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Thomas Sedran Opel wird von kommissarischem Vizechef geleitet

Mitten in der Krise agiert der Autohersteller Opel ohne einen richtigen Vorstandsvorsitzenden. Strategievorstand Thomas Sedran ist der Mann für den Übergang.

© Archiv Thomas Sedran

Trotz der schwierigen Lage des Unternehmens hat der Aufsichtsrat von Opel keine klare Lösung für die Führung geschaffen. Erwartet worden war, dass Thomas Sedran, als Vorstandsmitglied für die Strategie verantwortlich, zum Vorstandsvorsitzenden gekürt würde. Doch am Dienstagnachmittag teilte Opel mit, der Aufsichtsrat habe Sedran nur „mit sofortiger Wirkung zum Stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt“. Damit ist klar, dass der 47 Jahre alte Manager nur eine Übergangslösung sein wird.

In den kommenden Monaten will Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky, der zugleich auch Vizechef des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors ist, außerhalb des Konzerns nach einem geeigneten Mann für Opel suchen. Schon kursieren dafür Namen wie der des ehemaligen Daimler-Managers Rainer Schmückle, des VW-China-Chefs Karl-Thomas Neumann oder der des ehemaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking. Darüber hinaus zeigt sich an der Personalie Sedran auch die Unsicherheit Girskys. Man ist sich nicht sicher, ob Sedran dauerhaft der richtige Mann ist, und gibt ihm deshalb nur den Posten des Vizechefs. Sedran übernehme „die Geschäfte des aus dem Amt geschiedenen Vorstandsvorsitzenden so lange, bis ein Nachfolger ernannt wird“, heißt es. Sedran übernehme diese Aufgaben zusätzlich zum Vorstandsressort Operations, Geschäftsentwicklung und Unternehmensstrategien, das er seit April innehat.

„Schlankere Management-Strukturen“

„Wir arbeiten weiter daran, den von uns skizzierten Unternehmensplan umzusetzen und weiter zu verbessern. Wir werden die Bürokratie verringern und die Kultur unseres Unternehmens verändern“, sagte Opel-Aufsichtsratschef und GM-Europe-Präsident Girsky. Laut Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug steht das neue Team um Girsky für eine Veränderung, die Opel dringend brauche. „Es steht für schlankere Management-Strukturen, Transparenz, Berechenbarkeit und Durchsetzungsfähigkeit, um das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs zu bringen“, sagte Schäfer-Klug, der zugleich Aufsichtsrats-Vizechef ist.

Im Autogeschäft kennt sich der neue Opel-Vizechef Sedran zwar bestens aus. Mehr als 20 Jahre hat der promovierte Ökonom als Berater der Autoindustrie gearbeitet. Seine Erfahrungen bei einem Hersteller sind aber begrenzt. Außerdem wurde unter anderem von Sedran, der bis April für die Unternehmensberatung Alix Partners in München arbeitete, in den vergangenen Jahren im Auftrag von GM an der Sanierungsstrategie für Opel gearbeitet. Er ist also für den Kurs direkt mit verantwortlich, der jetzt so grandios gescheitert ist: Trotz des Abbaus von 8000 der 48000 Arbeitsplätze in Europa macht Opel in diesem Jahr den fünften Milliardenverlust hintereinander. Der Absatz ist in der ersten Hälfte dieses Jahres um 15 Prozent auf 468000 Einheiten geschrumpft.

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Dass sich die Lage verschlimmert, setzt auch Girsky stark unter Druck. Denn federführend stammt das gescheiterte Sanierungskonzept von ihm. Dem ehemaligen Berater der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft UAW bleiben nun nur zwei Optionen: Entweder er akzeptiert, dass sich die 14 Milliarden Dollar Verlust von GM bei Opel aus den vergangenen dreizehn Jahren weiter erhöhen. Oder er zieht die Reißleine und verschärft den Sparkurs.

Dann müsste neben dem schon angepeilten Verzicht der Belegschaft auf die Tariferhöhung auch noch ein Stellenstreichprogramm aufgelegt werden, das mehrere tausend Arbeitsplätze mit Hilfe von Abfindungen abbaut. Zudem müsste anders als bisher geplant nicht nur das Werk Bochum Ende 2016 geschlossen werden, sondern auch noch eine weitere Fabrik - vermutlich die in Eisenach.

Der Opel-Betriebsrat hat Spekulationen um einen schärferen Sparkurs unter der neuen Führung deutlich zurückgewiesen. „Werksschließungen sind jetzt kein Thema“, sagte Schäfer-Klug. Der jüngst verabschiedete Geschäftsplan und der Deutschlandplan, über den noch verhandelt wird, hätten Bestand. Der Deutschlandplan schließt Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 aus.

Quelle: F.A.Z.

 
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