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Thyssen-Krupp Cromme schafft keine Werte

Vieles ist schiefgelaufen beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp. Der Vorstandsvorsitzende Hiesinger benennt die Fehler klar: Von blinder Loyalität und Seilschaften ist die Rede. Man muss aber auch fragen, wer die Kultur von Thyssen-Krupp prägt. Da fällt zuerst der Name Gerhard Cromme.

© dapd Vergrößern Gerhard Cromme

Einen Neuanfang hat der deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp bitter nötig. Was alles schiefgelaufen ist, listet der verbleibende Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger in seltener Klarheit auf: Verstöße gegen Grundsätze guter Unternehmensführung, wohin man schaut. Horrorverluste aus von Anfang an strittigen Großprojekten in Brasilien und den Vereinigten Saaten. Verluste im Kerngeschäft, erstmaliger Verzicht auf Ausschüttung einer Dividende. Hinzu kommt die Bildung illegaler Kartelle zu Lasten unzähliger privater und öffentlicher Kunden, ob bei der Lieferung von Aufzügen und Rolltreppen oder dem Verkauf von Schienen und Weichen.

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Diese kriminelle Machenschaften reichen bis 2001 zurück. Das Ausmaß der fälligen Geldbußen, staatsanwaltlichen Ermittlungen und Schadensersatzklagen ist noch offen.

Bilanzpressekonferenz der ThyssenKrupp AG © dapd Vergrößern „Es wurde eine Kultur gepflegt, in der Abweichungen und Fehlentwicklungen lieber verschwiegen als korrigiert wurden“: Heinrich Hiesinger

„Unsere Führungskultur hat an vielen Stellen des Unternehmens versagt“, gestand Hiesinger ein. Blinde Loyalität und Seilschaften seien wichtiger als Erfolg gewesen. Bei einigen herrschte offenbar die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten. „Wir müssen unsere Führungskultur grundlegend verändern, um wieder erfolgreich zu sein“ sagte Hiesinger. Man darf ihm Erfolg dabei wünschen. Es wäre schlimm, wenn noch ein Traditionsunternehmen aus dem Ruhrgebiet unterginge.

Man muss aber auch fragen, wer die Kultur von Thyssen-Krupp prägt. Da fällt zuerst der Name Gerhard Cromme. Der frühere Vorstandschef von Thyssen-Krupp sitzt seit 2001 dem Aufsichtsrat vor, und tut heute so, als ob er alles gefragt, aber nichts gewusst habe. Verantwortung sieht anders aus. Cromme hat schon als Präsident der Corporate-Governance-Regierungskommission Wasser gepredigt und Wein getrunken. Crommes Methode funktionierte bei Siemens, sie wird auch bei Thyssen-Krupp nicht versagen: Läuft etwas schief, schickt er andere in die Wüste und holt dann Gutachten hervor, die ihm eine weiße Weste bescheinigen. So kann er den halben Vorstand rauswerfen, jedoch nicht seinen ramponierten Ruf als Unternehmenslenker aufpolieren. Jeder sieht an den Aktienkursen, welche Börsenwerte in Essen oder München unter Cromme vernichtet oder nicht geschaffen wurden. Das weiß auch Berthold Beitz, der Vorsitzende der Krupp-Stiftung. Die Methode Cromme gefährdet Crommes Lebensziel, Ruhrbaron in der Villa Hügel zu werden, weil sie keine Werte schafft.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 11.12.2012, 17:29 Uhr

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