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Thailand Zwangsaufenthalt in Bangkok wird zur Qual

30.11.2008 ·  100.000 Reisende warten darauf, Thailand verlassen zu können. Noch immer blockieren Regierungskritiker die beiden Flughäfen. Obwohl Fluggesellschaften Rettungsflüge einsetzen, wächst die Zahl der Gestrandeten stündlich.

Von Christoph Hein
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Während rund 100.000 Reisende darauf warten, Thailand verlassen zu können, erhöht die Wirtschaft Druck auf die Regierung. Am Sonntag forderte die thailändische Handelskammer den Ministerpräsident auf, sein Amt niederzulegen und den Weg für Neuwahlen freizumachen. Seit sechs Tagen blockieren die Regierungskritiker die beiden Flughäfen der Königsstadt. Obwohl Fluggesellschaften Rettungsflüge einsetzen, wächst die Zahl der Gestrandeten stündlich. Zugleich haben die Besetzer gedroht, auch die Häfen zu blockieren.

Auf Bangkoks neuem Flughafen Suvarnabhumi verkehren normalerweise rund 100 000 Gäste täglich, gut 700 Flüge werden abgefertigt. Er gilt als der viertgrößte Flughafen Asiens, gemessen am Verkehrsaufkommen. Finanzminister Suchart Thadathamrongvej erklärte, das erzwungene Schließen des Flughafens belaste die thailändische Volkswirtschaft mit mindestens 100 Milliarden Baht (2,2 Milliarden Euro) in diesem Quartal. Aufgrund des schwindenden Images Thailands als Ferienland drohe eine Halbierung der Touristenzahl auf nur noch rund sieben Millionen im kommenden Jahr. Ein solcher Einbruch werde mehr als eine Million Arbeitsplätze kosten. Die Tourismusindustrie trägt rund 6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt Thailands bei.

Druck auf die Regierung steigt

„Wir haben die Regierung gebeten, das Parlament aufzulösen“, sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrates der thailändischen Handelskammer, Praman Sutivong am Sonntag. Damit steigt der Druck auf Ministerpräsident Somchai Wongsawat, der sich bislang beharrlich weigert, den Forderungen der Opposition nachzugeben. Gleichzeitig hat Somchai, der sich im nordthailändischen Chiang Mai aufhält, die Sicherheitskräfte angewiesen, die Flughäfen und das Parlament nicht gewaltsam zu räumen. Praman warnte vor einem drohenden weiteren Militärputsch, der notwendig sei, wenn es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen käme.

Mitarbeiter von Fluggesellschaften berichteten am Wochenende, die Demonstranten hätten Rucksacktouristen am Flughafen aufgefordert, sich mit ihnen zu solidarisieren. Viele hätten dies angesichts der Festivalatmosphäre getan. „Damit wird eine eventuelle Räumung praktisch unmöglich, denn ausländische Touristen würden gefährdet“, sagte der Mitarbeiter einer europäischen Fluggesellschaft. Die Regierung hat unterdessen ausländischen Touristen und Geschäftsleuten angeboten, ihnen 2000 Baht (44 Euro) für jeden Tag zu zahlen, den sie im Königreich festsitzen. Ausländische Gesellschaften wie Lufthansa nutzen Ersatzflughäfen. Aber die Militärbasis U-Tapao, 150 Kilometer südöstlich Bangkoks, stammt noch aus der Zeit des Vietnamkriegs. Auf ihr können allenfalls 50 Flüge täglich abgefertigt werden, es gibt nur ein Röntgengerät. Chiang Mai liegt 600 Kilometer, Phuket 800 Kilometer von Bangkok entfernt. Die Fluggesellschaften lassen ihre Gäste mit Bussen dorthin transportieren.

Asiatisches Gipfeltreffen vertagt

Der für Mitte Dezember in Bangkok geplante Gipfel der zehn südostasiatischen Länder ist zunächst auf Chiang Mai verlegt worden. Nun aber spricht auch Somchai davon, ihn trotz der Rufschädigung für Thailand auf März kommenden Jahres zu verschieben. Die Proteste werden von Bangkoks Mittelschicht getragen. Sie bezeichnen Somchai als Marionette des ins Exil geflohenen, früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der in Thailand unter Anklage steht.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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