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Telekommunikation Telekom-Chef Ricke kämpft um Vertrauen

11.08.2006 ·  Kai-Uwe Ricke muß nach eigenen Worten das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. Um sie zu überzeugen, sollen die Aktionäre künftig stärker von der Dividende als von einer Steigerung des Aktienkurses profitieren.

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Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke muß nach eigenen Worten das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. Um sie zu überzeugen, sollen die Aktionäre künftig stärker von der Dividende als von einer Steigerung des Aktienkurses profitieren.

Darauf läuft die neue Strategie der Telekom hinaus, die Ricke in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erklärte: Die Deutsche Telekom scheine einem Unternehmen mit dem Profil eines Versorgers ähnlicher zu werden - mit moderat wachsenden Umsätzen, einem stabilen Mittelzufluß und einer stabilen Dividendenrendite.

Deutliche Preissenkungen angekündigt

Die Branche sei aber doch stärker von Phantasien geprägt als andere. Zur neuen Strategie gehören auch deutliche Preissenkungen im Festnetz und im Mobilfunk. Ricke kündigte an, die Minutenpreise im Mobilfunk würden auf ein Niveau von zwei bis drei Cent über dem Preis für Festnetzgespräche sinken. Damit wäre die Telekom der preiswerteste Anbieter im Mobilfunkmarkt.

Der Dividendenrendite will Ricke im Konzern mehr unterordnen als bisher. Ein neues Sparprogramm werde alle Bereiche vom Vertrieb bis zum Netz erfassen. Auch an der Werbung will die Telekom sparen. Ricke kündigte an, jede Investition zweimal zu prüfen, ob sie Umsatz sichere oder mittelfristig die Kosten senke. Im ersten Quartal hatte der Konzern schon eine Milliarde Euro weniger investiert als ursprünglich geplant. Der Aktienkurs des Konzerns gab am Freitag abermals kräftig nach. Im Verlauf notierte die Aktie fast 5 Prozent im Minus und sackte deutlich unter 10,70 Euro. Am Donnerstag hatte das Papier fast 8 Prozent Wert verloren.

Nicht mit solch intensivem Wettbewerb gerechnet

"Ich gestehe, daß wir mit der Intensität des Wettbewerbs in Deutschland, wie wir sie in den vergangenen sechs Monaten in Deutschland gesehen haben, nicht gerechnet haben", sagte Ricke. Der Verlust von rund eine Million Kunden habe die Telekom überrascht. Besserung ist nach seiner Ansicht nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil erwartet Ricke eine Verschärfung des Wettbewerbs.

Einsilbig äußerte sich der Vorstandsvorsitzende des Konzerns zu seinem Verhältnis zum Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel und zu den Großaktionären Bundesrepublik und Blackstone. Ricke zeigte sich aber davon überzeugt, daß er das Vertrauen auf der Basis der Neuausrichtung des Konzerns zurückgewinnen könne. Aus dem Umkreis Zumwinkels heißt es, dieser schätze Ricke persönlich und auch seine Arbeit an der Konzernspitze. Das Verhältnis zwischen den beiden wird als "sehr gut" beschrieben.

Das ändert jedoch nichts daran, daß es in der Sache schon mal Meinungsunterschiede gibt. So sollen die beiden mit unterschiedlichen Vorstellungen an die Sanierungsstrategie der Telekom herangegangen sein. Zumwinkel habe für einen möglichst raschen Abbau der von Rickes Vorgänger Ron Sommer angehäuften Schulden plädiert, während Ricke lieber die Auslandspräsenz habe ausbauen wollen.

Die Minderheitsbeteiligung am russischen Mobilfunkunternehmen MTS sei erst auf ausdrückliches Drängen Zumwinkels veräußert worden, hieß es. Der Verkauf in zwei Tranchen hatte der Telekom 2004 und 2005 fast 3 Milliarden Euro in die Kasse gespült. Allerdings ist der Konzern seitdem auf dem wachstumsstärksten Mobilfunkmarkt Europas nicht mehr vertreten.

Quelle: F.A.Z., 12.08.2006, Nr. 186 / Seite 11, jcw./bü.
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