über eine mehr als fünf Kilometer lange Start-und-Lande-Bahn, die als die längste zivil genutzte der Welt gilt. Wie lang die Piste in Nagqu werden soll, wurde nicht mitgeteilt.

Flugverbindungen von Bamda aus unterhält als einzige Gesellschaft Air China, die von dort die Provinzhauptstadt von Sichuan, Chengdu, sowie Lhasa anfliegt. Nach Angaben der Fluggesellschaft gibt es 32 Flüge in der Woche. Mit dem Auto braucht man in die rund 800 Kilometer südwestlich gelegene tibetische Hauptstadt fast 24 Stunden. Solange von Bamda oder Nagqu keine Flugzeuge ins Ausland starten, dürfte der Flughafen am bolivianischen Regierungssitz La Paz der höchstgelegene internationale Zivilflughafen der Welt sein, er liegt auf 4061 Metern.

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