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Teure Energie Die Ersten duschen kalt

24.05.2008 ·  135 Dollar für ein Barrel Öl - so mancher Verbraucher bekommt diesen Rekordpreis im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leibe zu spüren: Weniger tanken, mehr wandern - und notfalls auch mal kalt duschen, wenn das Heizöl im Tank zur Neige geht.

Von Melanie Amann, Daniel Mohr und Henrike Roßbach
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135 Dollar für ein Barrel Öl – so mancher Verbraucher bekommt diesen Rekordpreis im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leibe zu spüren: Weniger tanken, mehr wandern – und notfalls auch mal kalt duschen, wenn das Heizöl im Tank zur Neige geht. So spart sich so mancher Verbraucher das Öl vom Leibe ab.

Viele private Heizölnutzer bestellen im Nachbarschaftskollektiv. Und der Preisschock stellt einige der Einkaufskartelle auf eine harte Bewährungsprobe. Die Streitfrage lautet: Soll man abwarten und auf niedrigere Preise hoffen, oder einknicken und zahlen? „Wir registrieren bei unseren Bestellern eine enorme Zurückhaltung“, sagt Erwin Kuhlen, Verkaufsleiter des Heizöllieferanten Knauber Mineralöl in Bonn. „Manche werden sich nicht einig mit ihrer Einkaufsgemeinschaft, wann sie bestellen sollen. Zu viele warten zu lange ab, obwohl ihr Vorrat zur Neige geht.“ So laufe es nicht nur im Rheinland, sondern in ganz Deutschland und auch bei gewerblichen Abnehmern, sagt Kuhlen. Er verweist auf Statistiken des Mineralölwirtschaftsverbandes, wonach der durchschnittliche Heizölvorrat privater Haushalte derzeit bei 46 Prozent der maximalen Füllmenge liege. „Im Vorjahr waren es 53 Prozent, Ende 2006 vor der Mehrwertsteuererhöhung sogar 70 Prozent.“

„Übertrieben tapfer“

Warten und auf die warme Dusche verzichten, hält Kuhlen aber nicht nur für „übertrieben tapfer“, sondern in den vergangenen Monaten auch für unwirtschaftlich. Wer auf Nachbarn warte, spare etwa 2 Cent je Liter. Das bringe aber wenig, wenn der Literpreis in derselben Zeit in die Höhe geschossen sei. Derzeit kostet der Liter Heizöl bei einer Abnahme von 3000 Litern bis zu 99 Cent, im März waren es durchschnittlich noch 74 Cent, im Januar 68 Cent und vor einem Jahr 55 Cent.

Abgekühlt hat sich auch die Stimmung unter den Fahrern eines Diesel, denn ihr Kraftstoff hat sich jüngst deutlich verteutert. Diesel ist ebenso wie Heizöl ein Mitteldestillat und deren Preise koppeln sich dabei je nach Nachfrage durchaus vom Preis für Benzin ab, das aus leichteren Fraktionen von Rohöl gewonnen wird. Vorbei ist nun die Zeit an der Zapfsäule als der „Super“ tankende Nebenmann mit den Zähnen knirschte, während man selbst mit größter Gelassenheit dem Euro-Zähler zusah. Seit kurzem winken die „Super“-Zapfsäulennachbarn mit einem verschwörerischen „Er gehört jetzt zu uns“-Zwinkern herüber. Diesel ist genau so teuer wie Benzin.

Mit der S-Bahn in den Taunus

Schuld sind wieder einmal die Chinesen. „Die brauchen für ihr Transportsystem viel Diesel und sie bauen derzeit ein Sicherheitspolster für die Olympischen Spiele auf“, beobachtet Barbara Meyer-Bukow vom Deutschen Mineralölwirtschaftsverband. Auch würde in einigen Schwellenländern Diesel verstärkt in Stromgeneratoren eingesetzt. „Die Nachfrage in Deutschland oder den Vereinigten Staaten spielt bei den jüngsten Preisentwicklungen jedenfalls kaum eine Rolle.“

Die Dieselfahrer verfluchen derweil ihre höhere Kraftfahrzeugsteuer, über die sie sich früher mit der satten Preisdifferenz an der Tankstelle hinwegtrösteten. Die ersten greifen schon zu Radikalmaßnahmen. Wochenend und Sonnenschein? Zum Wandern in den Taunus bringt einen schließlich auch die S-Bahn.

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