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Teure Liftpässe Skifahren wird zum Luxussport

In Österreich werden die Liftpässe deutlich teurer. Verbraucherschützer kritisieren den Trend. Dass immer weniger Schüler Skikurse belegen, halten sie für eine negative Folge des Preisauftriebs.

© AFP Vergrößern Teure Piste

Skifahrer müssen in diesem Winter in Österreich deutlich mehr für Liftpässe bezahlen als in der vergangenen Saison. Die Sechs-Tage-Karte kostet im Schnitt 3,9 Prozent mehr als im vorigen Winter. Damit liegt die durchschnittliche Teuerung über der Inflation. „Innerhalb von zehn Jahren sind die Preise für Liftkarten um fast ein Drittel gestiegen, die Inflation in diesem Zeitraum betrug aber nur 22 Prozent“, moniert Josef Kubitschek, der Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) in Wien, die Preisentwicklung.

Michaela Seiser Folgen:  

Von den Seilbahnbetreibern werden Jahr für Jahr steigende Investitionen in Infrastruktur, Beschneiung, Sicherheit und Komfort als Grund für den Preisauftrieb angeführt. Vor allem die Beschneiung geht ins Geld. Die Liftbetreiber wollen auf diesen Kosten nicht sitzenbleiben. Deshalb wird der Skiurlaub eine zunehmend teure Angelegenheit. Rechnet man zur Liftkarte die Kosten für Hin- und Rückreise, Unterkunft und Verpflegung hinzu, kostet eine Woche für eine vierköpfige Familie etwa 3000 Euro, schätzen die Verbraucherschützer aus Wien. Wer sich überall für das günstigste Angebot entscheide, liege bei 2000 Euro.

Infografik / Teurer Skispaß

„Es ist zu hinterfragen, ob es nötig ist, jedes Jahr neue Lifte zu bauen. Es muss nicht immer mehr und besser und schöner werden, das ist eine Sackgasse“, findet Peter Blazek, der Projektleiter der Skigebiete-Erhebung des VKI. Teuer zu stehen komme die Wintersportler auch der Trend zu Skiverbünden. „In vielen Gebieten muss man eine Verbundkarte kaufen, obwohl man sie gar nicht nutzt.“ Niemand könne in zwei Tagen ganz Kärnten abfahren, spitzt Blazek seine Kritik zu. Mit einer Karte für das Nassfeld beispielsweise könne nicht nur in dem Skigebiet an der Grenze zu Italien, sondern auch in vielen anderen Gebieten in Kärnten und Osttirol über mehr als tausend Pistenkilometer gewedelt werden.

Die Preisunterschiede sind enorm

Der VKI vergleicht seit nunmehr zehn Jahren die Preise in Skigebieten. In diesem Jahr wurden rund 400 Wintersportgebiete in 22 europäischen Ländern untersucht, 80 davon in Österreich. Das Ergebnis: Die Preisunterschiede sind enorm. Günstig ist das Skifahren fast nur in Skigebieten mit wenigen Pistenkilometern. Innerhalb Europas zählen Österreich, die Schweiz, Frankreich und Italien zu den teuersten Zielen; Tschechien und die Slowakei dagegen sind günstiger.

Innerhalb Österreichs ist der Sechs-Tage-Pass für eine vierköpfige Familie mit 274 Euro in Wenigzell/Schneeland in der Steiermark am günstigsten. Für ein knappes Budget eignen sich auch die Skigebiete Zahmer Kaiser/Walchsee in Tirol mit 292 Euro, die Postalm-Arena bei Salzburg mit 331 Euro sowie die Forsteralm in Oberösterreich mit 340 Euro. Wer in ein großes Skigebiet will, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Zu den teuersten Skigebieten in Österreich zählen Arlberg (791 Euro), Sölden (773 Euro) und Kitzbühel (742,50 Euro).

Willinger Kunstschnee © dpa Vergrößern Der Einsatz von Schneekanonen kostet die Liftbetreiber viel Geld.

Die gestiegenen Preise in ihrer Heimat halten offenbar immer mehr Österreicher selbst vom Skifahren ab. Obwohl die Alpenrepublik eine hervorragende Infrastruktur für den Wintersport ausweist, lernen immer weniger ihrer Bewohner das Pistenvergnügen. Anfang der neunziger Jahre nahmen noch rund 210000 Schüler an Schul-Skikursen teil. Heute sind es 30 Prozent weniger, die Teilnahme an den Skikursen ist nicht mehr verpflichtend. An Österreichs Schulen wurden 2010/11 schon mehr Sommersport- als Wintersportwochen abgehalten.

Dass der zu beobachtende Trend hin zu größeren Skigebieten und teureren Seilbahnpässen für die Branche heilsam ist, stellte vor kurzem auch Jürgen Weber, der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Lufthansa, in Frage. Die vom Leistungsdruck geplagten Menschen suchten im Urlaub Entschleunigung, sagte der begeisterte Alpinist. „Die Zukunft des Winters heißt aus meiner Sicht Genuss. Sie müssen der Individualität den Vorrang geben, dass sich jeder pudelwohl fühlt.“ Die Gäste suchten das Ortstypische, die Einfachheit der Zirbenstube, die Menschlichkeit der Ansprache.

Für die österreichische Volkswirtschaft spielt der Wintersport eine herausgehobene Rolle. Er trägt entscheidend zum Wohlstand des Landes bei und ist in vielen Gegenden ein wichtiger Impulsgeber. Insgesamt trägt der Tourismus mehr als ein Zehntel zur österreichischen Wirtschaftsleistung bei. Rund 750000 Menschen arbeiten in der Branche, das ist jeder fünfte Erwerbstätige. „Österreich zieht im internationalen Vergleich einen der höchsten Wertschöpfungsanteile aus dem Wintersport“, sagt der Ökonom Egon Smeral vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung.

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Quelle: F.A.Z.

 
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