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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Telekommunikation Optoelektronische Bauteile - ein Zukunftsmarkt für Startups

 ·  Neue Technologien, die elektronische Schalter durch Licht ersetzen, könnten in den nächsten Jahren einen Boom erleben.

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Die Telekomanbieter müssen eisern sparen. Sie geben den Kostendruck weiter an die Netzwerkhersteller, die fieberhaft nach billigerer Technik suchen. Eine Möglichkeit bieten optoelektronische Bauteile.

„Die Carrier geben nur noch Geld aus, um noch mehr Geld zu sparen“, sagt Alexander Brühl von Atlas Venture. Gefragt ist nicht mehr die „fancy new technology“ der übernächsten Generation, sondern kostensparende Technologie für heute. Ein Ausweg aus der Krise könnten optoelektronische Bauteile bieten, die in den teuren Knotenpunkten der Netze Kosten einsparen sollen. Alexander Brühl wittert gute Chancen, dass neue Technologien, die elektronischen Schalter durch Licht ersetzen, in den nächsten Jahren boomen. Atlas Venture will 950 Millionen Dollar Risikokapital in optische Technologien investieren.

Der Blick des Ingenieurs

Auch Christian Nagel von Earlybird Venture Capital ist davon überzeugt, dass Netzwerkhersteller mit optischen Bauteilen gelockt werden können. 300 Millionen Dollar will Earlybird in junge Unternehmen der Branche stecken. „Die technologischen Grundlagen sind in Deutschland sehr gut“, meint Nagel, allerdings nicht ohne hinzuzufügen, dass die technologische Orientierung vieler universitätsnaher Neugründungen hierzulande immer noch ein Manko ist. Earlybird reagiert darauf mit einer intensiven Unterstützung beim Aufbau des Managements der Startups. Der Weg zur Börse, der in der Hype-Phase von vielen Unternehmen nach kurzer Zeit angepeilt wurde, ist nach dem Absturz auf Jahre verbaut. Und auch das Geld der Risikokapitalgeber sitzt nicht mehr so locker.

Einer der hofft, mit seinem Produkt die Marktreife zu erlangen, ist Dag Neumeuer. Die von ihm Anfang des Jahres in Berlin gegründete Mergeoptics entwickelt mit fünf Mitarbeitern optische Schalter für Telekomschaltanlagen. „Wir rechnen den Netzwerkanbietern Kosteneinsparungen von bis zu 25 Prozent gegenüber elektronischen Bauteilen vor“, sagt Neumeuer. Sein Unternehmen steht kurz vor einem Abschluss der zweiten Finanzierungsphase und hat damit genug Luft, bis Anfang nächsten Jahres Kundenmuster herzustellen. Weltweit rechnet der ehemalige Infineon-Manger mit einem Markt von sieben Milliarden Dollar für optoelektronische Bauteile für Telefonnetzwerke.

Sieben deutsche Kompetenzzentren

Die deutschen Unternehmen können in technologischer Hinsicht international mithalten. Mit bundesweit sieben Kompetenzzentren hat sich ein dichtes Netzwerk zwischen Forschungsinstituten, Universitäten und Unternehmen entwickelt. Das Heinrich-Hertz-Institut in Berlin hat eine erste strategische Kooperation mit Alcatel und Siemens über rein optische Signalverarbeitung abgeschlossen. Walter Döldissen, Leiter der Planung beim Heinrich-Hertz-Institut, ist sich sicher, dass elektronische Schalter bei noch stärker komprimierten Datenströmen an ihre physikalischen Grenzen stoßen. „Je höher die Übertragungsgeschwindigkeiten, desto schwieriger können elektronische Schaltkreise Schritt halten“, sagt Döldissen. Er erwartet einen Durchbruch für optische Schalter in zwei bis drei Jahren.

Trotz der optimistischen Zukunftserwartungen ist in der Branche von Euphorie keine Spur. Der Kostensenkungsdruck wird auf Jahre den Kuchen, den die Netzwerkherstellern verteilen, bescheiden wachsen lassen. Zumindest solange, wie die Telefonanbieter nicht wissen, wie sie die Kunden zu höheren Ausgaben verlocken können. Am Ende der Wertschöpfungskette sitzen die Nutzer. Und die haben noch nicht erkenn lassen, dass sie für leistungsfähigere Netze mehr Geld locker machen als bisher.

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