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Telekommunikation Wachablösung im Mobilfunk

16.02.2010 ·  In nur wenigen Jahren haben Google, Apple und der Blackberry-Hersteller RIM die Spielregeln des Marktes neu geschrieben und damit den Rest der einst stolzen Mobilfunkbranche in die Defensive getrieben. Netzbetreiber wie T-Mobile und Vodafone sind gezwungen, sich ein neues Geschäftsmodell zu suchen.

Von Holger Schmidt
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Auf der weltgrößten Mobilfunkmesse in Barcelona gibt in diesem Jahr der Google-Chef Eric Schmidt den Ton an, während der Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann nicht präsent ist. Nichts könnte symptomatischer für das aktuelle Kräfteverhältnis in der Mobilfunkbranche sein. In nur wenigen Jahren haben Google, Apple und der Blackberry-Hersteller RIM die Spielregeln des Marktes neu geschrieben und damit den Rest der einst stolzen Mobilfunkbranche in die Defensive getrieben.

Das gilt für die Gerätehersteller wie Nokia oder Motorola, noch mehr aber für die Netzbetreiber wie T-Mobile oder Vodafone, die allesamt in der Krise stecken. Denn während die Handyhersteller „nur“ ihre Geräteentwicklung an das Innovationstempo von Apple und Google anpassen müssen, sind die Netzbetreiber gezwungen, sich früher oder später ein ganz neues Geschäftsmodell zu suchen.

Netzbetreibern brechen die Umsätze weg

Mobilfunknetze sind teuer und erfordern stetige Investitionen, zum Beispiel noch in diesem Jahr in die UMTS-Nachfolgetechnik LTE. Schließlich sollen die Netze immer mehr Daten übertragen, und das auch immer schneller. Dumm nur, dass sich damit immer weniger Geld verdienen lässt. Zumindest in den gesättigten Märkten der Industrieländer gehen die Umsätze der Netzbetreiber aus ihrem Kerngeschäft langsam, aber stetig zurück, weil die Preise für Mobilfunkgespräche wegen des Wettbewerbs sinken. Die mobilen Datendienste, die diese Lücke schließen sollen, wachsen zwar kräftig, unterliegen aber ebenfalls einem starken Preiswettbewerb.

Die bescheidenen Versuche der Netzbetreiber, neben der Datenübertragung neue Geschäftsfelder im mobilen Internet zu erschließen, sind bisher kläglich gescheitert. Weder mit Inhalten, Navigationsdiensten noch mit Spielen, noch nicht einmal mit einem Zahlsystem, für das die Unternehmen aufgrund ihrer Kundenbeziehungen ideale Voraussetzungen gehabt hätten, haben sie ihre Abhängigkeit vom Infrastrukturgeschäft reduzieren können. Den Preis für die Versäumnisse zahlen sie jetzt: Reduziert auf die Rolle des Datentransporteurs, schwinden die Umsätze ohne erkennbaren Aussicht auf eine Wende zum Guten. Die Netzbetreiber sehen im Moment nur den Ausweg, ihre Kosten zu senken. Zwar wird eilig an neuen Konzepten gearbeitet, doch Innovationen in diesen neuen Geschäftsfeldern gehören nicht zur Stärke der Mobilfunker.

Apple und Google sind kaum noch einzuholen

Wie man es im Mobilfunkmarkt richtig macht, haben erst Apple, Google und RIM gezeigt. Mit innovativen, aber dennoch sehr einfach zu bedienenden Programmen, welche die gewohnte Webnutzung mobil gemacht haben. Mit eigenen Handy-Betriebssystemen, die ihnen einen großen Teil der Wertschöpfung sichern. Mit einem Zahlsystem, das von den Nutzern akzeptiert wird. Und mit dem Coup, ihre Systeme für Applikationen („Apps“) von externen Entwicklern zu öffnen, was lebendige Öko-Systeme geschaffen hat, aus denen stetig neue Ideen die Produkte verbessern.

Medienunternehmen liefern nun ihre Inhalte elegant per „App“ auf die Handys, und Spieleproduzenten haben in den neuen Geräten ideale Plattformen gefunden. Apple und Google haben es also mit gleich mehreren intelligenten Schachzügen geschafft, das Innovationstempo im mobilen Internet hoch zu halten und ihren Vorsprung gegenüber den ehemaligen Platzhirschen schwer einholbar auszubauen.

Für die Netzbetreiber ist es aber nicht zu spät, denn die digitale Revolution steckt noch in ihren Anfängen. Machine-to-Machine lautet dabei ein elektrisierendes Stichwort. Die Kommunikation zwischen Maschinen, zum Beispiel zwischen Auto und Werkstatt, die ressourcenschonende Steuerung aller Haushaltsgeräte über das Stromnetz oder eine intelligente Verkehrssteuerung sind vielversprechende Gebiete, in denen die Netzbetreiber große Chancen haben, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Dafür bedarf es allerdings eines Rucks in der Unternehmensmentalität, denn ohne den Willen, schneller und besser zu werden, geht es nicht.

Auf der Suche nach Kunden und Nutzern

Wie sich ein Großunternehmen in diesem Hightech-Markt wandeln kann und muss, macht zurzeit der finnische Handyhersteller Nokia vor. Noch härter und genauso unvorbereitet von Apple und Google getroffen, bauen die Finnen ihr Unternehmen gerade grundlegend um. Für fünf Milliarden Euro hat Nokia den Landkartendienst Navteq übernommen, eigentlich mit dem Ziel, Navigationsprodukte teuer an ihre Handykunden zu verkaufen. Als Google die Navigation kostenlos machte, zog Nokia nach. Auch ihr Betriebssystem Symbian verschenken die Finnen inzwischen – weil auch Google sein Android-System verschenkt.

Das Ziel: mehr Geräte zu verkaufen, mehr Betriebssysteme im Markt zu haben oder einfach: mehr Nutzer und Kunden zu gewinnen. Nokias Wandel wurde sogar schon belohnt. Zuletzt hat das Unternehmen im lukrativen Marktsegment der hochwertigen Smartphones sogar wieder Marktanteile gegen Apples iPhone gewonnen. Und damit das Signal gesetzt, dass auch Apple und Google nicht unbesiegbar sind. Wenn man den Mut hat, nach den neuen Spielregeln zu spielen.

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