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Thilo Sarrazin : „Europa könnte auch ganz gut ohne den Euro leben“

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Thilo Sarrazin, Buchautor und ehemaliger Finanzsenator von Berlin Bild: Pein, Andreas

In dieser Woche erscheint das neue Buch des ehemaligen Bundesbankvorstandes Thilo Sarrazin. Darin legt er sich mit großen Teilen der politischen Szene an. Auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erhebt er schwere Vorwürfe gegen deutsche Politiker.

          Der ehemalige Berliner Finanzsenator und Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schwere Vorwürfe gegen deutsche Politiker erhoben. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nenne eine Inflationsrate von 3 Prozent für hinnehmbar und verkaufe zugleich Bundesanleihen mit einem Zins von weniger als 1,5 Prozent. „Das heißt, Schäuble setzt bereits darauf, dass die Staatsschuld entwertet wird“, sagte Sarrazin, der in dieser Woche sein neues Buch mit dem Titel „Europa braucht den Euro nicht“ vorstellt.

          Sarrazin: „Ein Akt der politischen Irreführung“

          Auf die Frage, ob es den Euro in fünf Jahren noch geben werde, sagte Sarrazin der F.A.Z.: „Das weiß ich nicht. Ich sehe eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent, dass irgendwann die Nahtstelle zwischen Frankreich und Deutschland reißt.“ Der Euro werde nur dann dauerhaft funktionieren, wenn sich die anderen Länder in ökonomischen Fragen grundsätzlich wie Deutschland verhielten. Wenn zu erkennen sei, dass die anderen das nicht wollten, müsse man die Konsequenzen ziehen.

          Nach Sarrazins Darstellung war die Einführung des Euro ein Fehler wider besseren Wissens. Treibendes Motiv sei der Wunsch des Bundeskanzlers Helmut Kohl gewesen, der versprach, die politische Union werde folgen. „Das war ein Akt der politischen Irreführung.“ Die ökonomische Vernunft spreche dafür, dass die Euroländer zu einem System gebundener, aber abänderbarer Wechselkurse zurückkehrten. Allerdings sei es auch denkbar, dass man über Jahrzehnte gegen die ökonomischen Gesetze anregiere, wie es der Sozialismus getan habe.

          Eine Transferunion nach dem Vorbild der deutschen Einheit lehnt Sarrazin ab. Die Griechen hätten schon vor der Schuldenkrise Hilfen der EU erhalten, die mehr als 150 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entsprechen. „Sie hätten noch viel mehr bekommen können, weil das Land so klein ist und sie jeder mag. Wenn sie nur davon ihre Strände gefegt, schöne Imbissbuden gebaut und das Geld nicht veruntreut hätten“, schimpfte Sarrazin. „Dann hätten wir ihnen doch alles gegeben. Aber den krassen Missbrauch von Mitteln weiter zu unterstützen ist auch nicht gut für Griechenland.“

          Schäuble: „Himmelschreiender Blödsinn“

          In Berlin keilen die Gescholtenen unterdessen zurück. Bundesfinanzminister Schäuble warf Sarrazin in der „Bild am Sonntag“ vor: „Seine Methode, so zu tun, als ob es Denk- oder Sprechverbote in Deutschland zu bestimmten Themen gibt, gegen die er dann verstößt, hat etwas sehr Kalkulierendes. Und ist dann auch noch unsinnig.“ Das habe schon für die Art und Weise gegolten, in der Sarrazin das Thema Integration behandelt habe. „Entweder redet und schreibt Sarrazin aus Überzeugung einen himmelschreienden Blödsinn, oder er macht es mit einem verachtenswerten Kalkül“, so Schäuble.

          Sarrazins neues Buch erscheint am Dienstag. Das SPD-Mitglied hatte bereits mit umstrittenen Thesen zur Integration heftige Diskussionen ausgelöst. Sein im Herbst 2010 erschienenes Buch „Deutschland schafft sich ab“ verkaufte sich millionenfach.

          Das volle Interview mit Thilo Sarrazin erscheint an diesen Montag, 21. Mai, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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