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Telekommunikation Telekom-Branche: Swisscom bleibt ein Sonderfall

26.03.2003 ·  Der größte Schweizer Telefon-Konzern hat seine Ausnahmestellung in der europäischen Telekom-Branche bestätigt. Während die Deutsche Telekom im Vorjahr Rekordverluste machte, steigerte die Swisscom den Betriebsgewinn.

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Der größte Schweizer Telefon-Konzern Swisscom hat seine Ausnahmestellung in der europäischen Telekom-Branche bestätigt. Während die Deutsche Telekom im Vorjahr Rekordverluste machte, steigerte die Swisscom den Betriebsgewinn um sieben Prozent auf 2,4 Milliarden Franken (1,6 Milliarden Euro).

Das Ergebnis ohne Sonderkosten und Abschreibungen (Ebitda) erreichte gar 4,4 Milliarden Franken, was bei einem nur leicht erhöhten Umsatz von 14,5 Milliarden Franken einer stolzen Betriebsmarge von 30 Prozent entspricht.

Der Jahresüberschuß schrumpfte dagegen deutlich um 83 Prozent auf 824 Millionen Franken, was allein Sondereffekten zuzuschreiben ist. 2002 gab es keinen Milliardenerlös aus einem Beteiligungsverkauf an Vodafone bei Swisscom Mobile. Hinzu kamen Wertberichtigungen von 0,7 Milliarden Franken bei der deutschen Debitel, die man vor vier Jahren kaufte.

Adler: „Sehr zufrieden"

Damit haben die Schweizer schon fast die Hälfte des Debitel-Kaufpreises von 4,3 Milliarden Franken als Abschreibung auf den Firmenwert (Goodwill) korrigiert. Debitel steht bei Swisscom jetzt noch mit 10 Euro je Aktie in den Büchern, was etwa 4 Euro über dem Börsenkurs liegt. Konzernchef Jens Alder zeigte sich bei der Bilanzkonferenz trotz dieser Abschreibung mit Debitel "sehr zufrieden". Er ist indes unzufrieden mit dem geringen Streubesitz.

Lediglich fünf Prozent der Debitel-Aktien sind im Publikum, weil Swisscom 93 Prozent hält und ein Partner 2 Prozent. Für Alder ist deshalb eine Teilplazierung von Aktien eine mögliche Option, doch er will auf bessere Zeiten an den Finanzmärkten warten, weil Debitel zur Zeit keine zusätzlichen Mittel für Projekte braucht.

Telekom Austria nur mit Mehrheit erwünscht?

Zu Spekulationen über eine Beteiligung an der Telekom Austria (TA) wollte sich der Konzernchef weiterhin nicht äußern. Er beantwortete auch nicht die Frage, wie viele der vier Kriterien für eine Akquisition die TA erfüllen würde. Dazu zählen nicht allein finanzielle Aspekte, sondern man verlangt für eine Übernahme auch industrielle Logik und gutes Management beim Kandidaten. An der Telekom Austria, dem größten Börsenwert in Österreich, hält der Staat noch 47,2 Prozent.

Vermutlich will er mindestens 25 Prozent halten, um eine gewisse Kontrolle zu behalten. Daß sich die Swisscom mit einer Minderheit begnügt, ist unwahrscheinlich. Dies bekräftigte Alder einerseits mit der Bemerkung, daß er nicht an den langfristigen Wert von Minderheitsbeteiligungen glaube - wobei er dies hauptsächlich auf eine mögliche Aktien-Plazierung von Debitel münzte. Andererseits versicherte der Konzernchef: "Wir können auch ohne Akquisitionen leben."

Debitel will Kundenbindung

Für 2003 ist die Swisscom vorsichtig, weil man weiter mit Umsatz- und Margendruck rechnet. Gleichwohl wird wiederum ein Betriebsergebnis vor Sonderkosten und Abschreibungen von 4,4 Milliarden Franken angepeilt. Margendruck gibt es besonders im Festnetz, wo sich 2002 das Betriebsergebnis um fünf Prozent verschlechterte. In der Mobiltelefonie konnte das Ergebnis verbessert werden; die Ebitda-Marge stieg um einen Punkt auf 48 Prozent.

Auch bei Debitel selbst äußerte sich Vorstandschef Peter Wagner zufrieden über das Ergebnis des vergangenen Jahres. "Uns ist die Kundenbindung wichtiger als kurzfristige Ergebnisoptimierung", sagte Wagner in der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart. Ohne den Aufwand für die Kundenbindung könne das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) statt 68 Millionen Euro auch mehr als 100 Millionen Euro betragen. Einen genauen Betrag für diesen Aufwand nannte Wagner nicht. Wäre es lediglich der Unterschiedsbetrag von 32 Millionen Euro, errechnete sich daraus pro Kunde immerhin ein Aufwand von gut 75 Euro.

Die Summe, die tatsächlich verwendet wird, um einen Handynutzer bei der Stange zu halten, liegt aber deutlich höher, denn Debitel bekommt zusätzlich von den Netzbetreibern (Telekom, Vodafone und E-Plus) Werbekostenzuschüsse für diese Maßnahmen. Je nachdem, wie ertragbringend ein Kunde ist, wird ihm nach Ablauf seiner zweijährigen Vertragsbindung ein neues Handy oder auch ein Rabatt angeboten.

Während Debitel auf diese Weise versucht, den durchschnittlichen Wert seiner Kunden, vor allem der rund 2,5 Millionen Vertragskunden, zu erhöhen, hat das Unternehmen seine Abläufe gestrafft und automatisiert. Die täglich eintreffenden 12 000 bis 20 000 Briefe würden komplett eingescannt, und etwa die Hälfte davon könne dank Schrifterkennung vollautomatisch beantwortet werden, berichtete Wagner. Ebenso ist es bei den eingehenden Anrufen: Prepaid-Kunden, also die Kunden, die mit einer vorausbezahlten Telefonkarte telefonieren, und sich beispielsweise nach dem Guthabenstand erkundigen, bekommen die Antwort dank eines Spracherkennungssystems ohne direkten Kontakt mit dem Call-Center.

Für 2003 erwartet der Debitel-Vorstand noch keine Verbesserung des Ergebnisses, da einerseits der Aufwand für die Kundenbindung weiterhin hoch sein werde und zudem hohe Investitionen in ein neues System zur Rechnungserstellung geplant seien. Das vor allem bei den Vertragskunden kräftige Wachstum in den ersten zwei Monaten diesen Jahres stimme zuversichtlich, beim Umsatz zumindest im einstelligen Prozentbereich zulegen zu können.

Quelle: km./sup., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2003, Nr. 73 / Seite 17
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